Der Streit zwischen der Leitung des Pflegeheims Elisabeth und dem Landratsamt wird schärfer. Geschäftsführer Fabian Franke erneuert in einem "offenen Brief" an Landrat Christian Meißner (CSU) noch einmal teils bekannte Vorwürfe. Jener Brief sei zusammen mit dem Team entstanden, ist ihm wichtig zu betonen, und soll auch eine Antwort auf die Stellungnahmen des Landratsamtes darstellen.

In dem Pflegeheim hatten sich Ende Dezember über 50 der rund 60 Bewohner infiziert, dazu rund die Hälfte der Mitarbeiter, fast 30 Personen. Franke schreibt: "Es geht hier nicht um den Überträger des Virus, dieser ist mit Sicherheit zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr zu ermitteln und dies ist auch tatsächlich irrelevant. Hier ging es nie um persönliche Schuldzuweisungen einzelner und sicher höchst engagierter Mitarbeiter des Impfteams, sondern eher um Systemversagen, welches im Interesse aller zu impfenden Menschen aufgeklärt werden muss." Er wirft dem Impfteam vor, Vorschriften nicht eingehalten zu haben: "Es geht hier vielmehr um die versäumten vorherigen Testungen aller Mitarbeiter des Impfteams - denn diese Testungen sind offensichtlich nicht erfolgt."

Was Franke nicht schreibt, ist, wie er zu der Annahme kommt, dass in dem Fall solche Testungen vorgesehen sind. In der aktuellen, verschärften Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung, die seit dem 15. Dezember gilt, findet sich kein Hinweis, dass für medizinisches Personal die gültigen Schutzmaßnahmen geändert worden sind, an denen sich auch das Impfteam orientiert hat.

Er schreibt weiter: "Schade, dass es nur zu Rechtfertigungen und Allgemeinplätzen gereicht hat. Wünschenswert wäre der Anfang einer Aufrichtigkeit gewesen, die den infizierten Klienten, den Angehörigen, den infizierten Mitarbeitern und mir entsprechenden Respekt eingebracht hätte. Zumindest stellen wir uns so aufrichtige Politiker vor."

Damit meint er wohl den Lichtenfelser Landrat Christian Meißner (CSU), der sich auf unsere Nachfrage zu dem Schreiben äußert. Denn was Franke nicht äußert und was auch etwas im Widerspruch zu seinem Vorwurf der Aufrichtigkeit steht: Franke hat am 6. Januar angekündigt, die Staatsanwaltschaft für Ermittlungen einzuschalten.

Meißner bestätigt auch noch einmal: "Die Impfteams müssen nicht getestet werden. Es gab und gibt keine Verpflichtung, sich testen zu lassen. Auch die Vorgaben des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege für den Betrieb von Impfzentren sehen diese Tests nicht vor." Zudem seien im Nachgang durchgenommene, genauere Labortests der Personen des Impfteams alle negativ ausgefallen. Die Aktion sei im Vorfeld besprochen worden, Franke habe nie einen Wunsch nach vorheriger Schnelltestung geäußert oder verlangt, dem natürlich nachgekommen worden wäre. Inzwischen werden Schnelltests stets durchgeführt, um "Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Ärzte vor derartigen haltlosen Vorwürfen zu schützen." Zudem weist er darauf hin, dass solche Schnelltests ungenauer sind als die am 8. Januar am Impfteam vorgenommenen Labortests, die alle negativ ausfielen. Franke dagegen meint: "Eine so deutlich verspätete PCR-Reihentestung der Mitarbeiter des Impfteams ist zudem im Nachhinein nicht aussagekräftig."

Die selben Personen waren auch in engem zeitlichen Abstand in insgesamt 15 Einrichtungen. Dort gab es im Nachgang keinen einzigen Corona-Fall. Der Kontakt mit den Bewohnern beschränke sich zudem auf seine sehr kurze Zeit beim Impfen.

Meißner wirft Franke auch vor, mit falschen Zahlen zu arbeiten und haltlose medizinische Vorstellungen zu vertreten. Er beruft sich dabei auf entsprechenden Mailverkehr. Es seien 15 Personen an der Aktion beteilig gewesen, nicht 20, wie Franke behaupte. Zudem habe er in einer Mail vom 6. Januar die Impfung selber für das Ausbruchsgeschehen verantwortlich gemacht. Meißner verweist dazu auf eine entsprechende Expertise der Impfexperten vom Paul-Ehrlich-Institut, die das klar ausschließt.

"Mittlerweile werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Impfteams von Dritten sogar beschimpft. Das ist nicht tragbar. Herr Franke hat vom Landratsamt für sein Pflegeheim sofort und fortwährend stets Unterstützung bekommen: Gesundheitsamt, Heimaufsicht, Materiallieferungen. Den Antrag auf Bundeswehrunterstützung haben wir umgehend gestellt. Die Soldaten waren am Freitag mit Vorauskommando vor Ort."

Warten auf den Staatsanwalt

Zudem weist er auch auf die Art und Weise hin, wie Franke agiere: "Viele Anschuldigungen habe ich nur aus der Presse erfahren." Frankes Schreiben trägt den Titel "Offener Brief an den Landrat". Erhalten hat er es nicht direkt, sondern über unsere Redaktion. Im Landratsamt wartet man nun darauf, dass die Staatsanwaltschaft sich meldet. Unabhängig davon will man natürlich den verbliebenen gesunden Bewohnern die zweite Impfdosis geben. Das soll am kommenden Montag geschehen.