Einer sagte, was viele dachten: Der Nachfolger von Ministerpräsident Horst Seehofer wird Manfred Weber. Der Vorsitzende der Fraktion der Europäischen Volkspartei im EU-Parlament und designierter CSU-Parteivize war am vergangenen Montag Festredner beim Politischen Sommer im Festzelt der Freiwilligen Feuerwehr in Burkheim.

Vorsitzender Ludwig Schnapp ermahnte den Ehrengast mit den Worten: "Steigen sie die Karriereleiter weiter hoch und werden unser Landesvater". Die 1000-köpfige CSU-Gemeinde war überwältigt und als der Europaabgeordnete schließlich ein Tänzchen mit einer der Ehrendamen auf dem Parkett vor der Bühne wagte, fand die Begeisterung kein Ende. Er war einer von ihnen, ein Mann zum Anfassen, der auch die Sprache des Volkes spricht.

Den "Flohzirkus" ordnen

Weber ließ daher seinen niederbayerischen Dialekt zu Hause.
"Wir können Apfelsaft sagen, dass es jeder versteht", machte er die Probe aufs Exempel. Artig lobte er seine Parlamentskollegin Monika Hohlmeier. "Ihr habt Sie nach Brüssel geschickt, damit sie mit mir den ,Flohzirkus' ordnet", erinnerte er an die 28 EU-Staaten, die oft sehr unterschiedliche Auffassungen hätten. Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner, bescheinigte er, dass sie sich mit weiblicher Hartnäckigkeit durchzusetzen verstehe.

"In Brüssel, Berlin und München müssen wir Kompromisse machen, nur Landrat Meißner braucht das nicht, er macht alles richtig", stellte der 42-jährige Landshuter fest. Der Angesprochene winkte verschämt ab. Zum Schluss seiner Lobesworte machte er noch dem Gemeindeoberhaupt ein Kompliment: "Sie haben mir das Gastgeschenk schon vor meiner Rede überreicht", bedankte er sich bei Bürgermeister Robert Hümmer.

Aber auch die Angesprochenen revanchierten sich. Emmi Zeulner lobte sein freundliches Lächeln und die Jugend des 42-Jährigen. "Er sieht jünger aus, als er ist", stellte sie fest und bedauerte, dass er schon verheiratet sei. Weber dämpfte ihren Enthusiasmus mit dem Hinweis auf fehlende Haarbüschel auf seinem Kopf.

Meißner war tief beeindruckt von der Rede des Europaabgeordneten: "Sie war die Beste seit wir den Politischen Sommer machen", lobte er. Dass er sich trotz seines vollen Terminkalenders nach Oberfranken aufmachte, nötigte dem Landrat Respekt ab. Sollte er in Berlin einen Termin mit der Kanzlerin deshalb versäumen, riet er dem Ehrengast: "Sag einfach, Du warst in Burkheim".

Auch Monika Hohlmeier fand Worte des Lobes: "Du schaffst es alle Länder unter einen Hut zu bringen". Sie würdigte auch die Arbeit von Emmi Zeulner. Sie sei außerdem neben den Ehrendamen die bestangezogene Frau im Zelt. Bürgermeister Hümmer leitete zur Festrede mit den Worten über: "Die EU wirkt sich auf das Leben von uns allen aus".

Manfred Weber fasste die politischen Ziele der CSU zusammen, die er gemeinsam mit seinen Parlamentariern in Brüssel durchsetzen will. Die Vorgaben für Bewirtschaftung von Agrarflächen müsse den Landtagen vorbehalten sein und sei nicht Sache der EU. Zur Erweiterung der Europäischen Union sagte er "In meiner Legislaturperiode gibt es keinen Erweiterung der EU". Der Beitrittsstopp sei bisher ein Riesenerfolg.

Absage an Balkan-Flüchtlinge

Er erinnerte bei dem Flüchtlingsproblem, dass derzeit 50 Millionen Menschen aus ihren Ländern fliehen, so viel wie nie zuvor auf der Welt. Eine Lösung könne nur darin bestehen, wenn diese Länder lebenswert gemacht werden. Angesichts der rund 3500 Menschen, die im Mittelmeer ums Leben kamen, müsse Europa massiv helfen. Allerdings erteilte er Asylsuchenden aus dem Balkan konsequent eine Absage, dagegen solle man die Tür nach Syrien weit aufmachen. Die legale Zuwanderung sei ebenfalls keine Lösung. "Dann kommen 500 000, eine Million und mehr Menschen zu uns", das sei nicht mehr zu bewältigen. In der Frage der Jugendarbeitslosigkeit machte er deutlich, dass diese erst in Europa gelöst werden sollte. "Die europäische Jugend soll einen Arbeitsplatz bekommen, bevor die afrikanischen Jugendlichen einen bekommen", so der Abgeordnete.
Die bevorstehende Staatspleite in Griechenland nahm er zum Anlass, vor der weiteren Aufnahme von Schulden in Europa zu warnen. "Wir haben den Griechen oft die Hand ausgestreckt, es reicht", machte er seien Standpunkt deutlich. Eine Lanze brach er für das Wirtschaftsabkommen mit den USA. Der Weltstandard sei nur mit Amerika zu schaffen. "Wir haben die Verhandlungen nicht öffentlich gemacht, das war unser Fehler", gab er zu. Das sei die Folge für die Verunsicherung der Menschen in Deutschland, aber auch in Übersee. Es werde kein Hormonfleisch importiert, keine "Phosphorhähnchen", und die Wasserversorgung dürfe nicht privatisiert werden. Wer heute gegen die Verhandlungen sei, betreibe Ideologie.

"Putin will Europa spalten"

Zum Ukrainekonflikt betonte Weber, dass Europa daran nicht schuld sei. Die schob er allein Russland zu, deren Vertreter oft die Situation falsch darstellten. "Wir haben seit 1990 Grenzen abgebaut und Freundschaften geschlossen, jetzt werden Feindschaften aufgebaut und Putin will Europa wieder spalten", davon war Weber überzeugt.
Der Redner betonte schließlich die Einheit von Staat und Kirche und wandte sich gegen die Erbschaftssteuer. Mit einem Plädoyer für die ehrenamtlichen Helfer schloss Weber seine Rede. Auch er bekam wie alle Ehrengäste einen "Schnitzhazen", einen Miniatur-Hobelbock, dasWahrzeichen der Burkheimer.