Supermarktketten möchten ihre Waren ansprechend präsentieren. Verkaufsflächen, die vor einigen Jahren noch als ausreichend angesehen wurden, genügen heute den Ansprüchen oft nicht mehr. Stehen dann noch an den Gebäuden Sanierungen an, tendieren die Unternehmensleitungen eher zu einem Neubau. Für Städte und Gemeinden sieht die Modernisierung leider oft so aus: Es wird ein neuer, größerer Einkaufsmarkt auf der grünen Wiese gebaut, einmal mehr Fläche versiegelt - und das alte Gebäude liegt entweder brach oder wird bestenfalls noch von einem Billig-Markt genutzt. Dass es auch ganz anders geht, zeigt sich jetzt in Lichtenfels.

Der Discounter Lidl hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 alle seine Immobilien klimaneutral zu betreiben, die Energieeffizienz der Filialen und Lager kontinuierlich zu steigern und beim Thema nachhaltiger Gebäudebetrieb als führend wahrgenommen zu werden. Der bestehende Markt in der Mainau soll durch einen Vorzeige-Neubau ersetzt werden. Dabei hatten allerdings auch die Verantwortlichen bei Lidl zunächst die einfachere und häufig praktizierte Lösung eines Baus an anderer Stelle im Sinn. Wie zu erfahren war, hat man sich seitens der Stadtverwaltung aber für einen anderen Weg stark gemacht. Bei den Verhandlungen im Bauamt sei "klare Kante" gegen einen Neubau auf der grünen Wiese gezeigt worden. Und dies mit Erfolg. Nun plant Lidl den Abriss des Marktes und Neubau am Standort. In der Zwischenzeit sollen die Kunden übergangsweise - etwa für ein Jahr - in einer angemieteten Immobilie bedient werden. Bei der Suche nach etwas Passendem sagte die Stadtverwaltung Unterstützung zu. Wegen der größeren Verkaufsfläche war eine Umwidmung im Bebauungsplan nötig, die der Stadtrat einstimmig vornahm.

Das Beispiel zeigt: Das Eintreten für das Stadtbild und die Umwelt lohnt sich. Unterm Strich seien es "sehr gute Gespräche" mit den Vertretern der Firma gewesen, betonte Stadtbaumeister Gerhard Pülz. In Lichtenfels entsteht nun einer der modernsten Märkte im weiten Umkreis, der die von der Stadt propagierten Kriterien der "grünen Hausnummer" erfüllt, unter anderem mit Nutzung der Abwärme der Kühlregale zum Heizen und Verzicht auf fossile Brennstoffe. Auf dem Dach ist eine Photovoltaik-Anlage und zusätzliche Begrünung vorgesehen, um nur einige weitere ökologische Aspekte zu nennen.

Wie Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) anmerkte, ist die Stadt auch darum bemüht, eine Verbesserung der Einfahrtssituation auf das Gelände zu erzielen. Dies jedoch werde von den Grundstückseigentümern abhängig sein.