Die bequemsten Schuhe, die ich je getragen habe - bei jemandem wie Frank Eberlein könnte ich die bekommen. Ich müsste allerdings bereit sein, für die optimale Passform rund 1000 Euro hinzublättern. So viel würden Schuhe nach Maß heute durchschnittlich kosten, erklärt mir der Orthopädie-Schuhmachermeister. Das gönnt sich kaum einer mehr. Schuhe werden heutzutage überwiegend im Ausland und in großen Serien produziert, weil das auf diese Weise billiger möglich ist.

1990 schlossen in Burgkunstadt die letzten beiden Schuhfabriken. An die Schuhmacher-Ära erinnert dort heute das Deutsche Schustermuseum, einen Schuhmacher aber gibt es im Stadtgebiet nicht mehr. Wenn die einstige Schuhstadt - während des Altstadtfestes etwa - an diesen Teil ihrer Geschichte erinnern will, bedient sie sich eines Orthopädie-Schuhmachermeisters. Frank Eberlein und sein Schwiegervater Kunibert Dicker aus dem nahen Weismain waren zu solchen Anlässen schon zur Stelle. Sie können die wesentlichen Arbeitsschritte des alten Handwerks zeigen, als die Sohlen noch nicht geklebt und gepresst wurden. Längst sind andere Materialien als nur Leder verfügbar. Doch die Grundzüge in der Herstellung sind gleich geblieben.


Immer neue Herausforderungen

Schuster in der orthopädischen Ausrichtung, das ist ein durchaus moderner und gefragter Handwerksberuf. Mit Nachwuchssorgen wie generell im Handwerk, und mit viel Arbeit und ganz individuellen Anforderungen. Frank Eberlein räumt gleichwohl ein, dass er ohne die Beziehung zu seiner Frau nicht darauf gekommen wären, sich diesem Metier zu widmen. Inzwischen führt er gemeinsam mit ihr deren väterlichen Betrieb.

Schuhe nach Maß werden gebraucht. Manchen Menschen wird es erst durch solche Spezialanfertigungen möglich, zu gehen. Etwa drei bis vier Paar Schuhe pro Woche, schätzt Frank Eberlein, werden in seiner Werkstatt hergestellt. Es sind Schuhe für kranke Füße und Leute, die unter komplexen Erkrankungen leiden. Sie haben verformte Füße, finden ohne diese Hilfsmittel kaum Halt. Frank Eberlein sieht Füße nach Amputationen von Zehen, nach fortgeschrittenen Durchblutungsstörungen bei Diabetikern beispielsweise oder nach Unfällen. All diesen Kunden verhilft er dazu, so gut es geht laufen zu können. Der nach orthopädischen Gesichtspunkten und ärztlicher Verordnung gefertigte Schuh sollte die normale Funktion des Fußes - soweit möglich - wiederherstellen. Eine ansprechende Optik gehört dazu. Hier bedient man sich aus dem Sortiment eines auf die Schäftefabrikation spezialisierten Betriebes im Nachbarlandkreis Kronach.

Die Maßfertigung bleibt eine immer neue Herausforderung, weil kein Patient gleich ist. Das bekommen auch die Absolventen der Meisterprüfung in diesem Handwerk zu spüren. Eberlein, der im Jahr 2000 dazu gehörte, erinnert sich noch gut daran, dass Personen mit echten und ganz unterschiedlichen Problemstellungen per Losentscheid den einzelnen Teilnehmern zugewiesen wurden. Binnen einer Woche galt es dann, auf die besonderen Bedürfnisse dieses Menschen abgestimmte Schuhe anzufertigen.

Eberlein erhielt für seine Lösung sogar den Meisterpreis der Bayerischen Staatsregierung. Neben dem handwerklichen Können erfordert dieser Beruf aber auch menschliche Qualitäten. "Man muss viel sprechen, erklären, beraten", sagt der 45-Jährige. Nicht selten klagt ihm dabei jemand sein Leid, erlebt er körperliche Einschränkungen mit. Er kann dann aber mit seinem Wissen auch ein Teil der Hilfe sein.