• Tierheim Feucht und Tierheim Hersbruck an dramatischer Rettung von über 115 Katzen beteiligt
  • "Schwamm ein Gemisch aus Kot und Urin": Mini-Wohnung nur mit Gasmasken betretbar
  • "Gibt einen Lichtblick": Erste Katzen aus Animal Hoarding dürfen bald vermittelt werden
  • Manche Tiere "noch etwas schüchtern" – aber alle Katzen mittlerweile "stabil"

Das Tierheim Hersbruck wurde am Sonntagmittag (30. Januar 2022) vom Veterinäramt Nürnberger Land über einen Fall von Animal Hoarding (Tierhortung) informiert, dessen Ausmaß für den Verein eine traurige Premiere darstellte. Über 115 Katzen befanden sich in einer circa 60 Quadratmeter großen Wohnung in Diepersdorf (Gemeindeteil von Leinburg, Nürnberger Land). Nun gibt es, knapp einen Monat später, erfreuliche Nachrichten, wie das Tierheim Feucht berichtet, in dem viele der Katzen gelandet sind. 

Update vom 24.02.2022, 12.50 Uhr: Nach Katzen-Rettung im Nürnberger Land – Tierheim kann in Kürze vermitteln

Nach der schockierenden Rettungs-Aktion von rund 115 Katzen aus einer kleinen, völlig heruntergekommenen Wohnung, meldet sich nun das Tierheim Feucht mit einem Update "zu unseren Verwahrkatzen aus dem Animal Hoarding Fall" zurück. „Es gibt einen Lichtblick“, schreibt das Tierheim auf Facebook. Die im Tierheim Feucht lebenden Katzen aus Diepersdorf (Gemeindeteil von Leinburg, Nürnberger Land) könnten schon bald vermittelt werden.

"Dank der Fürsorge unserer Pfleger haben sich alle Katzen nach der Räumung stabilisiert, sind umgänglich und recht zutraulich", freut sich das Tierheim. Gesundheitlich seien alle Katzen fit und bereit, kastriert und geimpft zu werden. "Nur ein ganz kleiner Teil der mehr als 40 Katzen ist noch etwas schüchtern" – bis zur Vermittlung werde sich das jedoch bestimmt noch weiter verbessern. "Wir sollten nicht vergessen, was die Tiere in den letzten Wochen erlebt haben."

Das Tierheim ist sich jedoch sicher: "Spätestens in einem liebevollen Umfeld wird das aber ganz schnell vergessen sein." Momentan bittet das Tierheim Feucht darum, von Anfragen abzusehen. Sobald die Vermittlung beginnt, werde dies auf der Homepage bekannt gegeben. Auch aktuelle Bilder würden folgen. Bis dahin blieben die Katzen noch eine Weile im Tierheim Feucht.  

Update vom 03.02.2022, 11.30 Uhr: Nach Katzen-Rettungsaktion in Leinburg - Polizei nennt Details zum Einsatz

Das Polizeipräsidium Mittelfranken hat sich nach der schockierenden Rettungsaktion von 115 Katzen aus einer kleinen Wohnung im Leinburger Gemeindeteil Diepersdorf zu Details des Einsatzes geäußert. "Am Sonntag, 30.01.2022, gegen 09:45 Uhr, wurde eine Streifenbesatzung der Polizeiinspektion Altdorf nach Leinburg zu einem vermuteten Unglücksfall gerufen", heißt es in dem Facebook-Post.

Hier sei "aufgrund der angegebenen Umstände davon auszugehen" gewesen, dass der 60-jährigen Bewohnerin etwas zugestoßen sei, so die Polizei. Nach mehrmaligem Klopfen und Klingeln habe die Mieterin nicht reagiert, weshalb die Polizei die Wohnung selbst öffnete, heißt es. "Die Mieterin selbst war zunächst nicht in der Wohnung anzutreffen." Doch den Einsatzkräften habe sich "eine andere Notlage" geboten. In der Wohnung hätten sich "unzählige Katzen" befunden, so die Polizei. 

Der Zustand der Katzen und der Wohnung sei "erschreckend" gewesen, weshalb das Veterinäramt gerufen worden sei. Gemeinsam mit dem Tierheim Feucht und dem Tierheim Hersbruck sowie der Freiwilligen Feuerwehr Diepersdorf habe man am Sonntag 56 Katzen aus der ca. 60 Quadratmeter großen Wohnung gerettet. Die "hinzugekommene Mieterin wurde aus gesundheitlichen Gründen durch einen Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht", heißt es.

Polizei muss zweimal anrücken: Wohnung unbewohnbar - "waren längst nicht alle Katzen"

Doch dies seien "längst nicht alle Katzen" gewesen, weshalb die Polizei am Montag (31. Januar 2022) noch einmal zurückkommen musste. "Hier konnten weitere 59 Katzen in Obhut genommen werden. Teilweise versteckten sich die Katzen hinter und in Möbeln", beschreibt die Polizei die Lage.

Die Wohnung in Leinburg sei außerdem "massiv beschädigt" worden, weil ein Wasserhahn geöffnet gewesen sei. "Es entstand in der Wohnung ein Gemisch aus Katzenkot/Katzenurin/Futter und Wasser", so die Polizei.

Dieses sei in die Wände und den Boden der Wohnung der 60-Jährigen eingedrungen. "Aus Sicht der Kollegen ist die Wohnung zum derzeitigen Stand nicht bewohnbar", teilt die Polizei mit. Alle Katzen befanden sich zunächst in der Obhut des Veterinäramtes Nürnberger Land und wurden beziehungsweise werden "aufgrund der großen Anzahl an mehrere Tierheime in ganz Bayern verteilt", heißt es. 

Erstmeldung vom 02.02.2022: Feuerwehr trägt Gasmasken bei Katzen-Rettung - "Gemisch aus Kot und Urin"

Nur wegen eines Wasserschadens sei das Elend der Tiere überhaupt aufgefallen, schildert Pfaffenberger. Das Veterinäramt Lauf, die Feuerwehr Diepersdorf und der Notdienst des Tierheims Hersbruck trafen daraufhin bei der Wohnung einer alleinstehenden Frau ein. Hier habe sich "ein Bild des Grauens" geboten, beschriebt das Tierheim auf Facebook. "Auf dem Boden schwamm ein Gemisch aus Kot und Urin. Ein Atmen war nur erschwert möglich, da der Ammoniak-Geruch extrem war." Mit Gasmasken hätten Einsatzkräfte der Feuerwehr die Wohnung betreten und den Helfer*innen eine "Desinfektionsschleuse" errichtet. 

Die Sicherung der Katzen habe sich schwierig gestaltet, denn sie hätten sich an den unmöglichsten Orten aufgehalten. "Es wurden sogar Katzen im ausgeschalteten Kühlschrank und im Backofen gefunden", schildert Pfaffenberger. Unterernährt seien sie nicht wirklich, das verteilte Futter auf dem Boden - teils schon vergammelt - habe wohl zum Überleben gereicht. 17 Katzen habe das Tierheim Hersbruck aufgenommen und kümmere sich nun um ihre Gesundheit. 

"Es sind alles eher junge Katzen und sehr klein gebaut", teilt die stellvertretende Tierheimleitung mit und fügt hinzu, dass der Verdacht auf Inzucht bestehe. "Sie strotzen vor Flöhen." Einige Bisse habe sie schon mit nach Hause genommen. Zwei der Katzen seien stationär beim Tierarzt aufgenommen worden, denn ihr Gesundheitszustand sei bedenklich, so das Tierheim im Bericht.

An Vermittlung ist noch nicht zu denken - Katzen müssen erst "runterfahren"

Das Tierheim Hersbruck habe die Katzen teils zu zweit in ihren Räumlichkeiten untergebracht, andere seien wegen ihrer Verletzungen separiert worden. "Sie gehen eher geduckt als aufrecht. Eine Katze hat ein auffälliges Gangbild und kann ihren Kopf kaum ruhig halten, er bewegt sich unkoordiniert", erläutert Pfaffenberger. Jetzt ginge es erst einmal darum, den Katzen ein angenehmes Umfeld zu bieten, in dem sie "runterfahren" und die Situation psychisch verarbeiten können. Das Tierheim-Team merke deutlich, dass die Tiere "megamäßig Angst" haben und Rückzugsorte bräuchten.

Dafür stünden ihnen Höhlen zur Verfügung und es werde sogar ein Gerät eingesetzt, das Melodien mit für Katzen entspannenden Frequenzen abspiele. Der Gesundheitszustand der Tiere müsse zudem umfangreich geprüft werden. Mit Blutabnahmen würden sie auf Krankheiten untersucht, dann müsse der Impfstatus sorgsam aufgebaut werden, ohne das geschwächte Immunsystem zu überlasten.

Eine Vermittlung stehe daher in naher Zukunft noch nicht an. Die restlichen etwa 98 Katzen habe ein anderes Tierheim aus der Region aufgenommen. Nun müsse geschaut werden, wie sie weiter verteilt werden können, erklärt Pfaffenberger. Das Tierheim Hersbruck spricht zum Schluss des Facebook-Berichts seinen Dank an alle Beteiligten aus, zu denen auch die Polizei Altdorf und "alle anderen Tierschutzkollegen in ganz Bayern" zählten. Durch die Zusammenarbeit sei die Rettung schnell ermöglicht worden.

Auch interessant: Kater Maxi aus dem Tierheim Pfaffengrün hatte es als einzige Katze bei seiner Besitzerin besser. Doch als er eine Zeit lang alleine in der Wohnung leben musste, fraß er vor lauter Sehnsucht nach Zuwendung nicht mehr. Sein Zustand wurde immer ernster.