Am Main entlang durch den Gottesgarten - für Radler ist der Landkreis Lichtenfels sehr attraktiv. Der Main-Radweg lockt viele Radtouristen in die Region und aufgrund der Streckenführung durch Lichtenfels auch in die Stadt. Doch da ist dann Vorsicht geboten: "Ich finde schon, dass es in Lichtenfels für Radfahrer manchmal problematisch ist", sagt Armin Lieb, Sprecher der Kreisgruppe Obermain des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC). Im Fokus liegen die meistbefahrenen Straßen.

Die Stadt Lichtenfels ist sich des Problems durchaus bewusst: "Wir haben mit dem Verkehrsentwicklungskonzept eine Bestandsaufnahme gemacht und gemerkt, dass die Situation auf jeden Fall verbesserungswürdig ist", sagt Sebastian Müller vom Bürgermeisteramt. "Nun sind wir dabei, das umzusetzen." Der Hauptpunkt sei dabei der Teil der Stadt, der offiziell als Route des Main-Radwegs ausgewiesen ist. "Es geht vor allem um die Achse von der Kronacher bis zur Bamberger Straße."

In der Kronacher Straße fehlt ein Radweg. "Und das ist eine große Straße mit viel Verkehr", sagt Müller. "Allerdings muss man auch bedenken, wie man noch die Parkplätze unter bekommt." Lösungen für Radler in der Stadt zu finden, die den rechtlichen und verkehrstechnischen Vorgaben entsprechen, sei immer mit Kompromissen verbunden. "Außer man macht die Straße komplett neu", sagt Müller.

"Nicht ganz optimal"

Ein Beispiel für eine Lösung voller Kompromisse ist der Radweg in der Bamberger Straße. Dort gibt es für die Radfahrer nur einen Radweg, der in beide Richtungen befahren und zudem auch von Fußgängern benutzt wird. "Das ist nicht ganz optimal", sagt Sebastian Müller, denn neben der Enge liegen am Radweg viele Aus- und Einfahrten, und auch für die Autofahrer ist die Situation schwierig, wenn sie aus einer Seitenstraße auf die Bamberger Straße stoßen: "Die Autofahrer müssen auf die roten Radweg-Streifen fahren, um die Straße einsehen zu können", sagt Armin Lieb, der sich schon länger für eine andere Lösung in der Bamberger Straße einsetzt. "Es ist so, dass viele stadtauswärts auf dem Gehsteig auf der anderen Seite fahren, weil sie sich dort sicherer fühlen. Man sucht eben instinktiv die sichere Lösung", sagt Lieb.

"Es kommt oft der Wunsch, dass auch ein Radweg auf der anderen Seite entsteht", bestätigt Sebastian Müller. "Aber damals hat man gesagt: Zwei Radwege kriegt man hier nicht unter." Man sei aber immer auf der Suche nach neuen Lösungen und Ideen, zudem habe sich die rechtliche Lage häufiger ändert. "Wir haben noch Lücken und sind dabei, diese zu schließen", sagt Müller. "Denn wir wissen: Der Bedarf ist da." Zuletzt wurde beispielsweise im Umland der Stadt der Radweg zwischen Burkheim und Isling neu angelegt. Der Lückenschluss zwischen Roth und Klosterlangheim sei aktuell ein Thema: "Da befinden wir uns in Gesprächen mit dem Staatlichen Bauamt und dem Landkreis."

Nicht nur für Radler

Stichwort Landkreis: "Viele Dinge sind schon gut", sagt Armin Lieb vom ADFC. Zum Beispiel die Beschilderung: "Die ist eine große Hilfe für Radler ohne GPS." Es sei aber auch Verbesserungspotenzial da: "In Staffelstein ist die Situation auch sehr schlecht, weil alles so schmal ist in der Innenstadt", sagt Lieb, und auch der ausgewiesene Radweg von Ebensfeld nach Kutzenberg entspreche nicht mehr den Standards. "Wenn ein Radweg in beide Richtungen befahren wird, muss er 2,50 bis 3 Meter breit sein."

Im Kreis sind in erster Linie die Kommunen für die Radwege verantwortlich. Außer, wenn eine Kreisstraße betroffen ist. "Da, wo es notwendig ist und es uns sinnvoll erscheint, machen wir Radwege hin", sagt Andreas Grosch, Pressesprecher des Landkreises Lichtenfels, zur Vorgehensweise des Kreises. "Wenn an Verbindungsstraßen von Ortsteilen oder Ortschaften gebaut wird, kommt immer auch ein Radweg mit hin. Da steht der Kreistag auch dahinter." Das sei nicht nur für die Radler von Vorteil, "sondern auch für Familien mit Kinderwagen, die sonst auf der Straße laufen müssten."

So habe sich das Netz in den vergangenen Jahren stetig verbessert. "Es gibt einige Stellen, wo man noch optimieren kann und sollte. Aber wir haben das schon vor Jahren mit einem Konzept auf den Weg gebracht und setzten das schon über die vergangenen zehn bis zwölf Jahre hinweg um."