Lauf an der Pegnitz
Strafverfahren

Nach Video von Corona-Demo: Fast 200 Hasskommentare - Polizei leitet massenweise Strafverfahren ein

Im Nachgang der Corona-Demo in Lauf (Landkreis Mittelfranken) Ende Januar wurde ein Video einer Polizeikontrolle auf Facebook gepostet - darunter wurden zahlreiche Hass-Kommentare geschrieben. Gegen diese Nachrichten geht die Polizei jetzt strafrechtlich vor.
 
Lauf: Hass-Kommentare nach Corona-Demo– Polizei Mittelfranken leitet massenweise Strafverfahren ein
Die Polizei Mittelfranken geht strafrechtlich gegen zahlreiche Hass-Kommentare auf Facebook vor. Diese wurden unter einem Polizeieinsatz auf einer Corona-Demo in Lauf an der Pegnitz gepostet. Foto: Polizei Mittelfranken
  • Polizei Mittelfranken leitet Strafverfahren wegen Hass-Nachrichten ein
  • Beamte werden bei Corona-Demo in Lauf an der Pegnitz im Januar gefilmt 
  • Video erhält auf Facebook 196 Hass-Kommentare 

Polizei Mittelfranken geht strafrechtlich gegen Hass-Kommentare vor: Auf der Corona-Demo in Lauf an der Pegnitz am 22. Januar wurden Beamte der Polizei Mittelfranken gefilmt. Dieses Video wurde auf Facebook gepostet und darunter landeten zahlreiche Hass-Kommentare. Dagegen geht die Polizei jetzt vor.

Update vom 16.06.2021: Polizei geht strafrechtlich gegen 196 Hass-Nachrichten vor

Schon Ende Januar fand in Lauf an der Pegnitz eine Versammlung gegen Corona-Maßnahmen statt. Im Rahmen des Einsatzes wurden drei Beamte der Polizeiinspektion Lauf an der Pegnitz verletzt - und damit noch nicht genug. Die Polizei Mittelfranken teilte jetzt mit, dass im Zuge der Demonstration Beamte dabei gefilmt worden seien, wie sie das Attest einer Frau kontrollieren wollten. Ein Video dieses Polizeieinsatzes sei dann im Nachgang auf Facebook gepostet worden.

Laut Polizei hätten sich aufgrund verschiedener Hinweise aus der Bevölkerung Beamte der Kriminalpolizei Schwabach diese Kommentare "einmal näher angesehen und hierbei 196 (!) strafrechtlich relevante Äußerungen gesichert." Die Ersteller dieser Kommentare seien daraufhin ermittelt und Strafverfahren eingeleitet worden. Die Akten seien nun in mehreren Aktenordnern an die zuständigen Staatsanwaltschaften im gesamten Bundesgebiet übersandt worden.

Nach dem Vorfall fordert die Polizei Mittelfranken die Bevölkerung außerdem auf: "Denkt also immer daran, wenn ihr etwas im Internet postet, solltet ihr dieselben Maßstäbe anlegen wie im wirklichen Leben, denn auch hier seid ihr nicht anonym."

Update vom 17.03.2021: Polizei Lauf spendet nach Corona-Demo an Caritas

Ende Januar gab es auf dem Laufer Marktplatz eine Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen. Dabei kam es zu "gewalttätigen Handlungen" gegen die Kollegen, berichtet die Polizei Mittelfranken. Was dann folgte, überraschte die Beamten.

Es gab "ungewöhnlich viele Solidaritätsbekundungen" für die Polizei. "In einem Umfang, wie noch nie zuvor, zeigten sich viele Menschen aus der Region dankbar für den Einsatz, das Engagement und die menschliche Art der örtlichen Polizei", berichtet die Polizei Mittelfranken.

In einem anonymen Dankschreiben erhielt die Polizei sogar 100 Euro in bar. Diese Spende brachte den Stein ins Rollen: Die Laufer Polizisten wollten ihrer Stadt etwas zurückgeben und durch private Spenden aus dem Kollegenkreis wurde der Betrag um ein Vielfaches erhöht. 

Zwei Kollegen der Polizeiinspektion Lauf übergaben der Caritas Nürnberger Land nun insgesamt 555 Euro. Das Geld soll für ein aktuelles Projekt der Quartiersarbeit einsetzt werden: Menschen, die aufgrund sprachlicher oder bildungsmäßiger Barrieren den Zugang zum Internet nicht finden, werden von der Caritas geschult und dazu mit (gebrauchten) Endgeräten ausgestattet. So soll Einwandererfamilien und Menschen in vorgerücktem Alter in der Corona-Pandemie geholfen werden, Anschluss an die digitale Kommunikation zu bekommen. "Wir wollen etwas zurückgeben", erklärt die Polizei Mittelfranken.

Hier den Corona-Selbsttest bei Aponeo anschauen

Erstmeldung vom 23.01.2021: Corona-Maßnahmen-Gegner bedrängen Polizei

Verletzte Polizisten bei Versammlung gegen Corona-Maßnahmen: Am Freitagabend (22. Januar 2021) haben drei Beamte der Polizeiinspektion Lauf an der Pegnitz (Landkreis Nürnberger Land) während ihres Einsatzes bei einer Versammlung von Gegnern der Corona-Maßnahmen Verletzungen erlitten. Das berichtet das Polizeipräsidium Mittelfranken. Die Polizisten waren demnach von einem Teilnehmer der Versammlung angegriffen worden, nachdem sie das Attest einer Frau kontrollieren wollten, die keinen Mund-Nasen-Schutz getragen hatte.

Laut Polizei hatten sich in der Zeit zwischen 17 und 18 Uhr in der Spitze bis zu 40 Menschen versammelt, um im Rahmen einer angemeldeten Versammlung gegen die aktuellen Corona-Maßnahmen zu demonstrieren. Während der Versammlung war einer Streife der Polizeiinspektion Lauf eine Teilnehmerin aufgefallen, die den vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz nicht trug. Das mitgeführte Attest der Frau erweckte bei den Beamten Zweifel über dessen Richtigkeit.

"Da sich die Frau bereits bei der ersten Ansprache unkooperativ verhielt, warteten die Beamten mit weiteren Maßnahmen bis zum Ende der Versammlung", teilt das Polizeipräsidium Mittelfranken mit. Während der anschließenden Kontrolle solidarisierten sich demnach etwa 20 vor Ort verbliebene Versammlungsteilnehmer mit der 52-jährigen Frau. Sie bedrängten die Polizeistreife durch Aufschließen und forderten die Kontrollierte auf, sich den Maßnahmen der Beamten zu widersetzen. "Auch das Eintreffen einer weiteren Streife konnte die Situation zunächst nicht entspannen", berichtet das Präsidium.

Nachdem die Beamten in dieser Situation bereits Menschen von sich wegschieben mussten, griff ein 39-jähriger Mann sie letztlich sogar körperlich an. Den Polizisten gelang es nur unter erheblichem Kraftaufwand, den renitenten Mann zu überwältigen und ihm Handfesseln anzulegen. Bei seiner Festnahme führte er unter anderem Fußtritte gegen die Polizeibeamten aus.

Erst unter Hinzuziehung von Unterstützungskräften - unter anderem eine Einheit der Bayerischen Bereitschaftspolizei - konnte die Situation unter Kontrolle gebracht werden. Insgesamt hatten sich zu diesem Zeitpunkt 25 Personen gegen die Polizeikräfte solidarisiert. Die Einsatzkräfte stellten die Identität der anwesenden Personen fest und stellten anschließend auch deren Mobiltelefone sicher. Etliche Personen hatten den Polizeieinsatz zuvor mitgefilmt. Gegen die beteiligten Personen wird nun wegen des Verdachts des Landfriedensbruches ermittelt.

39-Jähriger verletzt Einsatzkräfte: Polizist im Krankenhaus

Der 39-jährige Angreifer muss sich wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung verantworten. Die 52-jährige Frau erwartet eine Strafanzeige wegen der Benutzung unrichtiger Gesundheitszeugnisse. Einen 49-jährigen Mann, der während des Polizeieinsatzes einem mehrfach erteiltem Platzverweis nicht nachkam, nahm die Polizei für die Dauer der Maßnahmen in Gewahrsam.

Drei Beamte der Polizeiinspektion Lauf erlitten bei dem Einsatz Verletzungen. Ein 38-jähriger Beamter konnte seinen Dienst nicht mehr fortsetzen und musste sich im Anschluss in einem Krankenhaus in ärztliche Behandlung begeben. Die polizeilichen Maßnahmen am Einsatzort waren gegen 20.30 Uhr abgeschlossen.

Trotz Verbots trafen sich über 100 Gegner der Corona-Maßnahmen unlängst in Fürth. Das "Bündnis gegen Rechtsextremismus und Rassismus" übt in diesem Zusammenhang nun harsche Kritik an der Polizei. Diese betont: "Die Polizei hat klare Kante gezeigt."

*Hinweis: In der Redaktion sind wir immer auf der Suche nach nützlichen Produkten für unsere Leser. Es handelt sich bei den in diesem Artikel bereitgestellten und mit einem Einkaufswagen-Symbol beziehungsweise einem Sternchen gekennzeichneten Links um sogenannte Affiliate-Links/Werbelinks. Wenn Sie auf einen dieser Links klicken und darüber einkaufen, bekommen wir eine Provision vom Händler. Für Sie ändert sich dadurch nichts am Preis. Unsere redaktionelle Berichterstattung ist grundsätzlich unabhängig vom Bestehen oder der Höhe einer Provision.