Das 2008 von Familienministerin Ursula von der Leyen eröffnete Mehrgenerationenhaus ist eine von insgesamt 450 solcher Einrichtungen in Deutschland. Der Träger der Einrichtung ist das Rote Kreuz. An dem bestehenden Rotkreuzhaus wurde vor über fünf Jahren ein rollstuhlgerechter und barrierefreier Anbau erstellt.

Davon profitieren nicht nur Mütter mit Kinderwagen, sondern auch Rollstuhlfahrer wie Brigitte Spitzenpfeil. Alle drei Wochen trifft sich ihr aus zwölf Senioren bestehender Stammtisch zu gemeinsamen Aktivitäten. "Wo will man sich sonst treffen?", fragt Brigitte Spitzenpfeil. Die meisten Gastwirtschaften sind nicht barrierefrei zu erreichen, oft befinden sich die Toiletten auch im Kellergeschoss. Ein Problem für die Rollstuhlfahrerin. Im Michelauer MGH kann sie sich dagegen frei bewegen.
Brigitte Spitzenpfeil möchte die Nachmittage nicht missen, an denen sie mit Geleichgesinnten Kaffee trinkt, Karten spielt und gemeinsam musiziert. "Ohne das MGH würde mir etwas fehlen", sagt sie.

Auch Barbara Nemmert könnte sich ein Leben ohne die Einrichtung nur schwer vorstellen. Wer wie sie einen demenzkranken Angehörigen pflegt, der möchte ihn auch dann in guten Händen wissen, wenn er sich selbst einmal eine Auszeit gönnt. Einmal in der Woche kümmern sich die Mitarbeiter der Demenz-Betreuungsgruppe um ihren Mann. "Für Demenzkranke ist das auf jeden Fall eine schöne Einrichtung", sagt Barbara Nemmert.

Am Mehrgenerationentag am Samstag erhielten die Besucher von Demenzbetreuerin Marianne Schreiber einen Einblick in die Arbeit ihrer Gruppe. Wer von den Besuchern möchte, der durfte selbst einmal "Mensch ärgere dich nicht" spielen - mit extra großen Spielfiguren. Aktuell laufen Überlegungen, die Demenzbetreuung noch weiter auszubauen. Zu den beiden bestehenden Nachmittagsgruppen soll eine Vormittagsgruppe hinzukommen. Damit soll ein erster Schritt in Richtung Demenz-Tagespflege geschehen. Ein Angebot, das bereits in anderen Landkreisen existiert. "Die Tagespflege ist als Entlastung für Berufstätige gedacht, die ihre Angehörige nicht ins Pflegeheim geben wollen", erklärt Frank Gerstner, der Leiter des Michelauer MGH.

Diesen ersten Mehrgenerationentag hatten die Abteilung für Gesundheit des Landratsamtes, die Kommunale Jugendarbeit und das MGH gemeinsam organisiert. Neben zwei Vorträgen wartete auf die Kinder im Obergeschoss ein breites Betätigungsfeld. Leider erlaubte das Wetter am Samstag kaum eine Aktivität auf dem hauseigenen Spielplatz. Zu einer festen Einrichtung zählen mittlerweile auch die Babykurse von Ina Wagner. Einmal in der Woche zeigt die Ergotherapeutin Eltern, wie sie ihre Kinder gezielt fördern können. Ein Angebot, das nachgefragt wird.

Der Michelauer Einrichtung geht es wie vielen MGH in Deutschland. Noch weiß niemand so recht, wie es nach dem Auslaufen der zweiten Förderperiode zum Jahresende 2014 weitergehen soll. "Es ist so wie immer, der Bund stößt etwas an, dann zieht er sich zurück", erklärt BRK-Kreisvorsitzender Zürbig. Aktuell finanziert sich die Einrichtung aus 30 000 Euro Bundesmitteln, je 5000 Euro steuern der Landkreis Lichtenfels und die Gemeinde Michelau bei. Noch ist laut Zürbig keine dauerhafte Finanzierung in Sicht. "Entweder wir müssen unsere Preise erhöhen oder das Angebot reduzieren." Das würde die Menschen am meisten treffen, für die das MGH ein fester Bestandteil ihres Lebens geworden ist.