Noch ist der Parkplatz vor der Obermain-Therme gut gefüllt. Doch damit wird ab Montag vorerst Schluss sein. Denn mit dem erneuten Inkrafttreten eines "Teil-Lockdowns" werden die Türen des Staffelsteiner Thermalbades bis Ende November geschlossen bleiben. Lediglich das Therapiezentrum wird, unter dem bisher geltenden Hygienekonzept, weiterbetrieben.

Im Gegensatz zum ersten Lockdown im Frühjahr wird die Obermain-Therme diesmal nur in einen Standby-Modus versetzt. Hans-Josef Stich, Werkleiter des Zweckverbands Thermalsolbad Bad Staffelstein, erklärt: "Wir werden das Wasser größtenteils in den Becken belassen, damit wir am 1. Dezember hoffentlich wieder durchstarten können."

Dennoch wird ein Großteil des Personals erneut in die Kurzarbeit geschickt. Stich äußert Verständnis dafür, dass die Politik sich gezwungen sieht, Maßnahmen gegen die steigenden Infektionszahlen in Deutschland zu ergreifen. Die Schließung des Thermalbads jedoch sieht er kritisch: "Wenn ich sehe, welchen Aufwand unsere Mitarbeiter tagtäglich betreiben und welche technischen und organisatorischen Maßnahmen wir getroffen haben, kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Besuch bei uns so gefährlich ist, dass eine Schließung gerechtfertigt ist."

Klärungsbedarf im Kurhotel

Neben der Schließung von Gastronomiebetrieben und Freizeiteinrichtungen beschloss die Bundesregierung am vergangenen Mittwoch außerdem ein Verbot von touristischen Übernachtungsangeboten in ganz Deutschland. Das trifft auch das "Best-Western-Plus-Kurhotel" neben der Obermain-Therme.

"Ausgesucht hat es sich keiner", meint Direktor Andreas Poth, der noch auf die Details der neuen Verordnungen wartet. Besonders für den Geschäftskundenbereich gebe es noch viele Dinge zu klären. Was fällt unter geschäftliche Reisen? Dürfen ausländische Gäste beherbergt werden? Wie werden Hotel- und Restaurantbereich definiert? Das alles seien Fragen, die durch die Politik bis zum 2. November noch geklärt werden müssen. "Dann können wir entscheiden, was zu tun oder was zu lassen ist", meint Poth.

Massiv rückläufig waren und sind die Umsätze des Hotels durch die Corona-Pandemie. Direktor Andreas Poth setzt darauf, dass die versprochenen, wirtschaftlichen Hilfen der Politik auch in diesem Lockdown wieder umgesetzt werden. Diese könnten den entstandenen Schaden zwar nicht ausgleichen, aber zumindest helfen.

Grundsätzlich zeigt der Hoteldirektor Verständnis für das Vorgehen der Politik: "Ich überlege mir eigentlich immer: Was wäre die Alternative? Die Zahlen gehen hoch. Es sind verschiedene Maßnahmen getroffen worden. Das hat nicht gereicht. Also ist die Politik natürlich in der Verpflichtung, irgendwas zu tun. Wenn sich die Zahlen Ende November wieder eingependelt haben, mag es nicht ganz falsch gewesen sein. Aber das wissen wir erst Ende November."

Seine ganze Kraft verwendet Direktor Poth nun darauf, das Kurhotel durch diese schwere Zeit zu bringen. Ein wichtiger Faktor dabei ist die Kurzarbeit, in die auch die Mitarbeiter wieder gehen werden. Im Gegensatz zu anderen Ländern habe Deutschland als Sozialstaat Optionen, die Menschen und Betriebe zu unterstützen. "Hätten wir das nicht, würde es zumindest unserem Betrieb sowie unseren Mitarbeitern mit Sicherheit schlechter gehen", betont Poth.

Gasthof "Grüner Baum" am Limit

Von Kurzarbeit macht auch Kaimark Schlosser Gebrauch. Für den Leiter des Traditionsgasthofes "Grüner Baum" in Bad Staffelstein ist die Lage dramatisch. Da viele Angestellte in der Gastronomie bereits im Niedriglohnbereich arbeiten, bleibe mit Kurzarbeit am Ende des Monats noch weniger übrig, beklagt Schlosser. Zudem habe er zwei Mitarbeitern zum Ende des Monats kündigen müssen.

Dass seine Gaststätte ab Montag nicht mehr öffnen darf, ist für Kaimark Schlosser unverständlich: "Das ist ein ganz schöner Knaller." Nur 0,5 Prozent der Covid-19-Infektionen seien schließlich auf die Gastronomie zurückzuführen. Damit bezieht sich Schlosser auf eine Einschätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) aus dem September, laut der Restaurants lediglich 0,5 Prozent der zuzuordnenden Infektionsfälle ausmachen. In der Tat sei das Geschäft bisher reibungslos verlaufen. Kaimark Schlosser beteuert, dass er und seine Belegschaft sich streng an das Hygienekonzept gehalten hätten und somit kein Infektionsfall aufgetreten sei. Außerdem sei in den vergangenen Monaten der Umsatz wieder gestiegen, auch wenn dieser knapp zehn Prozent hinter dem des Vorjahres zurückblieb.

Im Gegensatz zum ersten Lockdown wird der Gasthof "Grüner Baum" im November keinen Mitnahmeservice von Speisen anbieten. "Der Aufwand an sich, der ist so riesengroß. Ich muss den ganzen Küchenbetrieb aufrechterhalten. Ich muss zwei, drei Kühlhäuser am Leben halten, damit ich diesen Service bieten kann. Aber der Umsatz ist einfach zu gering. Das haben wir im Frühjahr eigentlich nur gemacht, weil wir wieder arbeiten wollten", schildert Kaimark Schlosser. Er betont außerdem, dass die Schließung seines Restaurants auch einen Wegfall der Einnahmequelle für seine Zulieferer bedeutet.

Neben einem vollen Kühlhaus bleibt Schlosser auch auf einem extra angeschafften Luftfilter gegen Viren sitzen. Die aktuelle Situation macht ihm Angst, denn für seinen Traditionsgasthof ist die erneute Schließung existenzbedrohend.

Wegfall des Weihnachtsgeschäfts

Auch Markus Schäfer hat für die kalte Jahreszeit extra ein Zelt angeschafft, das bereits auf der Terrasse von "Schäfers Café" aufgebaut ist. Die Heizstrahler stehen ebenfalls bereit. In Kombination mit strengen Hygienemaßnahmen im Innen- und Außenbereich wollte "Schäfers Café" in Bad Staffelstein damit durch die kalte Jahreszeit kommen. "Auf den Kosten bleiben wir jetzt erst einmal sitzen", ärgert sich der Inhaber Markus Schäfer, "Ich habe zwar das Zelt, aber ich kann es ja nicht nutzen."

Auf die Frage nach den Umsätzen seines Cafés antwortet Schäfer mit bitterem Lachen. Nach dem starken Einbruch im Frühjahr hätten diese sich zwar zuletzt einigermaßen stabilisiert. Mit dem Ende der Urlaubssaison und den erneut steigenden Corona-Fallzahlen habe sich der positive Effekt allerdings wieder in Luft aufgelöst. "Die kommenden vier Wochen werden umsatztechnisch eine Katastrophe", klagt Café-Inhaber Schäfer. Im November wird der Bäckereiverkauf von "Schäfers Café" lediglich an Sonntagen von 10 bis 16 Uhr geöffnet sein, ansonsten bleiben die Türen verschlossen.

"Weil es sich nicht rentiert", begründet Markus Schäfer, "Alleine von der Bäckerei her macht es keinen Sinn, weil die Leute zum Einkaufen eher in die Supermärkte gehen."

Hinzu kommt, dass das Weihnachtsgeschäft in den Startlöchern stand. Die Einkäufe für Plätzchen, Stollen und Lebkuchen seien schon getätigt worden, so dass ein Großteil der Rohware nun wahrscheinlich entsorgt werden müsse. "Schäfers Café" steht wie anderen Hoteliers und Gastronomiebetrieben in der Kurstadt Bad Staffelstein ein langer, harter Winter bevor. Wer von ihnen sich ins Frühjahr retten kann, ist heute - zwei Tage vor dem zweiten Lockdown - so ungewiss wie nie zuvor.