Die neue Rettungswache ist schon in Betrieb. Deshalb sparte sich Architekt Johannes Morhard eine symbolische Schlüsselübergabe. Stattdessen überreichte er dem BRK-Vorsitzenden im Landkreis, Christian Meißner, ein am Vorabend aufgenommenes Luftbild des Neubaus. Es zeigt auf einen Blick den Vorteil: die Lage und gute Verkehrsanbindung nahe dem Schnittpunkt von B 173 und B 289. Das wird auch nach dem geplanten Straßenausbau so sein, wie Meißner unterstrich.


In der Draufsicht

Die Sicht von oben war für dieses Projekt von entscheidender Bedeutung, das betonten mehrere Redner. Denn auf lokaler Ebene war man sich in der Standortfrage nicht einig gewesen. "Es gab tatsächlich Streit", räumte Coburgs Landrat Michael Busch (SPD) ein. Busch ist Vorsitzender des Rettungszweckverbandes, der für die Landkreise Lichtenfels, Kronach und Coburg zuständig ist. Einem Gutachten des Münchner Instituts für Notfallmedizin und Medizinmanagement zufolge sollte die in Burgkunstadt ansässige Rettungswache zugunsten zweier neuer Standorte Zettlitz und Weismain aufgegeben werden, um die vorgeschriebene Hilfsfrist an mehr Orten in den allermeisten Fällen einhalten zu können. Die Entscheidung kam in Burgkunstadt natürlich nicht gut an. Es sei sehr lange und intensiv debattiert worden, räumte der Lichtenfelser Landrat Christian Meißner (CSU) ein. Letztlich aber war es die Draufsicht, die sich durchsetzte - der Blick auch auf die angrenzenden Landkreise und die Fakten. Busch erwartete eine deutliche Verbesserung, und Meißner wünschte sich, dass auch das Urteil der Praktiker vor Ort gut ausfallen möge. Positiv zur Kenntnis genommen wurde, dass auch Burgkunstadts Bürgermeisterin Christine Frieß zur Einweihung erschienen war.

Die neue Wache besteht aus Fahrzeughalle mit Desinfektionsraum und Personalgebäude. Ein rotes Vordach ist die optisch ansprechende und regensichere Verbindung der beiden Teile, auf denen das rote Kreuz prangt. Ein Zeichen dafür, dass man hier Hilfe findet, wie Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU) feststellte, von Menschen geleistet, die den Beruf als Berufung sehen.

Für diese hat man die Raumfunktionen wohl bedacht. Die bauliche Umsetzung in nur sieben Monaten war nur möglich, wie der Architekt unterstrich, weil alle an einem Strang zogen: Fachingenieure und regionale Firmen, die vertrauensvoll mit der Bauleitung zusammengearbeitet hätten.

Die kirchliche Weihe der Räume nahmen Dekanin Stefanie Otto-Frühwald und Pfarrer Diter Glaeser vor. Menschen bedürften bei Krankheit oder Unfall nicht nur technischer Hilfe, sondern der Zuwendung, sagte die Dekanin. Von der neuen Rettungswache werde Hilfe ausgehen, auf die jeder einmal angewiesen sein könnte. Sie erinnerte an das Gleichnis vom barmherzigen Samariter und führte vor Augen, dass schon darin ein Netzwerk mit einem Wirt und sicher weiteren Helfern beschrieben sei, denen der Verletzte anvertraut wurde.

Im Anschluss fand im Außenbereich eine kleine Feier statt. Zudem bestand die Möglichkeit, sich die Räume der Zettlitzer Rettungswache anzusehen. Für die Gäste wurde auch aus dem Kühlschrank ein rotes Kreuz geholt: ein entsprechend geformter Erdbeerkuchen.