Anfang des 20. Jahrhunderts kamen oft schwere Gütertransporte aus Richtung Mistelfeld, die zum Güterbahnhof nach Lichtenfels gebracht werden sollten: Holzstämme aus dem Langheimer Staatswald und Steine aus den Dirollschen Brüchen, namentlich aus Kleinziegenfeld.

Um die Bahn zu erreichen, hatten die Fuhrleute zwei Möglichkeiten. Entweder sie wählten die Langheimer Straße; dabei nahmen sie eine erhebliche Steigung in Kauf und mussten am Oberen Tor abbiegen und die Stadt durchqueren. Die einzige Alternative war der Weg durch die Lange Straße und damit durch die bis 1929 selbstständige Gemeinde Burgberg.

Entsprechend sah die Straße aus: "Sie hat an vielen Stellen tiefe Furchen und Schlaglöcher", notierte 1912 der Vorstand des Bezirksamts. Mehrmals versuchte der Burgberger Gemeindeausschuss des Problems Herr zu werden, indem er die Durchfahrt untersagte. So verfügten die Gemeindevertreter 1873: "Es wird bekannt gemacht, daß das Fahren von fremden Fuhrwerken durch den Ort Burgberg, dem Leuxenbache und der sogenannten Langengasse entlang, bei Strafe verboten ist." Besonders das Bauunternehmen der Brüder Hans und Adam Diroll litt unter den Beschränkungen. 1901 beschloss die Gemeinde: "Dem Gesuch des Baumeisters Diroll in Lichtenfels, welcher Steine von seinem Steinbruch durch die Gemeinde Burgberg zum Bahnhof nach Lichtenfels fahren will, wird keine Folge gegeben, nachdem die Gemeindewege in der Gemeinde Burgberg ohnedies nicht im guten Zustande sind und durch dem Fahren des [...] Diroll stark abgenutzt würden."

1910 trennten sich die beiden Brüder. Adam Diroll (1875-1941) übernahm die Steinbrüche und siedelte sich in der Langen Straße an. 1912 baute er dort sein Wohn- und Geschäftshaus (Lange Straße 22) mit ausgedehntem Lagerplatz. Obwohl es sich nun um ein Burgberger Unternehmen handelte, beließ es die Gemeinde bei Restriktionen. Im Mai 1912 erließ sie eine ortspolizeiliche Vorschrift, die die Durchfahrt von Fuhrwerken über 25 Zentner durch den "unteren Burgberg" verbot.

Adam Diroll beantragte eine Ausnahmegenehmigung und bot an, zwei Drittel des Kieses, den man für die Straßenreparaturen brauche, unentgeltlich zu liefern. Dennoch lehnte der Gemeindeausschuss ab.

Die Lange Straße war nicht nur eine wichtige Verkehrsader. An ihr standen etliche Wohnhäuser. Drei Beispiele mögen genügen. Der einzige Bauernhof der Gemeinde Burgberg hatte seinen Platz an dieser Straße (Nr. 6); das Anwesen wurde vor einigen Monaten abgebrochen. Der Korbmacher und Korbhändler Joseph Albert Krauß (1788-1838), der abenteuerliche Reisen bis nach Amerika unternahm und dessen Söhne bedeutende Handelshäuser gründeten, wohnte seit 1811 im Haus Nr. 74. 1900 gründete in Nr. 56 der Metzger Sigmund Hetz eine Flaschenbierhandlung, im Jahr darauf dann das Gasthaus "Zum grünen Tal".

Nur bergseitig bebaut

In ihrem östlichen Abschnitt war die Lange Straße nur bergseitig bebaut. Denn an manchen Stellen (etwa bei den heutigen Anwesen Nr. 62 bis 72) reichte der Leuchsenbach bis an die Straße. Überhaupt wand er sich in vielen Schlingen nah an den Wohnhäusern vorbei. 1923 schilderte das Kulturbauamt Bamberg die Lage wie folgt: "Die Ufer sind vollständig mit Erlenbüschen verwachsen, der Flußschlauch weist zahlreiche Krümmungen auf und ist viel zu eng für die Abführung auch kleinerer Hochwässer. Die Folge davon ist, daß nach größeren Niederschlägen die Hochwasser über die Ufer treten und den Talgrund weithin überschwemmen, was [...] von großem Schaden für die dortigen Landwirte ist. Aber auch die tief gelegenen Häuser und Scheunen der Ortschaft Burgberg haben sehr unter diesen Überschwemmungen zu leiden." 1924/25 wurde die Leuchse begradigt und dadurch von der Langen Straße wegverlegt. Dadurch entstanden in der Nähe des einstigen Flussbetts neue Bauplätze. Schon zuvor hatte sich eine Lösung des Schwerlastverkehrs abgezeichnet. Im November 1919 gab der Bezirksausschuss, vergleichbar dem heutigen Kreisausschuss, die Empfehlung, auf Lichtenfelser Stadtgebiet eine Entlastungsstraße zu bauen: "Der Bezirksausschuss würde die Durchführung der Strasse von der Langheimerstrasse zur Bambergerstrasse am linken Ufer der Leuchse begrüßen und ist bereit, der Stadt Lichtenfels ein[en] entsprechenden Zuschuss in Aussicht zu stellen."

Mit der Anlage der Straße wurde bald begonnen. Doch kam der Bau ins Stocken. Statt einer ausgebauten Straße gab es über weite Strecken nur einen Feldweg "mit sehr holprigem Charakter und Vorliebe für Seenbildung bei Regenwetter", wie das Lichtenfelser Tagblatt im Rückblick schrieb. Wohl ab 1928 hieß die Straße "Scheffelstraße"; nach dem Krieg schrieb man sie "Viktor-von-Scheffel-Straße". An ihr standen am Vorabend des Zweiten Weltkriegs erst wenige Häuser. In Hausnummer 2 wohnte der Zahnarzt Dr. Ludwig Mager, und die Korbhändler Thomas Backert (Nr. 4) und Otto Böttner (Nr. 6) hatten hier ihre Wohn-, Fabrikations- und Lagergebäude, Backert seit 1932, Böttner seit 1936. Auf der anderen, der Leuchse zugewandten Straßenseite befanden sich damals lediglich die Rückgebäude der Möbelfabrik Tobias Rauch. Erst nach mehr als drei Jahrzehnten wurde die Straße vollendet.

Der Volksmund kommentierte die zermürbend lange Bauzeit, indem er sie in "Ewige Straße" umtaufte. Zwischenzeitlich entstanden an der provisorischen Verbindung weitere Wohngebäude, darunter ein Mehrfamilienhaus des Landkreises, aber auch Fabriken: Franz Tschran errichtete 1946-1948 eine Kaffeerösterei, deren Bauten 1951 dann von der Druckerei H. O. Schulze übernommen wurden, und Georg Meusel bezog 1949 seine neugebaute Fabrik für Leder- und Sportbekleidung (heute Schornsteinfegerbekleidung). Am 29. September 1956 berichtete das Lichtenfelser Tagblatt: "Emsig gearbeitet wird gegenwärtig durch die Firma Johann Fischer an der Ewigen Straße. Die Straße erhält einen massiven Unterbau und wird dadurch um etwa 20 cm höher gelegt. Die Arbeiten sind vom Brückleinsgraben her auf der rund 800 Meter langen Strecke bereits auf die Hälfte vorgetrieben und dürften bis Ende Oktober beendet sein." Am 16. November 1956 wurde die Straße endlich vollendet, und sogleich wurde sie eifrig befahren, wie die Zeitung am folgenden Tag meldete: "Erstaunlich viele Lastkraftwagen benützen diese Straße und ersparen sich dadurch die Fahrt durch die Enge des Stadtkerns." Allerdings endete die Straße an der Einmündung zur Unteren Burgbergstraße, beim heutigen Bestattungsinstitut Pietät. Wer, vom Güterbahnhof kommend, in Richtung Mistelfeld fahren wollte, musste die Leuchse überqueren und wie jeher die Langheimer Straße nutzen. Erst im Zuge des Baus der Umgehungsstraße (B 173), im Herbst 1971 dem Verkehr übergeben, wurde die Viktor-von-Scheffel-Straße zur Durchgangsstraße nach Mistelfeld.

Zwei Monate in Banz

Namenspate der "Ewigen Straße" ist der badische Dichter Joseph Victor Scheffel (1826-1886), der zu seinem 50. Geburtstag in den Adelsstand erhoben wurde. Im Sommer 1859 hielt er sich zwei Monate in Banz auf, das er bereits 14 Jahre zuvor als Heidelberger Student kurz besucht hatte. Scheffel befand sich damals in einer Lebens- und Schaffenskrise. Er hatte in Eisenach die Eisenbahn bestiegen und war bis zur Endstation der Werrabahn, nach Lichtenfels, gefahren. Er quartierte sich beim Banzer Wirt ein und schrieb seiner Mutter: "Endlich hat meine Wanderfahrt ein Ende und ich habe seinen ruhigen Bergesgipfel gefunden, der mich in den nächsten Wochen gastfreundschaftlich beherbergen soll".

Literarische Frucht dieses Banz-Aufenthalts waren Gedichte über den dort ausgestellten Ichthyosaurus, über einen fiktiven mittelalterlichen Banzer Mönch Nicodemus und über einen Ausflug von Bamberger Domscholaren in die Fränkische Schweiz. Größten Nachruhm genießt sein in Banz entstandenes Gedicht "Wanderfahrt", das, vertont vom Würzburger Stadtkämmerer Valentin Eduard Becker (1814-1890), zum "Frankenlied" avanciert ist: "Wohlauf, die Luft geht frisch und rein".