Klar es geht um den Nachwuchs, wenn die Königlich-privilegierten Scharfschützengesellschaft zu einem Tag der offenen Tür einlädt. Schließlich hat die honorige Gesellschaft, was ihre Mitglieder anbelangt, längst das Alter 60plus erreicht - und da tut junges Blut zur Auffrischung gut. Darüberhinaus ist allen Schützenvereinen daran gelegen, das Negativimage, das ihnen durch Ereignisse wie in Winnenden zuteil wurde, zu korrigieren.

Denn der Schießsport hat es nicht verdient, derartig ins schlechte Licht gerückt zu werden. Warum es für Jugendliche interessant sein kann, sich einem Schützenverein wie der Lichtenfelser Scharfschützengesellschaft anzuschließen, darauf weiß Schützenmeister Erwin Kalb die Antwort.

"Erstens fördert das Schießen die Konzentrationsfähigkeit. Es dient der Zielorientiertheit im Leben.
Und es ist, im Gegensatz zu vielen Ballsportarten, eine Sportart ohne jegliche Fouls."

Gerade was die Nachwuchsförderung anbelangt, haben die Königlich-Privilegierten viel zu bieten, das wurde auch am Tag der offenen Tür deutlich. "Unsere Stärke beruht darauf, dass wir ein unerhört breites Spektrum anbieten, vom Bogenschießen übers Lichtpunktgewehr, zur Luftpistole und ab 14 Jahren mit Sondererlaubnis auch mit Kleinkaliber," erzählt Kalb.

Auch Weltmeister in den Reihen

Darüberhinaus hat der Verein Mitglieder wie Uschi Osterlänger (mehrfache bayerisches Meisterin) als Trainer und sogar Weltmeister (Silhouettenschießen) in seinen Reihen. Kalb: "Wir haben in punkto Erfahrung ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Dazu kommen Veranstaltungen wie unser Jugendlager oder Ausflüge für die Jugendlichen."

Zum ersten Mal überhaupt hat Lisa Westphal eine der großkalibrigen Pistolen in der Hand. "Am Anfang erschrickt man etwas. Der Rückstoß war gar nicht so toll, aber wenn die Pistole beim Schuss zur Seite rausfliegt. Ich bin froh dass ich überhaupt die Scheibe getroffen habe" schildert sie ihre Erfahrung. Deutlich besser schneidet da ihr Freund Philip Gehrig ab. Doch der ist auch bei der Polizei in der Ausbildung.

Von Weltmeister Axel Richter lassen sich Melina Saam und Frank Lorenz in die Geheimnisse des Silhouettenschießens einweihen. Ohne Gehörschutz geht da nichts, denn der "Bums" ist schon beeindruckend. Dazu kommt eine im Liegen völlig ungewohnte Körperhaltung, die nicht von ungefähr "Dead Frog" genannt wird. Kimme und Korn müssen in eine Linie gebracht werden, auch wenn die Tierfigur in 25 oder mehr Meter Entfernung nur noch verschwommen erscheint.

Entfernung von bis zu 500 Metern

Wer dann auch noch das Vergnügen hat, liegend mit dem Spezialgewehr auf die 100-Meter-Distanz anzulegen, der bekommt eine Ahnung davon, was es heißt, im Wettkampf bis auf Entfernungen von 500 Meter zu schießen. Der Rekord, den Axel Richter hier aufgestellt hat, wird wohl auch in den nächsten Jahren Bestand haben.

Gleich nebenan üben dessen Söhne mit dem Softairgewehr. Das liegt von der Energiegrenze her unterhalb des Waffengesetzes. Damit zählen diese Gewehre und Pistolen als Spielzeug und können auch von Kindern unter zehn Jahren benutzt werden.

Absolut präzise Schießen kann man auf den Luftgewehr-Schießständen nebenan mit dem Lichtpunktgewehr. Wie man auch ohne echte Munition genau ins Schwarze trifft das erklärt die amtierende Bayerische Meisterin Uschi Osterlänger.

Boom beim Bogenschießen

Recht entspannt und lautlos geht es auf der Wiese hinter der Schießanlage beim Bogenschießen zu. Gerade die Bogenabteilung hat dem Verein in den letzten Jahren einen spürbaren Mitgliederzuwachs gebracht.
Wer selbst nicht aktiv werden wollte kam beim Schauschießen auf seine Kosten. Hier demonstrierten Dieter Brandmeier und Richard Werner das Schießen mit Schwarzpulver während Christian Thiel gerne die umfang-reiche Waffenausstellung erklärte.