Es war einmal ein schöner, gastlicher Raum in einem Bahnhof. Man konnte dort auf den Zug warten, Zeitung lesen bei einem Cappuccino oder seine Mittagspause verbringen. An manchen Abenden war sogar richtig was los, bei Live-Musik wurden die Bistro-Stühle knapp. Das ist vorbei. Seit rund sieben Wochen ist die Jugendstil-Halle kalt, leer und abgesperrt.

Besonders tragisch: Es handelt sich um den Bahnhof der Eisenbahnerstadt Lichtenfels, seit 1846 gibt es die Bahnstation hier, 13 Jahre später ist es ein Bahnknotenpunkt. Die Eisenbahn hat einst der Stadt zum Aufschwung verholfen. Der Bahnhof hat im 19. Jahrhundert wesentlich dazu beigetragen, dass aus Lichtenfels die Deutsche Korbstadt werden konnte. Vor vier Jahren, als es gelungen war, Geflecht in einem kleinen Ladenleerstand im Bahnhofsgebäude zu etablieren, war daran erinnert worden.
Der Anstoß dazu war übrigens von Gertraud Dorsch gekommen, die in "ihrem" Bistro stets auch dem in der Region verwurzelten Flechthandwerk Tribut zollte. Sie setzte sich immer dafür ein, dass dieser Bahnhof kein Schmuddel-Image bekommt. Als im Jahr 2008 von der Bahn die öffentlichen Toiletten am Bahnhof geschlossen wurden, erhob nicht zuletzt die Bistro-Pächterin ihre Stimme, gehörte sie doch - neben den Menschen, die am Bahnhof unterwegs sind - mit zu den Leidtragenden der fehlenden Toiletten. Denn zu ihr ins Bistro kamen die Leute dann mit ihren dringenden Bedürfnissen und mit wenig Verständnis für die Situation.

Das Bahnhofsklo blieb ein Politikum: Sollte sich die Stadt in die Pflicht nehmen lassen für etwas, das doch Sache der Bahn wäre? Andererseits ist der Mangel aus Sicht vieler einfach nicht hinnehmbar in einer Kreisstadt. Deshalb steht auch im städtischen Haushalt 2014 eine Summe von 100.000 Euro für die Lösung des Problems.


"Verhandlungen laufen"

Unterdessen tut sich in der öffentlichen Wahrnehmung mit der Schließung des Bistros erneut ein Mangel auf, der weh tut. Wird der Bahnhof zum Sinnbild für einen Abstieg? Dabei wird Kritik an der Bahn laut. "Toiletten zu, Café zu. Sollen sie doch gleich alles zusperren und die Fahrkarten bloß noch am Automaten draußen verkaufen", schimpft ein Lichtenfelser, der gerade mit der Situation konfrontiert wird. Abseits der großen Städte würden auch die Bahnhöfe links liegen gelassen. Bleibt die Frage, warum sich so schnell kein Nachfolge-Pächter hat finden lassen. Wurde nicht intensiv gesucht? Oder liegt es an den Konditionen für die Nutzung der Räume in Lichtenfels?

Von der Bahn ist keine konkrete Aussage zu bekommen, wann mit einer Wiedereröffnung des Bistros zu rechnen ist. "Derzeit laufen Verhandlungen mit einem Interessenten für die Übernahme", lässt ein Sprecher wissen. Dabei werde auch ein Konzept für die Zukunft der Einrichtung erarbeitet. Einen "langen Leerstand" wolle man vermeiden.