Ein Traditionsunternehmen in Mittelfranken schließt seine Pforten: Nach knapp einem halben Jahrhundert endet die Geschichte des alteingesessenen Betriebs.
Die Schunk Gerhard Carbon Technology GmbH (SGCT) wurde 1969 im baden-württembergischen Markgröningen bei Ludwigsburg von Alfred Gerhard gegründet und ist seither auf die Fertigung von Schleifkontakten, Kleinstkohlebürsten und deren Baugruppen spezialisiert. Seit 1977 befindet sich der Sitz des Familienbetriebs im mittelfränkischen Obernzenn im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim.
Eine Zukunft hat die Traditionsfirma jedoch nicht, wie aus einer Pressemeldung des Industrieherstellers vom 2. Juli hervorgeht. Die Gesellschafter haben demnach beschlossen, den Geschäftsbetrieb zum 31. Dezember vollständig einzustellen. Ausschlaggebend für die Entscheidung waren zwei schwerwiegende Herausforderungen. Erst vor wenigen Tagen musste auch der Autozulieferer Valeo einen seiner Standorte in Franken schließen.
Fränkischer Industriebetrieb muss schließen: knapp 50 Mitarbeiter betroffen
Die SGCT stellt ihren Betrieb einerseits wegen des zunehmenden Wettbewerbsdrucks aus Asien ein, wird in der Mitteilung erklärt. So hätten sich die Rahmenbedingungen im Markt für hoch spezialisierte Kohleprodukte dauerhaft verschoben: "Nachfrage, Fertigung und Wettbewerb konzentrieren sich zunehmend in Asien". Dadurch habe sich die wirtschaftliche Basis des Geschäfts der SGCT nachhaltig verändert.
Andererseits gelang es trotz eines hohen Exportanteils und neuer Produktansätze nicht, die strukturellen Veränderungen im Marktumfeld auszugleichen, heißt es. Die erwarteten Wachstumsimpulse durch Innovationen seien ausgeblieben und hätten rückläufige Umsätze im Kerngeschäft nicht kompensieren können. Diesen beiden Hintergründen liegt die Entscheidung der Gesellschafter demnach zugrunde.
Seit 2019 ist laut Schunk Gerhard Carbon Technology GmbH außerdem der Umsatz um rund 25 Prozent zurückgegangen. Mehrere Jahre sei das Unternehmen vorübergehend in Kurzarbeit gewesen. Eine Erholung wird nach Angaben der Firma auch für die kommenden Jahre nicht erwartet. Von der geplanten Schließung seien 49 Beschäftigte betroffen, darunter drei Auszubildende. Aktuell schließt die Deko-Kette Depot zahlreiche Filialen. In ganz Deutschland sind 66 Standorte betroffen, davon vier in Franken.
"Schwierige, aber notwendige Entscheidung": Geschäftsführer bleiben realistisch
Der geschäftsführende Gesellschafter der Schunk Gerhard Carbon Technology GmbH, Andreas Gerhard, erklärt: "Wer ein Familienunternehmen weiterführt und zusammen mit einem weltweit agierenden Konzern über Jahrzehnte begleitet und geprägt hat, trifft eine solche Entscheidung nur schweren Herzens". Insgesamt sei man stolz auf die Geschichte des Betriebs. Für eine längere Zeit sei die Firma ein "erfolgreiches Vorzeigeunternehmen" gewesen, das im Konzern gewachsen ist.
Dennoch gehöre es zur Verantwortung der Geschäftsführer, die Realität der Marke anzuerkennen: "Auch wenn die Konsequenz sehr schmerzhaft ist." Gerhard Wulz, Geschäftsführer der Schunk Kohlenstofftechnik GmbH, mit der die SGCT verbunden ist, ergänzt: "Nach sorgfältiger Prüfung aller Optionen ist klar: Auch mit Restrukturierungsmaßnahmen lässt sich keine wirtschaftlich tragfähige Perspektive für den Geschäftsbetrieb schaffen. Die geordnete Einstellung ist deshalb eine schwierige, aber notwendige Entscheidung."