Wenn eine Frau bei einem Bewerbungsgespräch gefragt wird, wie es um ihre Gebärfähigkeit bestellt ist, also wie es um Intimteile ihres Körpers steht, ist dies unzulässig. Dies gilt zu Recht als völlig daneben und kein Unternehmen würde behaupten, dass dies ein zulässiges Verfahren ist. 

Die „Emma“, eine bekannte, angeblich feministische Zeitschrift jedoch, hält es aber offensichtlich für angebracht, öffentlich in einem Artikel über die intimen Körperteile der Nürnberger Bundestagsabgeordneten Tessa Ganserer zu schreiben und ihr aufgrund dieser Mutmaßungen das Frau-Sein abzusprechen. Getarnt wird dieser Angriff als „Bericht“ über eine Initiative, die gegen die Politikerin wettert und sie aus dem Bundestag klagen will. Tessa Ganserer, so die laut Emma-Artikel angeblich den Grünen nahe Initiative „Geschlecht zählt“, besetze zu Unrecht den Listenplatz einer Frau und verstoße damit gegen die Frauenquote. Sie sei – und hier kommt der transfeindliche Twist – nämlich gar keine Frau. 

Absurde Beschwerde ohne Aussicht auf rechtlichen Erfolg - Ziel ist nur Schüren von Hass

Gierig nimmt dies die „Emma“ auf, eine Zeitschrift, die sich schon oft damit hervorgetan hat, gegen trans Personen im Allgemeinen und gegen trans Frauen im Besonderen, üble Kampagnen zu führen. Oft sind diese in der Sache schlicht falsch und zielen eigentlich darauf ab, Menschen zu verletzen und ihrem Ansehen zu schaden. So auch hier: Bereits im Beginn des Textes sowie in sozialen Medien hat die Zeitschrift behauptet, Ganserer sei ein Mann und nennt auch ihren abgelegten Namen – ihren „deadname“. Wer sich auch ein wenig mit der Thematik beschäftigt, weiß um die Verletzungen, die durch die Nennung von abgelegten Namen entstehen, welche Wunden immer wieder aufgerissen werden. Die Schreibenden bei der „Emma“ wissen es genau und es wäre mehr als blauäugig, ihnen dabei keine Absicht zu attestieren. 

Der eigentliche Inhalt des „Berichts“ dreht sich um das Bemühen der Initiative „Geschlecht zählt“: Diese hat beim Wahlprüfungsausschuss des Bundestages Beschwerde gegen die Wahl Ganserers eingelegt. Dass diese Beschwerde rechtlich absurd ist und überhaupt keine Chance auf Erfolg hat, ist dabei irrelevant. Es ging darum, eine Kampagne zu starten. Tessa Ganserer erschien dabei als lohnendes Ziel, denn die Nürnberger Abgeordnete weigert sich, das verfassungswidrige und diskriminierende Verfahren nach dem Transsexuellengesetz (TSG) zu durchlaufen. Ihr Personenstand ist noch nicht geändert. Bei der anderen trans Frau im Bundestag, Nyke Slawik, die das Verfahren zur Personenstandsänderung durchlaufen hat, sehen die Initiator*innen der Kampagne wohl selbst keinen Ansatzpunkt. 

Für alle, die jetzt fragen, warum Tessa Ganserer nicht den Weg des Transsexuellengesetzes geht, noch einmal kurz zur Erinnerung: Dieses Gesetz wurde bereits 2011 in Teilen als verfassungswidrig beurteilt und die Bundesregierung wurde vom Bundesverfassungsgericht aufgefordert, eine neue gesetzliche Regelung zu finden. Im Rahmen des Verfahrens, das im TSG vorgesehen ist, müssen trans Menschen, die ihren Personenstand ändern wollen, einen vierstelligen Betrag zahlen und zwei Gutachten erstellen lassen. Diese sind oft mit demütigenden und intimen Fragen verbunden. Von der bevorzugten Unterwäsche über Sexualpartner*innen bis hin zu Masturbationsgewohnheiten müssen sich trans Personen seelisch völlig entblößen und dabei fürchten, nicht perfekt dem Bild zu entsprechen, das Gutachter*innen vom gewünschten Geschlecht haben.

Es braucht ein Ende der rechtlichen Diskriminierung

Bis 2011 mussten sich trans Personen als Voraussetzung auch zwangsweise sterilisieren lassen, außerdem wurden sie zwangsgeschieden – gleichgeschlechtliche Ehen gab es ja nicht. Ebenso im Gesetz vorgesehen, aber schon länger nicht mehr angewandt wird die zwingende geschlechtsangleichende Operation, die lange Zeit ebenso als Voraussetzung für eine Änderung des Namens verlangt wurde. Gegen diese diskriminierende Behandlung wehrt sich Tessa Ganserer und möchte sie nicht akzeptieren – stattdessen kämpft sie für ein modernes Selbstbestimmungsgesetz. 

Vor dem Hintergrund dessen, was die Nürnberger Abgeordnete seit Jahren auf sich nimmt, ist es absurd, ihr zu unterstellen, sie hätte sich irgendetwas „erschlichen“. Das wird ihr ja unterstellt und gefordert, sie solle ihren Platz freimachen. Niemand macht es sich leicht in unserer Gesellschaft, mit unseren Gesetzen als trans Person offen zu leben und dann noch in einer exponierten Rolle als Politikerin. Sich Hohn und potenzieller Gewalt auszusetzen ist alles andere als „der leichte Weg“, sondern ein niemals enden wollender Kampf um Anerkennung. Alle Menschen, die diesen Weg gehen, haben Respekt verdient und Gleichberechtigung sowie endlich die rechtliche Möglichkeit, sich wirksam gegen Diskriminierung und transfeindliche Angriffe zu wehren.