Es klingt ungeheuerlich, was Staatsanwalt Matthias Soldner einem 50-jährigen Bauhelfer aus dem Landkreis Roth zur Last legt: In einer dunklen Januarnacht diesen Jahres soll der Mann seine geschiedene Frau zunächst misshandelt und danach brutal aus dem dritten Stock seines Bauernhauses in den Tod geschubst haben.
An einem Samstagabend im Januar 2015 besucht das spätere Opfer den Ex-Mann in seinem elterlichen Bauernhaus in einem kleinen Dorf im mittelfränkischen Landkreis Roth. Dort soll der Angeklagte seine Ex beim Telefonieren belauscht haben. Daraufhin soll der 50-Jährige in rasende Eifersucht geraten sein und seiner Ex vorgeworfen haben, Sex mit anderen Männern zu haben. Ein heftiger Streit zwischen den ehemaligen Eheleuten soll die Folge gewesen sein. Plötzlich soll der Angeklagte ein Messer gezogen und die Frau bedroht haben. Derartig eingeschüchtert muss sich die Frau von ihrem Ex-Mann demütigen lassen. Sie habe das Oberteil ausziehen müssen. Der Angeklagte habe mit dem Messer über ihre nackte Brust gestrichen. Später soll er sie mit einem Klebeband und einem Stoffgürtel an den Fußgelenken und Unterschenkeln gefesselt haben. Die Hände der Frau soll der Mann zudem hinter ihrem Rücken verbunden haben. Offensichtlich damit die Frau nicht um Hilfe rufen konnte, soll er mit einem Klebeband den Mund der Frau zum Schweigen gebracht haben.

Seit 21 Uhr soll sich die Frau in dem Haus des Angeklagten aufgehalten haben. Staatsanwalt Matthias Soldner geht davon aus, dass der Angeklagte seine Ex vermutlich gegen 2.30 Uhr über eine Treppe und zwei Dachleitern in den ehemaligen Heuboden des landwirtschaftlichen Anwesens geschleppt hat. Im dritten Stock des Bauernhauses soll er danach das Klebeband entfernt haben und die Frau an den Rand des Fenstersimses gedrängt haben. Während die Frau laut um Hilfe geschrien haben soll, soll der Mann seine Ex aus einer Höhe von 9,40 Meter in die Tiefe gestoßen haben. Früher soll Hopfen auf dem Dachboden des Bauernhaus getrocknet worden sein. Wohl deshalb hat das Haus eine Höhe von knapp zehn Metern. Noch im Vorgarten des Anwesens verstarb die Frau an den Folgen des Sturzes. Noch am selben Morgen hat die Polizei bei dem Mann eine Alkoholprobe durchgeführt. Zum Tatzeitpunkt in der Nacht soll der Angeklagte ziemlich betrunken gewesen sein. Maximal 2,6 Promille habe der Mann im Blut gehabt.


Angeklagter räumt die Tat ein

Zu Beginn der Verhandlung hat Verteidiger Jochen Horn die Tat im Namen des Angeklagten eingeräumt. Auch den "massiven Streit" räumte Horn im Namen seines Mandanten ein. Der Angeklagte habe sich durch seine Ex-Frau gedemütigt gefühlt und daraufhin die Fassung verloren. Er bedauere die "schreckliche Tat". Weitere Erklärungen wolle der Angeklagte nicht abgeben, kündigte die Verteidigung an. "Wir hätten natürlich gerne viele Fragen gestellt und viele Antworten gehört", sagt die Richterin. Daraufhin beendet Barbara Richter-Zeininger die Verhandlung zunächst. Nun sollen 25 Zeugen gehört werden, die die Geschehnisse in der Tatnacht erhellen sollen. Insgesamt hat das Schwurgericht vier Verhandlungstage für den Prozess angesetzt.