In der Mitte des letzten Jahrhunderts galt Burgkunstadt einmal als so etwas wie eine kleine Boxhochburg. In der Reihe "Gschichtla ve Borkuscht" nahm Rudi Fetzer seine Zuhörer im Café Besold mit auf den Spuren des Boxsports. Im Verlauf seiner umfangreichen Recherche hatte Fetzer einiges zu Tage befördert, mit Zeitzeugen gesprochen, Archive durchforstet und in alten Tageszeitungen geblättert. Mit Erich Sparr, Siegfried Herold und Emanuel Martha waren drei von insgesamt fünf Zeitzeugen anwesend. Heinz Hagel und Günther Sievert konnten krankheitsbedingt nicht teilnehmen.

Erste Schaukämpfe vor Publikum gab es bereits in den 1920er Jahren in Burgkunstadt. Damals gründete sich im Gasthof "Fränkischer Hof" am Weihersbach eine Art privater Boxclub. Für Schlagzeilen sorgte damals ein Verbrechen, in dessen Verlauf ein Boxer einen Mann mit einem Stein erschlug. Ein Gericht in Bayreuth verurteilte ihn zu zwölf Jahren Zuchthaus.
Ironie des Schicksals: Jahre nach seiner Entlassung wurde der Mann selbst am Arbeitsplatz in einem Steinbruch von einer Steinplatte erschlagen.

Als Hochzeit des Boxsports in Burgkunstadt machte Rudi Fetzer die Jahre 1948 bis 1951 aus. Allerdings war der 1948 gegründete "BSV" weder im Registergericht noch beim Bayerischen Boxverband eingetragen. In einem Antrag an den Stadtrat von Burgkunstadt bat der damals noch junge Verein um den Erlass der Vergnügungssteuer für eine Veranstaltung, da sich der Verein noch im Aufbau und in "bedrängten" Verhältnissen befinde. Kurze Zeit später hatten sich die Stadträte erneut mit einem Antrag des "BSV" zu beschäftigen. Am 15. März 1949 teilte das Gremium dem Verein mit, dass die Stadt die Anschaffung eines Boxrings nicht unterstützen werde.

Ein Mundschutz für alle

Auch die Ausrüstung der Boxer war am Anfang sehr bescheiden. Erst durch eine Spende von Friedrich Baur erhielten die Burgkunstadter Boxer ein einheitliches Trikot. Dieses bestand aus einen schwarzen T-Shirt, Hosen mit schwarzen Streifen und schwarz-weißen Turnschuhen, die bis über die Knöchel reichten. Friedrich Baur sponserte auch die Boxhandschuhe, von denen es anfangs nur zwei Paar gab. Ein bekannter Burgkunstadter Zahnarzt fertigte einen Mundschutz an, der wie die Boxhandschuhe nach jedem Kampf weitergereicht wurde. Nachdem der Stadtrat einen Zuschuss zum Boxring abgelehnt hatte, übernahm Friedrich Baur auch diese Ausgabe. Der Boxring stand im Saal des Hotels Stern.

Das Training der heimischen Boxer bestand aus Schattenboxen, Boxen am Sandsack und Laufen. "Friedrich Baur kam oft zum Training. Er trainierte auch mit der Jugend", berichtete Fetzer. Alle drei Wochen fanden im Saal des Hotels Stern Heimkämpfe statt. An den Boxkämpfen nahmen im Schnitt zwei bis drei Schüler und Jugendliche teil, sowie fünf bis sechs Erwachsene. Der Eintritt kostete damals drei Mark. Den relativ hohen Eintrittspreis konnte sich nicht jeder boxbegeisterte Jugendliche leisten. Im Schnitt besuchten 100 bis 150 Besucher die Wettkämpfe im Sternensaal.

Auch unter der Rubrik Kuriositäten hat Fetzer einiges zu Tage befördert. So soll es einmal einen Boxer gegeben haben, der sehr schlecht gesehen hat. Im Eifer des Gefechtes hatte dieser einmal den Ringrichter mit dem Gegner verwechselt. Ganz andere Probleme hatte ein Boxer bei einer Stadtmeisterschaft. Da dessen Hosengummi gerissen war, musste er seine Hose mit der einen Hand halten und mit der anderen weiter boxen. Da sein Gegner aber deutlich unterlegen war, gewann er auch diesen Kampf. Der Boxsport in Burgkunstadt hatte noch einen weiteren Todesfall zu beklagen. Beim Kampf um die oberfränkische Meisterschaft geriet Horst Seifert ins Trommelfeuer seines Gegners, wie damals in einem Zeitungsbericht zu lesen war. Wenig später starb Seifert an einer Hirnblutung. Sein tragischer Tod löste in Burgkunstadt Entsetzen aus.

1951 kam es wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten zur Auflösung des "BSV". Einige Boxer kämpften danach noch für andere Vereine weiter.