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Lichtenfels
Verhandlung

"Lauter Geschlechtsverkehr" als Ausrede nützte dem angeklagten Burgkunstadter nichts

Ein 37-jähriger Burgkunstadter wurde vom Amtsgericht Lichtenfels zu einer Geldstrafe verurteilt, unter anderem weil er seine Freundin vermöbelt hatte.
 
Richterin Daniela Jensch ging davon aus, dass es zu einer vorsätzlichen Körperverletzung durch den angeklagten Burgkunstadter gekommen war. Symbolfoto: Maurizio Gambarini/dpa
Richterin Daniela Jensch ging davon aus, dass es zu einer vorsätzlichen Körperverletzung durch den angeklagten Burgkunstadter gekommen war. Symbolfoto: Maurizio Gambarini/dpa

"Es war lauter - ich hab' eine impulsive Freundin", erklärte der 37-jährige Burgkunstadter gegenüber dem Gericht. Das hatte am Dienstag zu klären, ob die Impulsivität seiner Freundin von seinem Sex oder von seinen Schlägen herrührte. Es ging im Saal 14 des Amtsgerichts Lichtenfels um vorsätzliche Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

Der 6. September 2019 dürfte einigen Verfahrensbeteiligten noch lange in Erinnerung bleiben. Damals kam eine Nachbarin gegen 22 Uhr an der Wohnungstür des Angeklagten vorüber und hörte klatschende Geräusche sowie eine Frauenstimme, die um Verschonung rief.

Polizei fand Blutspuren auf einer Matratze in der Wohnung des Angeklagten

"Es gab Randale in der Wohnung, Schreierei. Und es hat Schläge getan. Ich habe körperliche Gewalt geschlussfolgert. Was anderes kam für mich gar nicht infrage", erklärte die 45-jährige Zeugin während ihrer Anhörung durch Richterin Daniela Jensch und Staatsanwalt Mario Geyer.

Jedenfalls verständigte die Frau damals die Polizei, und als die kam, war es in der Wohnung still. Die Beamten klopften, klingelten, klopften und klingelten und riefen - zehn Minuten lang und ohne Erfolg. Dann verschafften sich die Polizisten Zugang zur Wohnung. Sie stießen auf Blutspuren und in einem Kinderzimmer auch auf den 37-Jährigen, der mehr oder weniger umstandslos gegen die Beamten vorgegangen ist. Aus alledem sollte die Anklage resultieren.

"Es gibt schon an Klatsch auf den Arsch - wir sind da nicht so zimperlich", erklärte der durch Rechtsanwalt Peter Christ vertretene Angeklagte zum Umstand, wonach es klatschende Geräusche gab und seine Freundin geschrien haben soll. "Du schlägst deine Kinder" sei laut der Nachbarin ebenso zu vernehmen gewesen wie "Ich sage deiner Frau, dass du deine Kinder schlägst".

37-Jähriger vor Gericht: Hat er seine Freundin geschlagen?

Was das Blut anbelangte, so war einiges davon auf einer Matratze im Wohnzimmer vorgefunden worden. "Wir hatten etwas lauter Geschlechtsverkehr. Dann sind wir ins Kinderzimmer, weil die Matratze durch die Regelblutung dermaßen eingesaut war, dass wir woanders schlafen wollten", erklärte der Angeklagte zu all diesen Umständen. Die Polizei hätte ihn und seine Freundin, so der Mann weiter, regelrecht aus dem Schlaf gerissen, als sie plötzlich im Zimmer stand.

Das allerdings lief der Aussage zweier Polizisten zuwider, die davon sprachen, dass sie, bevor sie sich dazu entschlossen, sich Zugang zur Wohnung zu verschaffen, Getrappel hinter der Tür wahrgenommen hätten. Auch die 45-jährige Nachbarin sollte im Verlauf der Verhandlung danach befragt werden, ob und wie vorbildlich sich die Polizei präsentiert habe.

"Die Beamten haben sich absolut souverän und korrekt verhalten (...) und gaben ihnen ja Mega-Chancen, jetzt endlich die Tür aufzumachen", sagte die Gefragte. Zehn Minuten lang, so die Frau, habe das Klingeln und Anklopfen gedauert.

Eine Nachbarin rief die Polizei, weil sie eine Frauenstimme hörte, die um Verschonung rief

Doch war es wirklich Gewalt oder einfach nur lauter Sex, den sie wahrnahm? Hierzu erkundigte sich Jensch noch einmal mit Nachdruck. "Also ich bild' mir ein, dass ich von Sex a weng a Ahnung hab - aber das war für mich keiner, nicht einmal in der Hardcore-Phase." Es habe immer Klatschgeräusche gegeben, und sie habe gehört, so die Frau weiter, wie die Freundin des Mannes "eher darum gebettelt hat, dass er aufhört".

Als der 37-Jährige damals die Polizei anging, sie zu schubsen und aus der Wohnung zu schieben begann, wurde ihm das erst untersagt und dann kam es zur Fesselung. Doch im Polizeiauto, so die Anklageschrift, habe sich der Mann auch unflätig benommen. So legte er, was er selbst zugab, seine Füße auf die Rückenlehne der Beifahrerin, machte sich steif und widerständig. Dass es bald Fußfesseln und Handschellen für ihn gab, darüber beschwerte sich der Angeklagte. Vor allem auch darüber, dass er in den Schwitzkasten genommen wurde. In seiner Zeugenaussage erklärte der Beamte allerdings die Notwendigkeit dieses Vorgehens.

Doch am meisten durfte man auf die Aussage der Freundin gespannt sein. Würde sie ihren Freund be- oder entlasten? Die Frau schien es nicht leicht zu haben. Immer wieder wirkte es, als ob sie Blickkontakt zu dem Angeklagten suchte, immer wieder schien der aber ins Leere oder in die Weite zu schauen, so wie er es während der Verhandlung überhaupt zu tun schien.

Über den Beziehungsstatus zu dem 37-Jährigen ist seine Freundin nicht im Klaren

Über ihren Beziehungsstatus war sich die Frau auch nicht im Klaren. Ist man jetzt noch zusammen oder nicht? Jedenfalls, so die 43-Jährige, hätten die Nachbarn wegen eines gleichen Vorfalls schon mal geklingelt, und sie könne "vergewissern, dass er nichts gemacht hat, was ich nicht wollte".

"Haben Sie mal laut gerufen: Bitte schlag mich nicht?", fragte Richterin Jensch die Frau. Ihre Antwort lautete: "Nein."

Das alles konnte aber die Zweifel von Staatsanwalt Geyer nicht zerstreuen. Er ging in seinem Plädoyer davon aus, dass alle Punkte der Anklage erwiesen seien. Im Hinblick auf das Bundeszentralregister, in dem vermerkt ist, dass der Angeklagte vor vielen Jahren schon mal wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Bedrohung oder auch Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte belangt wurde, hielt er eine Geldstrafe in Höhe von 6300 Euro für angemessen. Rechtsanwalt Peter Christ hingegen forderte einen Freispruch. Die Polizei habe in der Wohnung des Mannes nichts zu suchen gehabt.

Der Angeklagte muss 4200 Euro Strafe zahlen

In seinem Schlusswort äußerte der Angeklagte kein Bedauern für irgendwas. Er hielt fest, dass seine Nachbarin die Polizei für ihre Zwecke missbraucht habe, nach dem Motto: "Jetzt wischen wir ihm eins aus."

Dann erfolgte nach wenigen Minuten das Urteil, und es sollte ein Schuldspruch werden. Richterin Jensch ging davon aus, dass es zu einer vorsätzlichen Körperverletzung gekommen war. Der Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte war ohnehin erwiesen. Das Urteil sollte auf 4200 Euro Geldstrafe lauten.

Zu den zehn Minuten, in denen der 37-Jährige nicht auf Klopfen und Klingeln reagierte, äußerte die Richterin auch eine Vermutung: "Vielleicht hat man sich eine Verteidigungsstrategie zurechtgelegt, wenn die Polizei reinkommt."