Vorarbeiten kosten Zeit. Sie müssen gründlich sein, um eine solide Planung zu erstellen. Das gilt besonders für ein Bauprojekt, das an prominenter Stelle verwirklicht werden soll: Auf dem Areal des einstigen Brauerei-Gasthofes "Zum schwarzen Bären" im Herzen der Altstadt. Was hier entsteht, wird den Stadtkern für viele Jahrzehnte prägen.
2015 hatte die Stadt das 3300 Quadratmeter große Grundstück mit zahlreichen Altbauten gekauft. Seither wird auf breiter Basis überlegt, was auf dem Gelände entstehen soll. "Wir sind mitten in einem Verfahren zur vorbereitenden Untersuchung für die Altstadt und die Bahnhofstraße", sagt Bürgermeister Jürgen Kohmann (CSU). Darin sei für das lange brachliegende Bären-Areal eine Projektstudie enthalten. "Unser Ziel ist es, innerhalb dieser Studie ein sinnvolles Nutzungskonzept zu erstellen", fährt er fort. Jürgen Kohmann möchte diesen zentralen Ort in der Stadtmitte wiederbeleben und zugleich räumlich neu ordnen. Dafür müssten bestehende Gebäude abgerissen werden, etwa das Bettenhaus des Gasthofes, andere müssten umgebaut werden.

Das Projekt, sagt er, habe eine wichtige städtebauliche Funktion: "Wir wollen einen Begegnungsort entwickeln für Bürger und für Gäste." Stadtrat und Planer folgten somit den ersten Überlegungen, an diesem Ort ein Kommunikations- und Kulturzentrum zu schaffen. Als Kernstück werde ein Saal mittlerer Größe mit 250 bis 300 Sitzplätzen ins Auge gefasst, in dem Konzerte und Theateraufführungen stattfinden können.


Bier aus zehn Brauereien

Die Tradition des Brauereigeländes soll berücksichtigt werden: "Wir wollen das Thema Bier in irgendeiner Form mit einbeziehen." Es gebe jedoch noch keine festen Pläne, wie das geschehen wird. Denkbar seien eine Erlebnisbrauerei oder eine Bierothek mit Bieren aller zehn im Stadtgebiet heimischen Brauereien. Das denkmalgeschützte Gaststätten-Gebäude mit Frontpartie zum Marktplatz werde verpachtet: "Wir werden's nicht selbst betreiben." Im Nutzungskonzept werde zudem verankert, ob die städtische Bücherei integriert werden kann, ob an diesem Ort ein Bürgercafé entstehen könnte und ob ein Jugendtreff geschaffen wird.


Schritt für Schritt zum Ziel

"Wir legen jetzt erst einmal das Nutzungskonzept fest", bekräftigt Kohmann. Der nächste Schritt sei der Architektenwettbewerb, in den die Ideen des Nutzungskonzeptes einfließen. Daraus resultierten die Kosten und somit die Finanzierung - etwa über die Städtebauförderung, den Denkmalschutz und die Oberfranken-Stiftung.
In diese Überlegungen flössen Pläne ein, im Erdgeschoss des Rathauses das Bürgerbüro einzurichten, das barrierefrei erreichbar sein soll, sagt Kohmann. Dafür müssten jedoch die öffentlichen Toiletten, die sich derzeit dort befinden, verlegt werden. Diese Toilettenanlage könnte in das wenige Meter entfernte Bären-Gebäude verlegt werden.

Das Bären-Areal dürfe jedoch nicht losgelöst vom Stadtkern betrachtet werden. Es sei eine gute Situation, dass der Stadt sowohl das Brauerei-Areal gehöre als auch der Bahnhof. Derzeit noch offene Fragen, etwa zu einem Standort für Selbstvermarkter, müssten noch beantwortet werden: Unter dem Begriff "Heimische Genüsse" sei ein Bauernmarkt im Bären und im Bahnhof möglich.


Bahnhof wird mittelfristig frei

Die Deutsche Bahn, sagt Kohmann, habe signalisiert, dass sie in absehbarer Zeit die mechanische Stellwerksanlage aus dem Erdgeschoss des Bahnhofs entfernen und durch eine elektronische ersetzen werde, die an anderem Ort in einem kleinen Bau untergebracht werden könne. Dadurch werde das Erdgeschoss des Bahnhofs frei, das zurzeit noch zu mehr als einem Drittel von der Bahn genutzt werde. Diese Entwicklung gelte es abzuwarten. Prämisse bleibe jedoch: "Erst das Bären-Gelände und dann der Bahnhof."