Der Bundesrat hat eine Warnwestenpflicht für Deutschland beschlossen und folgt damit dem Beispiel der europäischen Nachbarstaaten: spätestens ab dem 1. Juli 2014 muss in jedem Fahrzeug, das in Deutschland zugelassen ist, eine Warnweste vorhanden sein.
Eine weitere Erneuerung erfährt das "Fahreignungsbewertungssystem", auch als "Punkte in Flensburg" bekannt. Statt einen bis sieben Punkte wird es, je nach Schwere des Vergehens, nur noch einen, zwei oder drei Punkte geben. Dafür ist der Führerschein auch schon bei acht Punkten weg. Bestehende Punkte werden umgerechnet, zum Beispiel werden aus sechs bis sieben Punkten "alt" jetzt drei Punkte "neu".

Ältere Menschen sind unsicherer

Polizeirat Alexander Lang sprach bei der Bezirksversammlung der oberfränkischen Verkehrswachten aber auch noch andere Themen an.
Aus allen oberfränkischen Städten und der Landeshauptstadt selbst waren Vertreter der jeweiligen Verkehrswacht in den großen Schulungsraum der Feuerwehr nach Bad Staffelstein gekommen. Das Motto der halbtägigen Veranstaltung am Samstag lautete "Mobil bleiben - aber sicher". Dabei spielen die älteren Verkehrsteilnehmer eine große Rolle.
Die oberfränkische Unfallstatistik vom Vorjahr zeige auf, dass bei den 28 751 gemeldeten Verkehrsunfällen mit insgesamt 59 Toten immerhin 1521 Unfälle mit elf Toten von über 65-jährigen Fahrern verursacht worden seien, fuhr Lang fort. Hauptgründe seien dabei Vorfahrtsmissachtungen, Fehler beim Abbiegen oder Wenden gewesen.

Künftig mehr Senioren unterwegs

"Die Anzahl der Senioren im Straßenverkehr wird definitiv zunehmen", erklärte der Leiter der Verkehrsabteilung im Polizeipräsidium Oberfranken mit Blick auf die demographische Entwicklung. 85 Prozent der Senioren seien mit dem eigenen Auto unterwegs, zum Großteil innerhalb geschlossener Ortschaften, weniger auf Landstraßen und eher selten auf Autobahnen.
Im November sei dazu ein Projekt geplant, stellte Horst Hrubesch, Leiter der Landkreis-Verkehrswacht Lichtenfels, die aktuelle Planung vor: "Wie bei den Jungen mit dem Fifty-fifty-Ticket für Taxifahrten soll es dann das Angebot auch für Senioren geben."

Möglichkeiten der Selbstkontrolle

Wer dennoch nicht auf sein Fahrzeug verzichten will, der hat eine ganze Reihe von Möglichkeiten mobil und sicher zu bleiben. Hrubesch sprach das Fahrsicherheitstraining an. Die Verkehrswacht, speziell jene die in Bad Staffelstein, biete zudem einen kostenlosen Hör- und Sehtest im Rahmen ihres jährlichen Verkehrssicherheitstags an, ferner Messungen von Blutdruck und Blutzucker sowie Reaktionstests am Fahrsimulator und das anonyme Ausfüllen von Führerscheinbögen mit anschließender Auswertung durch Fahrlehrer. Fahrschulen böten ein Fahrtraining für Senioren an, wenn diese sich - meist nach langer Pause - nicht mehr so sicher unterwegs fühlen. Erstaunlich: 45 Prozent der über 75-Jährigen schätzten sich als gesund ein; dabei nähmen jedoch 67 Prozent der über 65-Jährigen regelmäßig Medikamente ein, sechs Prozent gelegentlich und nur 25 Prozent nie.
Einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit im Straßenverkehr leisteten die Schülerlotsen und die Schulweghelfer, dankte Florian Engel von der Regierung von Oberfranken für dieses Ehrenamt. Auch stellvertretender Landrat Helmut Fischer (CSU) bestätigte: "Ohne Ehrenamt wäre unsere Welt ärmer!"
"Ein Teil der kommunalen Sicherheit ist die Verkehrswacht", lobte Bad Staffelsteins Bürgermeister Jürgen Kohmann (CSU) das Engagement der ehrenamtlichen Helfer.
"Bloß, wo fängt der ältere Mensch an? Bei 60? Bei 70? Oder noch älter?", fragte Wolfgang Gerstberger von der Bayrerischen Verkehrswacht München. Es sei für Ältere einfach selbstverständlich, am Straßenverkehr teilzunehmen.
Oft merke man selber gar nicht, dass man Defizite habe, bedauerte Walter Mackert, Vorsitzender der gastgebenden Gebiets-Verkehrswacht Bad Staffelstein. "Aber wie erreicht man dann die Älteren?", überlegte Polizeirat Lang - hier stimmte der Bezirksvorsitzende, Gerhard Schmitt, zu: Vorträge halten? Nein, das würde Ältere nicht so interesieren. Eher Informationen aus der Zeitung oder indem man bei Verstaltungen gezielt Senioren einlädt, anspricht und informiert.