Manchmal reicht ein einziges Produkt, um erfolgreich zu sein. Dirk Paessler hat dieses Produkt vor rund 20 Jahren entwickelt - beziehungsweise hat er damals damit begonnen, eine Software zu programmieren, mit der sich inzwischen richtig gut Geld verdienen lässt.

"Wir verkaufen ein Produkt, unabhängig von Sprache und Kultur", sagt Paessler. PRTG nennt sich die Software, die die Paessler AG in Nürnberg im Angebot hat. Dem privaten Nutzer sagt der Name nichts. Der gehört aber auch nicht zur Zielgruppe. Kunden sind vielmehr die Systemadministratoren von Unternehmen oder Behörden, also Leute, die das Firmennetzwerk überwachen und verwalten, um so drohenden Ausfällen vorzubeugen oder auf Probleme schnell zu reagieren.


In mehr als 170 Ländern

Laut Paessler laufen weltweit 180 000 Installationen mit PRTG in mehr als 170 Ländern. Der britische Fußballverein FC Fulham gehört zu den Nutzern der Netzwerk-Software, ebenso Bosch Rexroth, das National Theatre in London oder der Flughafen Zürich. Hauptsächlich sind die Kunden kleine und mittelständische Unternehmen oder auch Kliniken und Stadtverwaltungen.


Zwei Drittel Freeware

Ungefähr ein Drittel dieser Installationen wurde bezahlt, zwei Drittel sind sogenannte Freeware. Die kostenlos zur Verfügung gestellte Software reicht nach Firmenangaben für kleine Netze.

In der schmalen Nische der Netzwerküberwachung hat sich die Paessler AG nach eigenen Angaben eine Weltmarktposition erarbeitet. 85 Prozent der Kunden sitzen im Ausland, hauptsächlich in den USA. Auf PRTG werden diese in der Regel über das Internet aufmerksam, ein Teil des Umsatzes erzielt das Unternehmen daneben auf Messen.

Im vergangenen Jahr ist Dirk Paessler mit seinen Mitarbeitern umgezogen in ein größeres Gebäude im Gewerbegebiet Nordostpark in Nürnberg. 160 Beschäftigte haben dort jetzt ihren Sitz, 30 weitere sind weltweit im Vertrieb unterwegs. Platz ist genug auf den vier Stockwerken mit 7500 Quadratmetern Bürofläche. "Wir werden das ohne Probleme füllen", kündigt Pa ess ler jetzt schon an.


60 Prozent Wachstum

Der 48-Jährige stützt sein Selbstvertrauen auf die Unternehmensentwicklung der vergangenen Jahre und auf die Perspektiven für seine Software. In den Jahren 2010 bis 2013 sei die Paessler AG um 60 Prozent gewachsen. In den beiden Jahren zuvor immerhin bis zu 15 Prozent. "Wir bedienen Kunden im unteren Marktsegment, zielen auf Firmen zwischen 50 und 1000 Mitarbeitern", beschreibt der Firmengründer das Spektrum. Zwar gebe es nur ein Produkt, aber das sei branchenunabhängig. "Ob Bank, Autohersteller oder Behörde - unsere Software können Sie überall einsetzen." Und immer mehr Firmen seien davon abhängig, dass das Firmennetzwerk funktioniere.


Aufenthalt in den USA

Dabei fing alles vor 20 Jahren klein an. Dirk Paessler, in Erlangen geboren, hatte schon im Alter von 15 Jahren selbst geschriebene Software verkauft, zum Beispiel für Anwälte zum Forderungsmanagement bei Mahnverfahren oder eine Astrologiesoftware. Mit einem guten Freund war er nach dem Abitur für mehrere Monate in den USA, arbeitete unter anderem in Minneapolis für eine Softwarefirma. "Das hat Perspektiven verändert. Ich rate jedem, nicht sofort in eine Ausbildung oder ins Studium zu gehen, sondern zuvor etwas anderes zu machen. Und am besten so weit weg wie möglich", sagt der Diplom-Elektrotechniker Paessler. 17 Semester hat er für sein Studium an der Uni Erlangen gebraucht. "Zu viel, aber ich habe mich um viele andere Dinge gekümmert."


Schwieriger Start

Als der Vater einer zehnjährigen Tochter 1997 seine Firma gründete, arbeitete er zunächst hauptsächlich für ein anderes Start-up. Erst einige Jahre später konzentrierte er sich auf seine eigene Software-Idee. Zunächst alleine, nach neun Monaten kam dann der erste Mitarbeiter hinzu. Der Start war schwierig. "Wir haben ein Jahr lang vom Kunsttherapeutinnen-Gehalt meiner Frau gelebt", berichtet Paessler. Noch vor zehn Jahren hatte er nicht mehr als acht bis zehn Mitarbeiter. Zum Jahresende sollen es nun mehr als 200 sein. "Unser Schatz ist die Erfahrung", sagt er. Es gebe stets Verbesserungen. Dann reicht auch ein Produkt zum Erfolg.