• CSD Nürnberg 2022: Video mit heftiger Kritik an Veranstaltung geht viral
  • "Fühle mich nicht sicher": Christopher-Street-Day laut Besucherin zur "Saufveranstaltung" mutiert
  • "Glatte Lüge": Vorsitzender empört über Vorwürfe gegenüber Securitys
  • "Legen viel Wert auf Politik": Organisator sieht CSD klar als Demonstration

Der Christopher-Street-Day (CSD) in Nürnberg war für die Veranstalter eigentlich ein voller Erfolg. Am Samstag (6. August 2022) zogen insgesamt rund 11.000 Menschen unter dem Motto "Sichtbarkeit schafft Sicherheit" durch die Nürnberger Innenstadt und demonstrierten für Vielfalt und Akzeptanz. Doch im Nachgang gibt es auch heftige Kritik am CSD. Bei TikTok geht aktuell ein Video viral, in dem eine Besucherin den Organisatoren heftige Vorwürfe macht. 

CSD in Nürnberg "einfach nur noch eine Riesenparty": Besucherin übt heftige Kritik 

Sie bezieht sich dabei auf eine andere Nutzerin, die in einem Video mangelnde "Aufklärung" über die Situation der Gemeinschaft moniert. "Ich bin einfach schockiert", sagt sie. "Als bisexuelle Frau fühle ich mich nicht ernst genommen, nicht sicher und nicht als Teil der Community". Der CSD in Nürnberg sei "einfach nur noch eine Riesenparty", sie habe "keinen einzigen Sprechbeitrag mitbekommen". Auch, dass die CSU dort vertreten war, kann sie nicht nachvollziehen. "Die haben meiner Meinung da nichts zu suchen."

Auch seien "auf den Wegen Leute als Security ausgeschildert gewesen, die die ganze Zeit trinken". Angesichts vieler Übergriffe "alleine in diesem Jahr" im Zusammenhang mit dem CSD sieht die Besucherin es als problematisch an, dass Sicherheitskräfte ihrer Schilderung zufolge "sehr besoffen" gewesen seien.

"Absolut respektlos" sei es auch gewesen, dass die Wagen des CSD ihre Musik nicht leiser gedreht hätten, als man an der Spitalbrücke an einer Demonstration zu einem Völkermord in Afrika vorbeigelaufen sei. "Das ist eine Demo und keine Saufveranstaltung", moniert sie. Ihr Fazit stehe fest: "Für mich war das der letzte CSD."

Betrunkene Sicherheitskräfte beim CSD in Nürnberg? "Entspricht absolut nicht der Wahrheit"

Den Vorsitzenden des CSD-Fördervereins Nürnberg, Bastian Brauwer, machen die Vorwürfe wütend. "Ich weiß nicht auf welchem CSD sie war, aber der bei uns in Nürnberg kann es nicht gewesen sein", erklärt er gegenüber inFranken.de. "Wir hatten Sprechbeiträge auf der großen Bühne am Kornmarkt von 14.30 bis 15 Uhr und dann nochmal zwei Blöcke". Zu Beginn der Veranstaltung am Samstag habe es auch Diskussionen mit Vertretern von Parteien auf der Bühne gegeben, unter anderem mit Politikern und Politikerinnen der Grünen, Freien Wähler, SPD und CSU.

"Ich stehe auch dazu, dass die CSU als konservative Partei dort und bei der Demonstration dabei war, auch wenn sie sich in der Vergangenheit nicht immer queer-friendly gezeigt hat", so Brauwer. "Wir müssen auch mit denen sprechen, die etwas zu entscheiden haben, wenn wir etwas erreichen wollen. Und die Stadt Nürnberg hat als einzige Stadt in Bayern einen queeren Aktionsplan - unter einem CSU-Bürgermeister, der auch persönlich voll hinter dem Thema steht", so der Vorsitzende.

Dass Securitys betrunken gewesen sein sollen, bezeichnet er als "glatte Lüge". Dies entspreche "absolut nicht der Wahrheit. Es gibt natürlich Ordner an den Wagen und wenn denen Alkohol runtergereicht wird, können wir das nicht verhindern, wir haben da keine Handhabe." Es sei zuvor aber kommuniziert worden, dass diese nüchtern bleiben müssten, man habe das Trinken sogar "ausdrücklich verboten"

"Sind keine Partyveranstaltung" - CSD-Vorsitzender weist Vorwürfe zurück 

Auch, dass man keinen Wert auf Politik lege, sei absolut falsch. "Wir sind keine Partyveranstaltung, ich lege sehr viel Wert auf die Bezeichnung als Demonstration und nicht als Parade", betont Brauwer. "Natürlich gehört zum CSD auch Musik und mal der eine oder andere Tropfen Alkohol, aber dürfen nach 53 Jahren Bewegung und großen Erfolgen auch mal feiern", findet er. 

"Vielleicht kann der eine oder andere von außen nicht unterscheiden zwischen Drag und Damenballett. Es geht uns aber darum, dass sich jeder kleiden soll, wie er will, solange er damit niemanden verletzt und die wichtigsten Körperteile bedeckt." Auch Fetisch sei "ein Teil unserer Community". Man sei aber "kein Umzug, das gibt es an Fasching, das sind wir nicht."

Die Kritik an der lauten Musik beim Passieren der Völkermord-Demo kann er nachvollziehen. "Das tut uns auch leid, aber das war vonseiten des Ordnungsamts der Stadt Nürnberg sehr unglücklich." Mit 11.000 Besuchern und Besucherinnen sowie neun Paradewagen sei es "logistisch einfach nicht möglich, die LKW ruhig zu stellen". Die CSD-Demo in Nürnberg sei "seit Monaten angemeldet gewesen", so der Sprecher abschließend. 

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