Es ist eine Stellungnahme, die im Landkreis Lichtenfels nicht gut ankommt. Der Präsident des Bayerischen Gemeindetages, Uwe Brandl, äußerte sich am Donnerstag kritisch gegenüber dem Gesetzentwurf der Staatsregierung für Kinderfeuerwehren. "Bei allem Verständnis für die Personalsituation in vielen bayerischen Feuerwehren - aber muss das wirklich sein?" Dabei sollte dieser Gesetzesentwurf die Kinder von klein auf an die Feuerwehren binden und so den Nachwuchs sichern.

Doch Uwe Brandl bezweifelt, dass die Kinder in so jungen Jahren an die Feuerwehr gebunden werden - er befürchtet sogar, dass viele Jugendliche schnell wieder aufhören, weil sie erst ab dem 18. Lebensjahr aktiv Dienst leisten dürfen.


Der Kreisbrandrat ist verärgert

"Diese Aussage zeugt von wenig Verständnis und davon, dass sich zu wenig informiert wurde", beurteilt Kreisbrandrat Timm Vogler den Kommentar des Präsidenten. "Ich weiß nicht, was ihn geritten hat, so etwas zu sagen. Er hat sich in keiner Weise an der Basis schlau gemacht und auch keine Fachinformationen eingeholt", schätzt Vogler die Situation ein. Denn die Zahlen sprechen für die Kinderfeuerwehren, die im Landkreis Lichtenfels ein Erfolgsmodell darstellen.

Im Landkreis Lichtenfels sind etwa 160 Kinder in den 16 Kinderfeuerwehren aktiv. "Sie sind die Zukunft der Kommunen, weil die für eine Garantie des Brandschutzes verantwortlich sind, nicht die Feuerwehren." Die Kritik, die Kinder verlören schnell das Interesse, verneint Vogler.

"Es ist nicht unser Ziel mit den Sechs- bis Zwölfjährigen feuerwehrspezifische Themen zu erarbeiten. Das geschieht erst im Laufe der Jahre." Vorher solle zunächst in den Gruppen ein gemeinschaftliches Gefühl gefördert werden - durch gemeinsame Aktivitäten wie Spielabende.


Erst mit zwölf Jahren Einführung

Fachspezifische Themen werden nebenbei aufgegriffen, stehen aber nicht im Vordergrund der Kinderfeuerwehren. Erst mit zwölf Jahren werden die Jugendlichen immer mehr an die Thematik herangeführt. Sie lernen jetzt beispielsweise, wie sie den Schlauch richtig ausrollen. Mit 16 Jahren dürften die Jugendlichen bereits zu Einsätzen mitfahren - und außerhalb des Gefahrenbereiches helfen.

Timm Vogler ist überzeugt, dass es besser ist, wenn das Interesse der Kinder für die Arbeit der Feuerwehren früh geweckt wird. "Viele Organisationen buhlen um das Interesse der Kinder - Sportvereine, Musikvereine, soziale Einrichtungen. Mit zwölf Jahren sind die Jugendlichen bereits in anderen Vereinen tätig und haben keine Zeit mehr, um sich ehrenamtlich bei der Feuerwehr zu engagieren."


Weniger Arbeit für die Kommunen

Mit dem Angebot nehmen die Feuerwehren den Kommunen eine Menge Arbeit ab. "Sie müssen sich nicht mehr um den Nachwuchs kümmern." Für Timm Vogler ist es ein großer Erfolg, wenn von den 160 Jugendlichen 20 Prozent bei der Feuerwehr bleiben. "So können wir 30 zukunftsfähige Feuerwehrfrauen und -männer gewinnen. Die Mehrbelastung nehmen wir dafür gerne in Kauf", sagt der Kreisbrandrat.

Auch die Kritik von Uwe Brandl, die Gerätehäuser müssten kindgerechter werden, stößt bei Vogler auf Unverständnis. "Darauf sind wir vor zwei Jahren schon gekommen. Aber baurechtlich ist es wie mit jedem öffentlichen Gebäude auch. Dann dürfte auch kein Kind in ein Rathaus gehen." Außerdem werden bei regelmäßigen Begehungen immer wieder die Sicherheit überprüft und Mängel behoben.