Zwei große Rehabilitationskliniken gibt es im Raum Bad Staffelstein, neben der Schön-Klinik ist in Schwabthal die Reha Klink Lautergrund der Deutschen Rentenversicherung angesiedelt. Trotz Corona werden Menschen weiter auch aus anderen Gründen krank, werden operiert, brauchen in Anschluss medizinische Betreuung. Was für Folgen der Pandemie spürt man in der Rehaklinik Lautergrund? Wir sprachen mit Chefarzt Dr. Dieter Deuerling und dem kaufmännischen Leiter Matthias Lebert.

FT: Trotz Corona ermöglichen Sie weiterhin, dass Patienten eine Rehabilitation machen können. In welchen Bereichen bieten Sie eine Reha an?

Matthias Lebert: Die Rehabilitationsklinik Lautergrund ist eine orthopädische Klinik für die konservative Behandlung orthopädisch-unfallchirurgischer Krankheitsbilder mit 180 stationären Betten und bis zu 20 ambulanten Therapieplätzen. Neben der Rehabilitation nach großen Operationen am Bewegungsapparat (Anschlussheilbehandlungen) und der klassischen orthopädischen Rehabilitation werden auch die Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation (MBOR) und die Verhaltensmedizinisch orientierte Rehabilitation (VOR) angeboten.

Wie verteilen sich die Patienten auf die Bereiche in Prozent?

Dr. Dieter Deuerling: Etwa ein Drittel der Anreisenden sind Anschlussheilbehandlungen (AHB) nach Operationen an der Wirbelsäule oder den großen Gelenken. Viele Rehabilitanden bringen chronische Schmerzen und erhebliche körperliche Einschränkungen mit zur Rehabilitation. Damit verbunden sind nicht selten auch Probleme am Arbeitsplatz. Für diese Rehabilitanden gibt es die Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation. Ein weiteres Therapiekonzept ist die Verhaltensmedizinisch orientierte Rehabilitation. Hier wird vor allem auf die Wechselwirkung chronischer Schmerzen und psychischer Belastung eingegangen. Ein chronischer Schmerz nagt an der psychischen Verfassung und schon vorbestehende psychische Belastungen führen wiederum zu einer verstärkten Wahrnehmung der Schmerzen. Leider ist das manchmal ein Teufelskreis für die Rehabilitanden, wofür wir Lösungen anbieten möchten.

Gibt es aktuell eine Verschiebung?

Matthias Lebert: Angesichts der Corona-Pandemie gibt es natürlich auch in unserer Klinik viele Veränderungen. Dies spiegelt sich auch in den Patientenzahlen und deren Beweggründe zur Rehabilitation wieder. In den Jahren vor Corona wurden pro Jahr rund 2700 Patienten mit einer Aufenthaltsdauer von im Schnitt 24 Tagen behandelt. Die Auslastung lag über Jahre hinweg bei über 99 Prozent. Seit Frühjahr 2020 hat sich durch Corona auch in unserer Klinik vieles verändert. Zeitweise wurden die allgemeinen Rehabilitationsverfahren ausgesetzt, nur noch die dringliche Versorgung frisch operierter Rehabilitanden war möglich.

Kurzzeitig wurden auch Akut- und Pflegepatienten aus den umliegenden Akutkrankenhäusern aufgenommen, um diese zu entlasten. In der ersten Lockdown-Phase war zwar die Pflegeabteilung an Ihren Kapazitätsgrenzen, manche andere Bereiche waren durch die niedrige Auslastung erfreulicherweise bereit, andere Aufgaben zu übernehmen. Eine gegenseitige Unterstützung der Bereiche und auch viele für die Klinik hilfreiche Einsätze bei der Instandhaltung und Renovierung der Klinik stärkten das Team und das Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Jahresbelegung 2020 liegt coronabedingt lediglich bei rund 65 Prozent.

Merken sie, dass in Kliniken weniger operiert wird?

Dr. Dieter Deuerling: Die elektiven, also geplanten Eingriffe wurden in den Akutkrankenhäusern deutlich reduziert, um die Personalressourcen für die Versorgung der Coronapatienten zu bündeln.

Aber auch fortgeschrittene Hüft- oder Kniegelenksarthrosen oder akute Bandscheibenvorfälle können nicht über Monate hinweg aufgeschoben werden. Die Zahl der Anschlussheilbehandlungen in unserer Klinik ist gleich geblieben, die Dringlichkeit vieler bereits im Frühjahr verschobener Operationen hat jedoch gefühlt zugenommen. Mit den umliegenden Akutkrankenhäusern besteht eine enge Absprache und eine sehr gute Zusammenarbeit.

Was hat sich in den Abläufen geändert?

Matthias Lebert: Sowohl für Rehabilitanden als auch für das Personal hat sich durch Corona vieles verändert. Schon bei der Einbestellung der Rehabilitanden weisen wir auf die vielen coronabedingten Einschränkungen und Hygieneregelungen in der Klinik hin. Die Begrüßung der Rehabilitanden zum Rehabeginn ist mittlerweile leider mehr zur Aufzählung von Geboten und Verboten geworden, früher war dies ein herzliches Willkommen mit Darstellung sämtlicher Möglichkeiten und Angeboten in und um die Klinik herum.

Wird jeder Patient getestet, der aufgenommen wird?

Dr. Dieter Deuerling: Jeder Rehabilitand darf sich nur mit negativem Covid-Test frei in der Klinik bewegen. Entweder man reist mit aktuellem Test (nicht älter als 3 Tage) an oder man erhält bei Anreise einen PCR-Test in der Klinik und muss die erste Zeit bis zum Erhalt des Testergebnisses in Quarantäne im Zimmer bleiben. Für Patienten und Personal werden zu jeder Zeit Corona-Schnelltests angeboten.

Gibt es Einschränkungen bei Besuchen und Heimatreisen?

Matthias Lebert: Bis auf Weiteres gilt derzeit ein Besuchs- und Heimatreiseverbot während der Rehabilitation. Trotz dieser drastischen Einschränkungen (auch über die Weihnachtsfeiertage) konnte im Dezember eine 76-prozentige Auslastung erreicht werden. Da dies dem Schutz der Rehabilitanden und der Beschäftigten dient, wurden die Maßnahmen von allen sehr gut toleriert.

Gibt es bestimmte Behandlungsformen, die sie aktuell nicht anbieten können?

Dr. Dieter Deuerling: Aktuell können leider keine ambulanten Rehamaßnahmen durchgeführt werden. Ein täglich neues Testen würde unsere personellen und wirtschaftlichen Kapazitäten sprengen.

Gibt es Veränderungen bei Behandlungsformen?

Matthias Lebert: In Absprache mit dem Gesundheitsamt und der Krankenhaushygiene werden Vorträge mit sehr begrenzter Teilnehmeranzahl durchgeführt. Ebenso wird bei allen Therapien darauf geachtet, dass die Abstandsregeln möglichst eingehalten werden können. Auch gibt es bei den Behandlungen Einschränkungen: Sauna und Dampfbad etwa sind geschlossen.

Gibt es Veränderungen in den Betriebsabläufen?

Dr. Dieter Deuerling: Schon zum Start der Rehabilitation wurden die Abläufe aufgrund der vorherigen Testung so flexibel gestaltet, dass bei vorliegendem negativem Testergebnis der Rehabilitand jederzeit mit den therapeutischen Maßnahmen beginnen kann. Die Anreisen sind von Montag bis Freitag möglich, um die personellen Kapazitäten zu berücksichtigen und eine gleichmäßigere Verteilung der Versorgung auf die gesamte Woche zu erreichen.

Aufgrund der Abstandsregeln mussten die Gruppengrößen der einzelnen Therapien verändert werden. Somit wurden sowohl für die Rehabilitanden als auch für die Beschäftigten die Therapie- und Arbeitszeitpläne entsprechend angepasst. Aufgrund der begrenzten räumlichen Kapazitäten im Restaurant wird nun in mehreren Schichten gegessen. Jede Veränderung bedeutet auch eine Chance eingefahrene Strukturen zu verändern, um eine Verbesserung zu erreichen.

Hatten Sie schon eine Corona-Infektion in der Klinik unter Patienten oder Beschäftigten?

Dr. Dieter Deuerling: Es wurden bereits einige Rehabilitanden covid-positiv getestet. Nachdem sie in Quarantäne waren, wurden sie ohne weitere Kontakte wieder in die häusliche Quarantäne entlassen. Eine Rehabilitation in der Klinik wäre nicht sinnvoll gewesen. Einzelne Beschäftigte, die covid-positiv getestet wurden und auch Kontaktpersonen ersten Grades, bestätigt durch das Gesundheitsamt, hielten Ihre Quarantäne ein. Testungen bei den Kontaktpersonen erbrachten erfreulicherweise keine weiteren Ansteckungen. Neben den strengen Hygienemaßnahmen braucht es auch ein bisschen Glück, um vor größeren Ausbrüchen verschont zu bleiben. Dies ist bisher der Fall.

Wenn es zu einem Rückgang der Patienten gekommen ist, welche wirtschaftlichen Folgen hat das für die Klinik?

Matthias Lebert: Die Klinik muss aufgrund der niedrigeren Belegung mit erheblichen Erlösausfällen für das Jahr 2020 rechnen. Das Betriebsergebnis wird daher wie bei vielen anderen Unternehmen auch für unsere Klinik negativ ausfallen. Der Abschluss für 2020 wird aktuell erstellt.