Am Dienstag trat der Bau- und Umweltausschuss zusammen. Nicht im Sitzungssaal des Rathauses II, sondern der aktuellen Situation geschuldet im Stadtschloss. Doch selbst an den Sitzplätzen, die gut zwei Meter Abstand zueinander hatten, behielten die 14 abgeordneten Stadtratsmitglieder ihre Masken auf. Ein zügiges Arbeiten war dennoch möglich und der öffentliche Teil der Sitzung wurde binnen 80 Minuten absolviert.

Vor allem drei Tagesordnungspunkte unter den insgesamt 17 dürften für die Allgemeinheit von Interesse sein. So brachte die SPD-Stadtratsfraktion den Antrag ein, wonach die Nutzung von Obstbäumen im Stadtgebiet und insbesondere auf Flächen der Stadt eine Förderung erfahren sollte. Den Hintergrund dazu führte Elke Werner (SPD) aus. Eigentlich, so die Schneyerin, handele es sich um ein Projekt, welches schon 2019 hätte in Angriff genommen werden sollen. Es sei nämlich auffällig, dass unter städtischen Bäumen so viel Fallobst liege und dieses bedauerlicherweise ungenutzt verrotte. Doch nicht nur Bäume auf städtischem bzw. öffentlichem Grund würden nicht mehr abgepflückt, auch private Bäume würden von ihren Eigentümern nicht mehr abgeerntet "Warum das nicht zu Kindergärten geben, die mit Gartenbauvereinen Saft machen?", so die Stadträtin.

Diesen so nützlichen wie pädagogischen Ansatz unterstützte im Wesentlichen auch ihr Stadtratskollege Johannes Oppel (WLJ), obgleich er auf einen interessanten Umstand aufmerksam machte. Es gelte, den Fallstrick abzuklären, dass niemand daraus Alkohol brenne, da es hierfür eigene und scharfe Gesetzeslagen gebe. Laut Antrag der SPD ließe sich aus dem Gedanken der Obstbaumnutzung noch mehr erreichen, beispielsweise eine Entwicklung hin zu touristischem Hintergrund. So spricht der schriftliche Antrag diesbezüglich auch von "Ernte-Routen".

Doch während der SPD-Antrag damit schließt, dass dieses Projekt auf die Stadt keine finanziellen Auswirkungen haben sollte, führt die Stellungnahme der Verwaltung eine Kalkulation von 2000 Euro auf, die in Verwaltungskosten begründet lägen. Der Vorschlag der Verwaltung lautete daher darauf, die Nutzung der städtischen Obstbäume besser zu organisieren. Dem Beschlussvorschlag, zunächst einmal diesen Weg einzuschlagen, wurde der Vorzug gegeben.

Pro Baby ein Baum?

Grün sollte es thematisch bleiben, denn Bündnis 90/Die Grünen regten an, die Verwaltung damit zu beauftragen, "geeignete Flächen zur Verfügung zu stellen, auf denen für jedes Neugeborene, bei dem mindestens ein Elternteil seinen Erstwohnsitz in Lichtenfels hat, von der Stadt Lichtenfels ein Baum gepflanzt und unterhalten wird, sofern die Eltern (...) damit einverstanden sind". Hintergrund hierzu wiederum bildet die Vision 2030, jenes für Lichtenfels unter Bürgerbeteiligung erarbeitete Fernziel zur Steigerung der Lebensqualität. Diese Vision hält den Oberbegriff "Grüne Stadt" parat, und zu dieser Idee soll das Pflanzen von Bäumen im Stadtgebiet beitragen. Der Antrag, der von der Fraktionsvorsitzenden Susann Freiburg unterzeichnet ist, hebt dabei das Identitätsstiftende hervor. In der Kalkulation sei von einem jährlichen finanziellen Aufwand von 6000 Euro auszugehen. Eine Summe, die von Oppel infrage gestellt wurde. Außerdem wurde angemerkt, dass eben die Flächen und Standorte noch unklar seien. Für Bürgermeister Andreas Hügerich handelte es sich bei alledem um eine Idee, die "grundsätzlich begrüßenswert" sei. Ein Aber gebe es allerdings doch. Binnen zehn Jahren bis 2030 würden sich gemäß einer Hochrechnung 1700 Bäume bilanzieren. Gibt es dazu genügend städtische Fläche? Seitens der Verwaltung wurde ins Spiel gebracht, zwei Ideen so zu einem Konzept zu koppeln, dass sich die finanziellen Auswirkungen auf jährlich 10 000 Euro belaufen. Ein Betrag, der um 4000 Euro höher liegt als die Berechnung von Bündnis 90/Die Grünen. Doch wer trägt die 10 000 Euro? Eine Gebühr ist angedacht und Hintergrund dazu bildet auch eine Überlegung, Brautpaaren die Möglichkeit zu geben, auf einer "Hochzeitswiese" einen Baum zu pflanzen. Dies gehe auf einen alten Brauch zurück und habe Symbolcharakter. Verbände man die Konzepte Hochzeitswiese mit dem Entgegenkommen der Stadt an Eltern, die kein Grundstück besitzen, ihnen eine städtische Fläche zu stellen, so sei die Kalkulation wahrscheinlich. Dem Beschlussvorschlag, die Verwaltung zu beauftragen, geeignete Grundstücke zu finden, ein Konzept zu entwickeln und Angebote für geeignete Bäume einzuholen, folgten die Abgeordneten einstimmig.

Weniger floral als vielmehr urban verhielt es sich mit einer Bauvoranfrage. Es ging um den Umbau der städtischen Liegenschaft Marktplatz 10 zur Bücherei mit Touristinformation, Verwaltungsräumen und Makerspace. Doch was ist ein Makerspace? Der Begriff bedurfte einer Erklärung und die wurde geliefert. Einen solchen Space, Raum also, darf man sich wie eine öffentliche Werkstatt vorstellen; ein Ort für Workshops. Doch worum es eigentlich geht, ist die Anbindung des städtischen Gebäudes am Marktplatz 10 an das Stadtschloss. Nach Erklärungen von Andreas Hügerich verhält es sich mit Bauvorhaben so, dass nach einem Dreivierteljahr Planungszeit ein Vorentwurf da ist. Das bedeutet nicht, dass es nicht noch Bedenken geben könnte. Diese allerdings gelte es im Vorfeld des Baugenehmigungsverfahrens, welches dann im Frühjahr 2021 erfolgen soll, abzuklären. Vor allem Nachbarunterschriften sollen im Nachgang zur Sitzung eingeholt werden. Der erarbeitete Vorentwurf stimme immer noch mit der Vision 2030 hinsichtlich Revitalisierung von Branchen, Nachverdichtung, Innenentwicklung und Nutzung bestehender Bausubstanz überein. Bauplanungsrechtliche oder städtebauliche Bedenken bestünden nicht. Im März sei mit dem Bauantrag zu rechnen, bis dahin wird der Austausch mit Nachbarn stattgefunden haben.