Es sieht spektakulär aus und gefährlich. "Wenn die Leute einen Notruf absetzen sind sie deshalb am Telefon oft sehr emotional", sagt Kreisbrandrat Timm Vogler. Was verständlich ist: Bei einem Kaminbrand schlagen die Funken rund einen Meter und höher in den Himmel, vor allem im Dunkeln wirkt das bedrohlich. Die Zeit nach Weihnachten, Mitte Januar, ist es meist, in der sich solche Vorfälle häufen können - aus einem einfachen Grund.

Die Phase zwischen Oktober und März ist die Saison für Kaminbrände, der jüngste ereignete sich am vergangenen Freitag in Altenkunstadt. In der kalten Jahreszeit wird mehr geheizt - und das auch mit Holz. Hier liegt auch die Ursache, warum es zu solchen Kaminbränden kommen kann. Was passiert dabei? Bei so einem Feuer entzünden sich Ablagerungen im Kamin, die sich meist durch falsches Heizen mit Holz bilden.

"Es gibt drei Gründe, warum ein Kamin zu brennen anfangen kann", sagt Bezirkskaminkehrer Dieter Spaderna aus Oberbrunn. Kommt zu feuchtes Holz in den Ofen, treten so genannte unverbrannte Kohlenwasserstoffe aus, die sich als Glanzruß an der Innenseite des Kamins ablagern.

Und warum ist Mitte Januar eine Zeit, in der es häufiger brennen kann? Wenn der Weihnachtsbaum ausgedient hat und den Weg in den Holzofen findet, kann es zu einer fatalen Reaktion kommen. "Ein Christbaum verbrennt mit hoher Temperatur in kurzer Zeit. Das kann jeder sehen, der mal einen trockenen Nadelbaum verschürt hat." Nadeln und Harz sorgen für große Hitze, die den Glanzruß entzündet.

Auch Bedienungsfehler, etwa bei älteren Öfen, können zur Bildung von Glanzruß führen: Wenn man zu große Holzstücke auflegt oder zu viele und gleichzeitig die Luftzufuhr zu gering ist, kommt es zu einem Schwelbrand, bei dem ebenfalls unverbrannte Kohlenwasserstoffe austreten und zu Glanzruß führen.

Der dritte Grund ist ein profaner: Ein Brand kann auch entstehen, weil ein Kamin zu selten gereinigt wird. Je nachdem, wie oft ein Ofen benutzt wird, sollte dies in unterschiedlicher Frequenz geschehen. Läuft er ganzjährig, dann viermal, nutzt man ihn nur während der Heizperiode, dann dreimal, wenn nur gelegentlich, reicht einmal.

Was auch vorkommen kann, aber sehr selten ist: Moderne Holz-Zentralheizungen regeln die Luftzufuhr über eine so genannte Lambdasonde, die den Restsauerstoffgehalt im Abgas misst. Arbeitet diese Regelung durch einen Defekt falsch, kann sich auch hier Glanzruß bilden. Der Besitzer des Ofens bekommt nicht unbedingt mit, dass sein Kamin Feuer gefangen hat. Brennt es nur ein bisschen, bemerkt man es am Geruch. Ist der Brand größer, hört man es an einem dumpfen Geräusch aus dem Kamin. Nachbarn sehen es eher, denn aus dem Schornstein schlagen gut sichtbar Flammen und Funken.

Wasser hilft nicht

Wie muss man reagieren? "Auf alle Fälle die Feuerwehr anrufen", sagt Spaderna. Die informiert gleichzeitig auch den Bezirkskaminkehrer. Gemeinsam schauen sie vor Ort, dass das Feuer kontrolliert abbrennt. Löschen kann man es nicht mit Wasser, es würde im heißen Kamin sofort verdampfen, sich dabei ausdehnen und dazu führen, dass der Kamin gesprengt wird. Der Besitzer sollte aber unbedingt die Luftzufuhr am Ofen runterregeln, damit das Feuer weniger Sauerstoff erhält. Eine Gefahr bei zu engen Kaminen: Der Glanzruß dehnt sich um ein Vielfaches aus, das kann dazu führen, dass sich der Kamin zusetzt und zerstört wird. "Wir haben zwar Reinigungsgeräte, mit denen wir auch bei einem Brand im Kamin arbeiten können, aber das geht nicht immer", sagt Spaderna

"Zehn bis 15 solche Brände haben wir etwa im Landkreis Lichtenfels in jedem Jahr", überschlägt Vogler. Aber die Feuerwehr steht keinesfalls nur daneben und schaut zu: Vor Ort kontrolliert man, dass sich kein Brand um den Kamin herum bildet, etwa weil Anschlüsse am Kamin überhitzen. "Wir fahren dann später auch den Kamin mit einer Wärmekamera ab, ob sich noch irgendwo Glutnester befinden. Aber zum Glück treten Folgebrände nur sehr selten auf. Und Vorbeugen ist einfach: Der Kaminkehrer löst mit einem "Ausschlaggerät", einer Welle mit Kettenschleuder, die von einer Bohrmaschine angetrieben wird, den Ruß ab. Eher selten wird er kontrolliert abgebrannt. Und wenn ja, geht das langsam vonstatten. Spaderna erinnert sich an Einsätze, da dauerte es fast drei Stunden, bis alle Rückstände verschwunden waren.