Seit Anbeginn der Menschheit ist Holz ein wichtiger Rohstoff. Aber nicht nur für unsere Gesellschaft sind Bäume überlebenswichtig, vor allem die Tierwelt profitiert von einem ausgewogenen Ökosystem Wald. Doch der Waldumbau in den vergangenen Jahrhunderten beweist: Ausgewogen ist relativ.

Früher waren unsere Wälder dicht mit Laubholz versehen - mit gutem Brennholz. Durch die industrielle Revolution wurde jedoch mehr Konstruktionsholz benötigt, das Laubholz wurde durch Nadelbäume wie Fichten und Kiefern ersetzt. Die Klimaerwärmung in jüngster Zeit ist jedoch tödlich für diese Baumarten, die nur wenig Trockenzeit durchstehen. Das Resultat: Laubbäume wie Eichen und Buchen sind plötzlich wieder sehr beliebt.

"Wir sind mit einigen Laubholz-Gebieten gesegnet", sagt Norbert Wimmer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Lichtenfels. So zum Beispiel in Bad Staffelstein und Weismain. Der Langheimer Wald und Lichtenfelser Forst hingegen sind sehr nadelholzlastig. Die neu begründeten Wälder bieten zahlreichen Vogelarten einen Lebensraum.

Doch: Seltene Vogelarten wie der Schwarzspecht bevorzugen alte Wälder - und Bäume, die sich in der Zerfallphase befinden, die um die 400 Jahre alt sind. Die machen bayernweit aber nur 25 Prozent des Bestandes aus. "Wir haben die Bäume bisher nie so alt werden lassen, wie sie eigentlich können", erklärt Wimmer. Doch genau diese alten und morschen Bäume benötigt der Schwarzspecht, um Faulhöhlen zu schaffen - von denen übrigens allerlei Vögel profitieren. Die Zahl dieser seltenen Vögel nach oben zu treiben, wünscht sich Wimmer. "Wir haben hier nur Vogelpaare im 100-Stückbereich. Vogelpaare, die auch in jungen Wäldern leben, gibt es hingegen im 1000-Stückbereich."

Die Lösung für das Problem: Die Waldbesitzer, egal ob der Staat oder privat, müssen ältere, rissige und faulende Bäume - sogenannte Biotopbäume - erhalten. Auch Totholz ist für die Artenvielfalt wichtig. Viele private Waldbesitzer stören sich jedoch an ihrem Anblick. "Bei einer Vorerkundung schauen wir, wie viele Biotopbäume im privaten Wald stehen. Wenn der Besitzer uns zusichert, dass er den Baum für zwölf Jahre lässt, kriegt er eine Entschädigung", sagt Wimmer. Die Entschädigung richtet sich je nach Umfang des Stammes und kann knapp 200 Euro pro Baum betragen. Ein kleiner Anreiz, der ermöglichen soll, dass die Bäume natürlich sterben.


Waldbesitzer teilweise einsichtig

Bei den meisten Waldbesitzern laufe der Mitarbeiter vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten offene Türen ein. Doch das Totholz sei bei vielen unbeliebt, sagt er. "Es liegt rum und ist hässlich. Vielen Besitzern tut Totholz in der Seele weh. Sie räumen es dann weg, damit es schöner aussieht, obwohl es keinen materiellen Nutzen für die Person hat."

Anders ist das für die Tiere. Für sie ist das abgestorbene Holz wie ein "Treibstoff", erklärt Wimmer. "Pilze zersetzen das Holz langsam, das von vielen Insekten bewohnt wird. Diese wiederum locken Vögel an." Der Kreislauf schließt sich. Und das ist wichtig, denn "wächst im Wald kein krummer Baum mehr und werden alle anormalen entfernt, ist es kein Wald, sondern eine Plantage", stellt Wimmer fest. Aber: Auch Biotopbäume und Totholz seien nur in einer gewissen Zahl gesund für den Wald. Schlecht hingegen sei das Totholz eines Nadelbaums. Das müsse sofort entfernt werden. "Die Waldbesitzer sind verpflichtet das aufzuräumen, weil es Borkenkäfer anlockt."

Ein Kommentar von Sarah Stieranka:
Ich liebe die Natur, spaziere gerne durch den Wald und beobachte die Tiere, wie sie auf Nahrungssuche gehen - jeden Ast und jedes Blatt umwälzen, in der Hoffnung, eine Blattlaus oder einen Wurm zu finden. So ist das in der Natur, sie hat ihre Gesetze. Gesetze, die der Mensch viel zu lange missachtet hat. Ja, Bäume fallen um und ja, Bäume sterben ab. Das war schon immer so und wird auch in Zukunft so sein.

Warum versuchen wir dann ständig, alles in eine menschliche "Ordnung" zu bringen, die am Ende doch im Chaos endet? Wir räumen den Wald penibel auf, als wäre er unser Wohnzimmer. Wir entfernen das Laubbaum-Totholz. Wir fällen angeschlagene Bäume, die noch nicht abgestorben sind. Warum? Weil sie hässlich sind - nicht in unsere perfekte Welt passen! Der Kampf lautet Kultur gegen Natur. Doch genau dieses Totholz, genau diese beschädigten Bäume - egal wie krumm und schief sie doch sind - schaffen neue Lebensräume und Nahrungsquellen. Sie sind wichtig für die Tierwelt, und ja, am Ende sogar für uns. Doch dass wir uns mit unserer egozentrischen Einstellung selbst schaden, haben wir erst vor etwa 20 Jahren begriffen. Bleibt zu hoffen, dass es nicht zu spät ist.