Wenn Martin Ninaparampil einen begrüßt, tut er das mit einem breiten, strahlendem Lächeln. Herzlichkeit und Offenheit kommen einem entgegen, vermutlich haben das viele Menschen in den Pfarreien gespürt, in denen er wirkte. Sie mochten ihn. Sie haben ihm gesagt, nur mit Bedauern ließen sie ihn ziehen. In einer bewegenden Abschiedsfeier sprach auch Pfarrer Martin, wie ihn die meisten nennen und wie er sich selbst wegen des in deutschen Ohren kompliziert klingenden Nachnamens gern vorstellt, davon, dass es ihm schwer falle, zu gehen. Wenn wir ihn nun in seinem letzten Monat hier im Schwürbitzer Pfarrhaus treffen, wo schon einige Sachen seines Nachfolgers in Kartons angekommen sind, wiederholt er dies. Gleichzeitig drückt sein Gesicht Freude aus, wenn er von der neuen Aufgabe in Indien spricht.
"Es war immer mein Wunsch, mit den armen Leuten und für die armen Leute zu arbeiten." Auch der von ihm gewählte Bibelvers zur Priesterweihe steht dafür: "Der Herr hat mich gesandt, den Armen gute Nachrichten zu bringen", heißt es darin. Stattdessen hatte man Martin Ninaparampil nach einem Jahr als Subregens im Priesterseminar mit erst 28 Jahren nach Deutschland geschickt. Dass diese Aufgabe das Richtige für ihn sei, davon war er zunächst gar nicht überzeugt. Nach aufmunternden Gesprächen in der Familie ließ er sich doch darauf ein und kam in ein reiches, in spiritueller Hinsicht aber doch eher armes Land, wie der Seelsorger bald feststellen sollte. Vielleicht fühlte er sich deshalb hier am richtigen Platz. Vielleicht ist es aber auch die innere Haltung des inzwischen 40-jährigen Geistlichen, die seine Zufriedenheit begründet. "Ich habe immer Gottvertrauen gehabt und kann nur mit Dankbarkeit auf mein ganzes Leben zurückblicken", sagt er.
Die längste Zeit, die er als Erwachsener an einem Ort verbrachte, waren die sieben Jahre in Schwürbitz. Er habe es nie bereut, nach Deutschland gegangen zu sein, betont Martin Ninaparampil, der auch in Pegnitz, Weismain und Herzogenaurach tätig war. "Ich habe mich nie als Ausländer gefühlt. Die Leute waren immer sehr nett."
Gleichwohl musste er eine ganz neue Sprache lernen, mit einer anderen Mentalität und Kultur umgehen. Es fiel ihm nicht schwer. "Ich habe es immer sehr schön hier gefunden." Ninaparampil begegnete auch jenen aufgeschlossen, die nicht so viel mit der Kirche anfangen können, hat den Kontakt zu den Menschen gesucht und gepflegt. Auch beim Sport: Er spielte Volleyball. "Ich habe es immer probiert, nicht nur mit Worten zu predigen, sondern dass ich einfach durch mein Wesen Jesu Liebe weitertrage", meint der Geistliche. "Ich wollte immer unter den Leuten sein."

Ein neuer Lebensabschnitt

Jetzt lässt sich Pfarrer Martin wieder auf ein neues Miteinander ein. Die Umstellung wird schwer. Schon als er als Teenager vom Süden in den Norden Indiens kam, sei dies ein Kulturschock gewesen, räumt er ein: Die Menschen dort sprechen nicht seine Muttersprache, sehen anders aus, es herrscht ein anderes Klima: "Über 40 Grad im Sommer, im Winter zwei, drei Grad, aber ohne Heizung." Die Sprache kann Ninaparampil inzwischen längst, er wird sie aber auffrischen müssen. Seine Brüder in der Mission, zu denen er Kontakt gehalten hat, erwarten ihn. "Der Deutsche kommt", haben sie gesagt, wenn er im Urlaub mal zu Besuch war. Seine Familie im Süden des großen Landes wird er wohl auch in Zukunft nur selten sehen können, denn es sind acht Stunden Autofahrt bis zum nächsten Flughafen und dann noch einmal vier Stunden Flug. Und die Geistlichen in der Mission bekommen nur ein Taschengeld für sich.
Familie ist Martin Ninaparampil wichtig, das spürt man. Auf eine eigene Familie zu verzichten, um Priester zu werden, ist für ihn kein Thema mit Diskussionsbedarf. Die Menschen, für die er da sein wollte, seien für ihn immer auch so etwas wie Familie gewesen, erklärt er. Er ist überdies der Meinung, dass das Zölibat nicht die wesentliche Ursache für den Priestermangel hierzulande ist.

Von der Kraft des Betens

Vielmehr sieht er den in den Familien gelebten Glauben als wichtigste Grundlage dafür, dass sich jemand berufen fühlt, Priester zu werden. Familiengebete, wie sie bei den Christen in Indien an der Tagesordnung seien, fehlten in Deutschland. Doch diesem gemeinsamen Beten misst er eine große Kraft bei. "Wenn man den Glauben weitertragen möchte, muss man in der Familie anfangen." Er habe schon als Kind den Wunsch verspürt, Priester zu werden, obwohl es Eltern und Großeltern lieber gesehen hätten, wenn er von der höheren Schule aus die Ingenieurslaufbahn eingeschlagen hätte. Er konnte sie überzeugen: "Jetzt sind sie alle froh." Sein Weg habe ihn auch selbst glücklich gemacht, versichert er. Dass es weiter so sein möge, hofft er. "Ich gehe mit einem guten Gefühl."
Eine Gruppe Priester, Ordensschwestern und Lehrer leben und wirken in zwölf Missionsstationen, die in Nordindiens, etwa 350 Kilometer voneinander entfernt, entstanden sind. Sie führen Schulen und kleine Krankenstationen, leisten Sozialarbeit. Die Einheimischen, fast alle Hindus, stünde ihnen positiv gegenüber, berichtet Ninaparampil, weil sie die Arbeit als etwas Gutes anerkennen. Auch ein Behindertenheim gibt es, dessen Aufbau Martin Ninaparampil von Deutschland aus finanziell unterstützt hat. Was genau seine Aufgabe sein wird, weiß er noch nicht. "Mein Bischof hat irgendetwas vor", sagt er und schmunzelt. Im Oktober ist Abreisetermin. Mehr als zwei Koffer hat er nicht. Und die Erinnerungen. Vielleicht, sagt er, könne er ja mal als Urlaubsvertretung wiederkommen.