Als gefleckte Kühe oder rosa Schweinchen, mit Schlachterschürzen oder langen Messern ausgestattet und in Begleitung einer gestrengen Gewerbeaufsichtsbeamtin - weniger einheitlich, aber ebenso originell wie in den Vorjahren kostümiert griffen die mehr als 20 Rathausstürmerinnen zum Auftakt des Faschings-Endspurts ein aktuelles Thema auf: den Metzgernotstand im Städtchen, das seit dem vergangenen Jahr keinen Fleischerladen mehr hat.
Außenstehenden erklärten sie die Situation mittels des umgedichteten Gassenhauers "Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei": "Farben gibt's, Gardinen und Käse-Allerlei, Friseure, Blumen und die Bäckerei - nur keine Metzgerei", sang das weibliche Narrenvolk, nachdem es Amtssitz mit Muhen und Grunzen besetzt, Krawatten gekürzt, Knackwurst-Kostproben verteilt und den in der Herrentoilette versteckten symbolischen Stadtschlüssel aufgespürt hatte.

Damit nicht alle Weismainer zu Vegetariern werden müssen, gründeten die närrischen Weiber "weil das Ehrenamt so groß geschrieben wird eine ehrenamtliche Rathausmetzgerei", in der unter anderem eine high-machende "Wurst mit Grün" erhältlich ist. Die Leitung des Betriebes solle Bürgermeister Udo Dauer übernehmen, der bekanntlich beste Erfahrungen gemacht hat, wie man an die Fleischtöpfe der Regierung kommt. Wobei der Verwaltungschef für seine neue Aufgabe noch Einiges dazu lernen muss: Während seiner Gesellenprüfung an der Wurstwaage, wo das Gewicht von Fleischprodukten geschätzt wurde, lag er nicht immer richtig, erhielt aber dennoch einen gut gefüllten Bauchladen als Belohnung.
Wenig besser machten es die anderem Männer beim Wurstschnapp-Wettbewerb, bei dem sie gegen die Damen den Kürzeren zogen. Mehr Spiele gab es diesmal nicht beim Rathaussturm, der zum Großteil aus Tänzen und Polonäsen bestand. Was auch kein Wunder ist: Denn wieder einmal stand das Gebäude zum Altweiberfasching fast ebenso leer wie die Weismainer Metzgerläden, lediglich drei männliche Beschäftigte und ein Stadtrat machten den Spaß mit.
Dies stieß zunächst verständlicherweise nicht gerade auf Begeisterung bei den Initiatorinnen, zumal das allgemeine Interesse am Rathaussturm (zahlreiche Kinder freuten sich davor über Bonbons, ein Dutzend Leute beobachtete das närrische Treiben im Inneren) immer mehr wächst. Später dürfte der Metzger-Meute die Verweigerungshaltung wurst gewesen sein, als die Werbetour für den neuen Laden in den örtliche Kneipen anstand. Und zumindest der Bürgermeister gab sich dabei alle Mühe, könnte doch eine zusätzliche Einnahmequelle dafür sorgen, dass der städtische Haushalt nicht noch weiter abgespeckt werden muss.