Der Automobilzulieferer Bolta-Werke mit Sitz im mittelfränkischen Diepersdorf (Landkreis Nürnberger Land) ist in wirtschaftliche Schieflage geraten. Ursache ist nach Angaben der Geschäftsführung die gegenwärtige Halbleiterkrise. Der weltweite Chip-Mangel stellt für viele Akteure der Automobilbranche aktuell eine enorme Belastungsprobe dar. Auch der fränkische Autozulieferer Brose leidet darunter. 

Über ein Insolvenzverfahren wollen sich die Bolta-Werke nun neu aufstellen. Das berichtet die Sanierungskanzlei Schultze & Braun, deren Anwalt Volker Böhm vom zuständigen Insolvenzgericht in Nürnberg als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt wurde. Die Bolta-Werke fertigen Bauteile und einzelne Komponenten wie Typenschilder und Zierleisten für zahlreiche Automarken. Das Unternehmen beschäftigt an seinem deutschen Standort in Diepersdorf zurzeit rund 1000 Arbeitnehmer. Auf diese kommen nun voraussichtlich unruhige Zeiten zu.

Diepersdorf: Automobilzulieferer Bolta-Werke startet Sanierungsprozess

Der vorläufige Insolvenzverwalter äußerte sich zwar weitgehend zuversichtlich, was die Zukunft des fränkischen Standorts anbelangt: "Das Unternehmen verfügt über hochqualifizierte Mitarbeiter, hochmoderne Fertigungsverfahren und ein weitverzweigtes Vertriebsnetz. Das sind gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Neuaufstellung.“ Für manchen Beschäftigten dürfte dennoch das Bangen um seinen Job begonnen haben. 

Ausgelöst hat die aktuelle Schieflage des Unternehmens nach Angaben der Geschäftsführung die momentane Halbleiterkrise. In der Folge hätten einige Kunden ihre Abrufe verschoben. Dies habe bei Bolta "zu einem massiven Umsatzeinbruch" geführt, "der finanziell nicht aufgefangen werden konnte".

Die Arbeitnehmer sind über den Stand der Dinge und die weiteren Schritte demnach bereits informiert worden. Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten seien über das Insolvenzgeld für drei Monate gesichert. "Die Mitarbeiter haben gefasst reagiert und sind weiterhin mit vollem Engagement bei der Sache“, so Böhm. Die Bolta-Werke gelten als einer der größten Arbeitgeber im Umkreis der Gemeinde Leinburg, zu der Diepersdorf zählt. 

Trotz Insolvenzantrag: Geschäftsbetrieb wird in vollem Umfang fortgeführt

Böhm hat sich nach Angaben seiner Kanzlei bereits zum Sitz des Unternehmens nach Diepersdorf bei Leinburg, knapp 20 Kilometer östlich von Nürnberg, begeben. Gemeinsam mit dem Management leite er nun die ersten erforderlichen Maßnahmen ein. Der Geschäftsbetrieb des Unternehmens werde nach dem Insolvenzantrag ohne Unterbrechungen in vollem Umfang fortgeführt. "Alle Aufträge werden wie vereinbart erbracht", heißt es in der Pressemitteilung von Schultze & Braun. 

Nach Angaben seiner Kanzlei hat der vorläufige Insolvenzverwalter außerdem bereits Kontakt zu wichtigen Kunden aufgenommen. "Diese haben ausnahmslos ihre Unterstützung für die Sanierung zugesagt und angekündigt, weiter bei den Bolta-Werken zu bestellen“, konstatierte Böhm. In den kommenden Tagen und Wochen werde Böhm nun die vorhandenen Sanierungsoptionen ermitteln und gemeinsam mit Gläubigern und Geschäftsführung das weitere Vorgehen entscheiden.

Laut Pressemitteilung der Insolvenzkanzlei arbeiten weltweit rund 2400 Mitarbeiter für die Bolta-Gruppe. Die internationalen Produktionsstätten befinden sich in Tuscaloosa (USA) und Puebla (Mexiko). Die ausländischen Bolta-Gesellschaften sind nicht von der Insolvenz betroffen. Schultze & Braun zufolge erwirtschaftete die Bolta-Gruppe 2020 einen Umsatz von insgesamt rund 230 Millionen Euro.

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