Er habe wirklich gedacht, sein letztes Stündchen habe geschlagen, sagte ein 64-jähriger Mann am Montag vor dem Landgericht Coburg. Dort wird ein Streit verhandelt, der sich im November 2017 in einer betreuten Wohnanlage eines Klinikums im Landkreis Lichtenfels zugetragen hat. Wegen versuchten Totschlags muss sich nun ein 41-jähriger Mitbewohner verantworten.

Beide Männer lebten in der offenen Einrichtung, als der Streit in der Novembernacht eskalierte. Laut Anklage waren die zwei im Vorfeld öfters aneinander geraten. Wegen der ständigen Streitereien soll der 41-Jährige beschlossen haben, den 64-Jährigen umzubringen.

In den Schwitzkasten genommen

So habe der Beschuldigte an die Zimmertür des 62-Jährigen geklopft, diesen mit der Faust ins Gesicht geschlagen und ihn zu Boden gerissen. Er soll sein Opfer in den Schwitzkasten genommen und mit den Worten "Den bring ich um" gewürgt haben. Schluckbeschwerden und Atemnot seien die Folge der Attacke gewesen.

Vor Gericht war der 41-Jährige redselig. Er fühlte sich demnach von dem älteren Mann genervt, da dieser ihn keine Ruhe gelassen habe. Außerdem habe der Ältere ihn beleidigt. "Wir hatten massiven Streit, aber an die Tat kann ich mich nicht mehr erinnern."

Hingegen konnte sich der Beschuldigte gut daran erinnern, dass er am Tattag eineinhalb Liter Wein und eine Flasche Schnaps gekauft hat. "Um mich ins Koma zu schießen", begründete er. Auch zu der Alkoholmenge an diesem Abend konnte der Beschuldigte genau Auskunft geben: "Das waren 0,7 Liter Doppelkorn mit 32 Prozent Alkohol und 1,5 Liter Tetrapak mit lieblichen Weißwein mit zehn Prozent Alkohol."

In der betreuten Wohnanlage habe er sich nicht sachgemäß untergebracht gefühlt. "Es waren keine ernsthaften Gespräche wegen meiner Alkoholsucht", sagte er. Am Tattag habe er mit seiner Ex-Freundin telefoniert und eine Zigarette geraucht, als ihn der 62-Jährige wieder einmal keine Ruhe gelassen habe. Dann könne er sich erst wieder erinnern, dass er fixiert in der psychiatrischen Abteilung aufgewacht sei.

Gemeinsam ins Kino gehen

Bei dem 62-jährigen entschuldigte er sich. "Es tut mir leid. Ich wünschte, ich könnte mit Ihnen essen oder ins Kino gehen und wir könnten uns mit unseren Macken kennen lernen." Der 62-Jährige leidet nach eigener Aussage an einer psychischen Erkrankung.

Den Tatablauf konnte er nur bruchstückweise wiedergeben. "Ich habe mir gedacht, Gott sei Dank, dass ich noch lebe", sagte er.

Die Verhandlung wird am 14. Januar um 9 Uhr fortgesetzt