Zwei Orte, zwei Landkreise - ein Verein. Das funktioniert seit nun fast 20 Jahren im östlichsten Zipfel des Landkreises Lichtenfels. Ein Ortsteil Burgkun-stadts hat über die "Grenze" mit einem aus Mainleus (Landkreis Kulmbach) eine Fusion. Damit wurde nach der Trennung durch die Gebietsreform 1976/77 wieder zusammengeführt, was einst zusammengehörte.

Nachdem der Mainrother Gemeinderat bereits am 28. August 1975 mit 7:4 Stimmen für eine Eingemeindung nach Burgkunstadt gestimmt hatte, aber die Bewohner der zu Mainroth gehörenden Ortschaften Rothwind, Fassoldshof und Eichberg sich dagegen ausgesprochen hatten, sah man vorerst von der Eingemeindung ab. Im Januar 1977 schloss sich Mainroth dann Burgkunstadt an, ohne die dazugehörenden Ortschaften, die sich Mainleus zugehörig fühlten.

Seitdem verläuft nun zwischen den einen Kilometer auseinanderliegenden Ortsschildern die Landkreisgrenze. 25 Jahre nach der Trennung fanden die Vereine FC Mainroth und VfB Rothwind-Fassoldshof auf fußballerischer Ebene wieder zusammen. Personelle Schwierigkeiten führten zu eine Kooperation beider Fußballabteilungen. Die Kräfte wurden ab 2002 gebündelt. Die VfBler traten sowieso über die Landkreisgrenze hinweg im Fußballkreis Lichtenfels an, dem sie sich über die Jahre verbunden sahen. Die Mainrother gehörten dem bereits an.

Drei Generalversammlungen

Dass da unter dem Namen SG Roth-Main noch zwei eigenständige Vereine existierten, war unter anderem daran zu erkennen, dass es noch zwei Fußballplätze gab. "Wir trugen neun Heimspiele in Rothwind-Fassoldshof und sechs in Mainroth aus, wo es nicht einmal Umkleidekabinen gab", erzählt der langjährige Vorsitzende André Heinz. Dazu kam der enorme organisatorische Aufwand. Nicht nur, dass zwei Plätze gepflegt werden wollten, vielmehr mussten stets drei Generalversammlungen abgehalten werden, eine für den VfB, eine für den FC und eine für die SG.

Ab 2011 wurde nur noch in Rothwind gespielt und ein Jahr später fand dann die offizielle Vereinsfusion statt. "Binnen drei Stunden haben wir drei außerordentliche Generalversammlungen abgehalten", erinnert sich Heinz. Um 18 Uhr in Mainroth, um 19 Uhr in Rothwind und um 20 Uhr in Fassoldshof. "Da wurde aus drei Vereinen einer gemacht", sagt der 49-Jährige und berichtet von lediglich zwei, drei Vereinsaustritten. Die Fusion sei ja schon in den 1990er Jahren geplant gewesen. "Die Widerstände in den Vereinen, vor allem von den älteren Mitgliedern, waren aber noch zu groß. Inzwischen hat wohl jeder seinen Frieden mit der SG gefunden", meint der selbstständige Finanzmakler.

Noch im Fusionsjahr 2012 feierte die SG Roth-Main ihren sportlichen Höhepunkt - die Kreisklassen-Meisterschaft und den Aufstieg in die Kreisliga. Fast wäre der Durchmarsch gelungen. Als Vizemeister scheiterten die SGler allerdings in der Relegation am Aufstieg in die Bezirksliga. Seit dem Abstieg 2018 treten die Kicker wieder in der Kreisklasse an.

Das Vereinsleben dreht sich aber nicht nur um die Fußballer, auch wenn sie die mit Abstand größte Abteilung stellen. Mit vier Mannschaften und rund 45 Spielern vertritt die Tischtennisabteilung die SG im Spielbetrieb. Daneben gibt es noch zwei Gymnastikgruppen. Mit 25 Köpfen tragen sie zur Vereinsgröße von 450 Mitgliedern bei.

Bei der Jahresstartfeier (als Ersatz für eine Weihnachtsfeier) treffen die Mitglieder der drei Abteilungen regelmäßig zusammen. Die findet, wie die meisten Feste der SG, im Dorfgemeinschaftshaus Mainroth statt. Zusammen mit der freiwilligen Feuerwehr, dem Musikverein, dem Gesangverein Freundschaftsbund und dem Radfahrverein Concordia betreibt die SG das Gebäude am Bahnhaltepunkt. Die Photovoltaikanlage auf dem Pultdach trägt den Unterhalt.

Viele Veranstaltungen im Jahr

Die SG-Mitglieder sorgen mit der Organisation und den Helferdiensten bei den Festen wie Kerwa, Preisschafkopf, Johannisfeuer, Wiesenfest, Faschingstanz und beim Jahresabschluss der Grund- und Mittelschule für ordentlich Zuflüsse in die Vereinskasse. "Das fiel in diesem Jahr allerdings flach", bedauert Vorsitzender Daniel Vonbrunn. Der 29-Jährige übernahm in diesem Frühjahr kurz vor dem Corona-Pandemieausbruch die Vereinsführung von André Heinz, dem es "schwerfiel, nach 30 Jahren im Ehrenamt" seine Geschäfte abzugeben. "Der Verein ist halt eine Herzensangelegenheit", sagt Heinz, der aber einen finanziell soliden Klub an Vonbrunn übergab. Dennoch - die Einnahmeausfälle durch den Wirtschaftsbetrieb bei Heimspielen bei weiter anfallenden Kosten wie Platzpflege waren heuer da. "Wir haben Corona-Hilfen bekommen, und auch vom Landratsamt Kulmbach gab es einen Zuschuss", sagt Vonbrunn.

Sorgen macht sich der Metzger eher um den Nachwuchs. Mit dem FC Burgkunstadt spielen die Jugendlichen aus den Ortschaften an der Landkreisgrenze in der JFG Kunstadt-Obermain. Die Jüngsten (E-Junioren und jünger) spielen mit den Kindern des FC Schwarzach. "Ein paar Jahre haben wir die Nachwuchsarbeit etwas vernachlässigt. Das rächt sich nun, da von der JFG nur wenige Spieler den Weg zur SG Roth-Main finden. Die meisten gehen zum FC Burgkunstadt", sagt Heinz. In der E-Jugend kommen nun aber wieder viele Kinder nach. Rund 20 Jungs und Mädels besuchen regelmäßig das Training. Vielleicht entsteht ja daraus auch wieder ein Frauenfußballteam, das von 2006 bis 2017 existierte.

Der Fokus von Vonbrunn und der Fußballabteilung liegt derzeit darauf, für die Saison 2021/22 einen neuen Trainer zu finden. Durch die Corona-Saison 2019/21 kam einiges durcheinander. Die Trainer, die zugesagt hatten, sprangen ebenso ab wie sechs Neuzugänge. Was bleibt, ist der Zusammenhalt. Vonbrunn, der selbst auf dem Spielfeld auf der Sechser-Position das Team zusammenhält, macht es Spaß, mit einer Mischung aus Jung und Alt in der Kreisklasse zu kicken. Echte Treue zum Klub zeigt, neben einigen Studenten, die über Franken verstreut weiter für die SG spielen, Markus Kleuderlein. "Der arbeitet in Nürnberg, kommt freitags zum Training und spielt am Wochenende", freut sich Vonbrunn über das Engagement, das das Vereinsleben des grenzüberschreitenden Klubs symbolisiert.

Die SG Roth-Main

Mitgliederzahl 450 Vereinssitz Rothwind Vorsitzender Daniel Vonbrunn Abteilungen Fußball, Tischtennis, Damengymnastik