Dem Leben des Arztes, Offiziers und Malers Fritz Lamprecht (1892-1945) ist der Münchner Geschichtswissenschaftler Frank Wernitz nachgegangen. Der Nachlass Fritz Lamprechts sowie rund 60 seiner Gemälde befinden sich in Kloster Banz und können dort besichtigt werden. Am Donnerstag, 19. November, um 16 Uhr wird Frank Wernitz bei der Hanns-Seidel-Stiftung in Kloster Banz über das Ergebnis seiner Forschung sprechen. Wir haben im Vorfeld über seine Recherchen befragt.

FT: Sie haben über Fritz Lamprechts militärischen Lebenslauf geforscht. Was haben Sie Neues über ihn herausbekommen?
Frank Wernitz: Lamprecht zog Mitte August 1914 als Kriegsfreiwilliger in den Ersten Weltkrieg und wurde Ende Januar 1919 als Leutnant der Reserve aus dem Heeresdienst entlassen.
Das Kriegserlebnis hat Fritz Lamprecht maßgeblich geprägt und uunter anderem auch dazu beigetragen, dass er 1935 nach seiner Beorderung als Ergänzungsoffizier in die neu aufgestellte Wehrmacht den Status eines aktiven Offiziers anstrebte.

Was lässt sich über sein Leben als Soldat im Ersten Weltkrieg sagen?
Trotz der dürftigen Quellenlage zur Person Lamprechts als Soldat im Ersten Weltkrieg, ist er aufgrund seiner sozialen Herkunft mit vielen Kriegsfreiwilligen aus dem Besitz- und Bildungsbürgertum vergleichbar Infolgedessen kann man an ihm drei Fragen festmachen: 1. Warum meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst? 2. Wie hielt er vier Jahre Krieg durch, in dem Rationalisierung und Industrialisierung der Kriegsmaschinerie die Individualität des soldatischen Mannes vollkommen negierte. 3. Was hat der Krieg aus ihm und den Millionen anderer Heimkehrer gemacht?

Gibt es Quellen aus dieser Zeit, die Aufschluss geben über seine Einsatzorte?
Die im Kriegsarchiv zu München aufbewahrte Personalakte Lamprechts als Angehöriger der Königlich Bayerischen Armee enthält einen sogenannten Gefechtskalender, in dem zumindest alle mitgemachten Schlachten bis 1916 aufgeführt sind. Weitere Angaben bis zum Ende des Krieges findet man auch in der Geschichte des Regiments, dem Lamprecht während des Ersten Weltkrieges angehörte.

Im Zweiten Weltkrieg hat Lamprecht etliche Bilder gemalt, die nun in Kloster Banz hängen. Was lässt sich über seinen Dienst als Sanitätsoffizier in diesem Krieg sagen?
Lamprecht war ein überzeugter Truppensanitätsoffizier, dem seine militärische Karriere sehr am Herzen lag. Dies lässt sich anhand der noch vorhandenen Feldpostbriefe aus den Jahren 1939 bis 1945 eindeutig nachweisen.

Welchen Dienstgrad, welche Dienststellung hatte Fritz Lamprecht am Ende des Krieges inne?

Der letzte Dienstgrad Lamprechts in der Wehrmacht war Oberstarzt in der Dienststellung Armeearzt der 10. Armee. Diese Funktion übte in der Regel ein Arzt im Generalsrang aus. Ein weiterer Beweis für die fachliche wie dienstliche Qualifikation Lamprechts.

Lamprecht starb am 5. Mai 1945 in einem Lazarett in Kreuzberg bei Bischofshofen/Salzburg. Hatte sein Tod natürliche Ursachen?
Bereits 1918 musste sich Lamprecht einem Lazarettaufenthalt unterziehen, da er unter anderem an einer Herzneurose mäßigen Grades litt. Ob ein Zusammenhang zu dem im Mai 1945 erlittenen Herzschlag, der zum Tode Lamprechts führte, besteht, bleibt allerdings dahingestellt. Womöglich mag auch die Ablösung Lamprecht als Armeearzt im März 1945 und Versetzung in die Führerreserve dazu beigetragen haben. Warum Lamprecht von seinen Aufgaben entbunden wurde, bleibt ein Rätsel.
Welchen Eindruck haben Sie während Ihrer Recherchen von dem Menschen und Soldaten Fritz Lamprecht gewonnen?
Gerade weil Lamprecht stellvertretend für einen Großteil der Kriegsgeneration 1914/18 steht, lassen sich an seiner Person die zentralen Erfahrungen dieser Kriegsteilnehmer rekonstruieren. Damit kann die von der Erfahrungsgeschichte des Ersten Weltkrieges bislang vernachlässigte Kategorie "soziale Ehre" transparent gemacht werden. Das Bedeutungsfeld Ehre hat in der Alltags- und Erfahrungsgeschichte des Ersten Weltkrieges bislang kaum Bedeutung gefunden; infolgedessen ist es auch schwer, die nationalsozialistische Erfolgsgeschichte nach dem Krieg nachzuvollziehen.

Die Fragen stellte Matthias Einwag






Lebensdaten

Fritz Lamprecht wurde 1892 in München geboren. Er machte den Ersten Weltkrieg als Freiwilliger mit. Nach dem Krieg nahm er sein Medizinstudium wieder auf und wurde Arzt. Zwischen den Kriegen praktizierte er als Landarzt. Am Zweiten Weltkrieg nahm er als Sanitätsoffizier teil und starb 1945 als Oberstarzt eines natürlichen Todes. Seine malerische Begabung hatte er als Autodidakt fortentwickelt. Seine Tochter, die Kulmbacherin Inge Müller-Lamprecht, die 2007 starb, hatte den Nachlass der Hanns-Seidel-Stiftung vermacht, um die Bilder öffentlich auszustellen.

Frank Wernitz ist 1957 in Schweden geboren. Er wurde 1993 in München zum Dr. phil. promoviert. Seit 2000 ist er Leiter des zentralen Personalreferats für alle staatlichen Museen und Sammlungen in Bayern. Er legte unter anderem zwei Publikationen zur Armee Friedrichs des Großen vor. Zudem ist er Oberstleutnant d. R. der Bundeswehr und seit Mai 2012 Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Heereskunde.