Dieser Laufsteg kann Biber-Leben retten: Eine kleine Hühnerleiter über dem "Bauriedelwehr" an der Pegnitz in Nürnberg soll Biber vor dem Ertrinken bewahren. Auf die einfache Idee mit der tierischen Brücke über das Wehr ist Horst Schwemmer gekommen. Der hauptamtliche Bibermanager hofft, dass bald weitere Bibertreppen an bayerischen Flüssen gebaut werden.

Hohe Mauer säumen das Ufer der Pegnitz. "Wenn der Biber hier über das Wehr flussabwärts rutscht, sitzt er in der Falle und kommt nicht wieder zurück", ist sich Horst Schwemmer sicher und zeigt auf die unüberwindliche Barriere im Fluss. "Wenn der Biber unterhalb des Wehres in den Strudel gerät, kann er unter Umständen ertrinken." Deshalb ist der Bibermanager vom Bund Naturschutz auf die Idee mit den Biberleitern gekommen.
Ein paar Bretter, ein paar Nägel und ein paar handwerklich begabte Hände - mehr brauche es nicht für den Bau der lebensrettenden Laufstege. "Ohne die Treppe müsste der Biber eine halbe Stunde über den Hauptmarkt laufen", erklärt der 47-jährige Umwelt-Ingenieur, der sich mit großzügiger Unterstützung des Bayerischen Umweltministeriums um die Nager in Nordbayern kümmert.

Seit den 70er Jahren seien entlang der Donau rund 120 Biber ausgewildert worden. Mittlerweile habe sich die einst ausgerottete Population wieder erholt. In Bayern gibt es heute rund 4500 Reviere der früher vom Aussterben bedrohten Flussbaumeister. Insgesamt schätzt Schwemmer, dass heute 15000 Tiere in Bayern leben. Mit den Jahren sind auch in Nürnberg die ersten Biber wieder heimisch geworden. "Seit der Jahrtausendwende sind die Biber wieder in der Pegnitz zu Hause", freut sich der Biberberater. Die Tiere bevölkern heute nicht nur die Pegnitz im Stadtgebiet. Auch in den Bächen im umliegenden Reichswald kann man wieder Biberburgen entdecken. Sogar bis zur Nachbarstadt Fürth in die Rednitz sind die guten Schwimmer schon gekommen.

Besonders bibergerecht sei die Pegnitz im Nürnberger Stadtgebiet freilich nicht. Die Tiere fänden kaum Nahrung entlang der befestigten Ufer. Hohe Mauern versperren den Tieren zudem den Zugang. "Im Stadtgebiet haben wir unsere Pegnitz in ein Betonbett eingeschnürt und damit kastriert." Außerhalb der Stadtmauern finden die Biber aber naturnahe Lebensräume mit schönen Auen. Durch den Biber steige die Artenvielfalt rapide an. Zahlreiche Fische, Insekten und Vögel profitieren von der Anwesenheit der Nager. Der Stadtmensch gerät freilich nicht selten in Konflikt mit dem Rückkehrer. Besonders im Blick haben müsse man angenagte Bäume, die die Verkehrssicherheit gefährden könnten.

Durch die Bibertreppe will der Biberberater die Pegnitz für die Tiere wieder durchlässig machen. Im Gegensatz zu den bekannten Fischtreppen seien die Laufstege für Biber günstig zu haben. "Die Biberaufstiegshilfe hat unsere Flussmeisterstelle im Rahmen von Sanierungsarbeiten am Bauriedelwehr montiert", sagt Matthias Moll vom Wasserwirtschaftsamt. Rund 2000 Euro habe man für Material und Montage ausgegeben. "Wir wollen an den vier anderen Wehren in der Nürnberger Innenstadt - Wöhrder Wehr, Katharinenwehr, Nägeleinswehr und Großweidenmühlwehr - auch noch Biberaufstiegshilfen installieren", kündigt Moll an. Horst Schwemmer freut sich über so viel Verständnis für den Biber. Nun hofft der Biberberater, dass das Nürnberger Beispiel auch bayernweit Schule machen wird. Rund um Berlin werden schon seit Jahren fleißig Bibertreppen gebaut.

Das Bauriedelwehr im Nürnberger Stadtgebiet steuert gemeinsam mit den anderen Wehren im Stadtgebiet den Abfluss der Pegnitz aus dem Wöhrder See. Alle Wehre haben eine wichtige Hochwasserschutzfunktion besonders für die Alt- und Innenstadt. Für die Biber stellten die Wehre bislang unüberwindbare Hürden da. Mit den Bibertreppen soll der Fluss wieder durchlässig gemacht und die Tiere vor einem möglichen Ertrinken im Unterstrom der Wehre gerettet werden.