Die ersten Haushaltsvorberatungen finden jetzt statt, im Februar stand in den letzten Jahren dann jeweils der Stadtratsbeschluss über den Etat an. Immer ist es ein Plan mit gewissen Unwägbarkeiten, weil Einnahmen und Ausgaben vorab eben nur geschätzt werden können. Die Pandemie verstärkt die Unsicherheit. Wie es der heimischen Wirtschaft in den kommenden Monaten ergehen wird, hat entscheidenden Einfluss darauf, was sich Lichtenfels künftig leisten kann.

Aktuell geht der Stadtkämmerer von einem Defizit von 485 000 Euro bei der Einkommenssteuerbeteiligung aus. Bei der Umsatzsteuer und bei der Gewerbesteuer deutet sich hingegen sogar ein Plus von rund 500 000 Euro gegenüber dem zu Jahresanfang angenommenen Betrag an. Doch diese Zahlen sind Momentaufnahmen. Die Gewerbesteuer wird rückwirkend berechnet - also kann ein böses Erwachen 2021 und den beiden Folgejahren noch kommen. "Wir leben immer noch aus der Vor-Corona-Zeit", macht Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) deutlich, in dieser Zeit sei auch der Haushalt 2020 erstellt worden.

In Anbetracht der derzeitigen Lage sei es eine große Herausforderung, verantwortlich zu wirtschaften und Impulse zu setzen. "Ich kann mich heute nicht hinstellen und sagen: Das wird schon alles", räumt der Bürgermeister ein. Dennoch zeigt er sich optimistisch und unterstreicht: "Wir wollen keine Projekte, die wir angestoßen haben, sterben lassen." Das gilt vor allem für die Großprojekte, an denen schon seit langem gearbeitet wird und deren Verwirklichung sich auch noch über mehrere Jahre hinziehen wird. Marktplatz 10 zum Beispiel. Der Umbau des Gebäudes, damit dort eine moderne Stadtbücherei sowie Wirtschafts- und Tourismusamt einziehen können, soll definitiv im neuen Jahr beginnen.

1,8 Millionen für Marktplatz 10

Die geschätzten Kosten belaufen sich auf 7,2 Millionen Euro und sind zu einem hohen Anteil förderfähig. Trotzdem ist davon auszugehen, dass die Stadt 1,8 Millionen Euro zu diesem Vorhaben selbst wird aufbringen müssen. Das selbe Förderprogramm des Freistaates - es heißt "Innen statt außen" - wird auch für den Umbau der Kirschbaummühle in der Coburger Straße zum FADZ (Forschungs- und Anwendungszentrum für digitale Zukunftstechnologien) in Anspruch genommen. Doch dieses Vorhaben lastet auf mehreren Schultern, was nicht zur Beschleunigung beiträgt. "Es müssen viele Abstimmungen erfolgen, Stadt- und Kreisgremien einbezogen werden", erklärt Bürgermeister Andreas Hügerich. Mit einer Prognose zur Fertigstellung zögert er. "Der ursprüngliche Zeitplan - 2023/24 - war sehr sportlich. " Wahrscheinlicher sei 2024/25. Die Hochschule Coburg plant, einen Studiengang zum Thema additive Fertigung in Lichtenfels anzubieten. Gegebenenfalls wird dieser zunächst in einer anderen Immobilie untergebracht. Übergangsweise und sehr zeitnah soll das FADZ Lab, eine öffentlich zugängliche Hightech-Werkstatt ("Makerspace"), unter anderem mit 3D-Drucker und -Scanner, im ehemaligen H. O. Schulze-Gebäude am Marktplatz eingerichtet werden. Nicht allein um das Angebot geht es dabei. Die Überbrückungsphase ist wichtig, um das Projekt im Bewusstsein der Menschen zu halten. Sie sollen sehen, da tut sich was, auch wenn es bis zur Fertigstellung noch Jahre dauern wird.

Wettbewerb Kirschbaummühle

Ganz sicher wird laut Bürgermeister Hügerich im nächsten Jahr der Wettbewerb zum Umbau der Kirschbaummühle gestartet werden. 120 000 Euro sind dafür vorgesehen - eine Summe, die sich in der jüngst im Stadtrat verabschiedeten Bedarfsmitteilung an die Regierung von Oberfranken wiederfindet. Diese Liste beinhaltet beabsichtigte Maßnahmen mit einem Volumen von rund 19 Millionen Euro und kündigt allein für das Jahr 2021 einen Fördermittelbedarf von 1,56 Millionen Euro an. Hier ist anzumerken, dass fast 30 Prozent davon nicht auf öffentliche sondern auf private Bauvorhaben zurückgehen. Elf an der Zahl sind es derzeit, die mit 1,6 Millionen Euro insgesamt im Stadtsanierungs- und Geschäftsflächenprogramm vermerkt sind. Die Zahl der privaten Hauseigentümer im Innenstadtbereich, die etwas an ihren Immobilien tun wollen, ist heuer erneut gestiegen. Das Förderprogramm ist also ein Anreiz. Es kostet die Stadt zwar Geld, weil diese sich an den Fördersätzen beteiligen muss, zugleich unterstützt es sie auch in dem Bemühen um ein attraktiveres Stadtbild. In diesem Kontext sieht Bürgermeister Hügerich auch das "Riesenprojekt" Marktplatz 10: Da werde ein Treffpunkt geschaffen, um Frequenz in die Stadt zu bringen, ein Impuls gesetzt - kulturell, sozial, auch die Bildung betreffend. "Das kann helfen, die Stadt auch nach dieser Krise zu unterstützen." Deshalb wolle man auf alle Fälle daran festhalten. Überdies gibt Hügerich zu bedenken, dass das Gebäude seit 20 Jahren ein Thema ist und schon viele Finanzmittel, Zeit und Energie hineingesteckt wurden.

"Wir wollen schauen, dass wir Projekte, die wir angestoßen haben, im finanziellen Rahmen auch hinbekommen", sagt er. Vielleicht werde man die Zeitschiene bei dem einen oder anderen Vorhaben etwas verlängern müssen. "Es wird uns mehr Geduld, Solidarität und Akzeptanz abverlangt", prophezeit Andreas Hügerich.