15 Kinder hängen an den Lippen von Stefan Breitenthaler, der ihnen erklärt, wie man die Kanten an den "Ohren" des "Kolibri" so abschrägt, dass das Freiflugmodell hinterher perfekt und stabil fliegt. Im Rahmen des Ferienprogramms hatte die Modellfluggruppe Michelau zu einem Modellbau- und Modellflugwochenende eingeladen. "Jetzt geht's ans Eingemachte! Aufgepasst, größte Sorgfalt und Genauigkeit sind unerlässlich", sagt Stefan Breitenthaler. Aber er kann sich der Aufmerksamkeit der Kinder sicher sein.

Nicht nur für Männer

Fliegen ist längst keine reine Männerdomäne mehr und so fiel unter den eifrigen Bastlern Franziska als einziges Mädchen auf, das mit großer Hingabe leimte und schmirgelte.
"Mich interessieren halt Flugzeuge und da hab' ich mir gedacht, mach' ich halt mal mit", erklärt die junge Dame, die schon viele Bücher über Flugzeuge besitzt und sich als späteren Berufswunsch Flugzeugmechatronikerin oder etwas Ähnliches vorstellen kann. Deshalb hat sie an der Realschule auch den Zweig gewählt, in dem Werken unterrichtet wird.

Unterstützt wurde das Modellflugwochenende vom Kreisjugendring und dem DMV (Deutscher Modellfliegerverband). Die Modellfluggruppe Michelau hatte zahlreiche Mitglieder aufgeboten. Stefan Breitenthalter, Gerhard Pohl, Bernd Lauer, Erwin Stermann, Dirk Herbst und auch der Vereinsvorsitzende Gerhard Naumann unterstützen Jugendliche beim Zusammenbau ihres Flugmodells.

Viel bestaunter Quadrocopter

Hinzu kamen weitere Piloten des Vereins mit ihren unterschiedlichen Flugmodellen vom Elektrosegler über den Doppeldecker mit Kunstflugeigenschaften bis hin zum viel bestaunten Quadrocopter mit eingebauter Kamera, der für Suchflüge über den angrenzenden Maisfeldern gebraucht wurde.

Doch zunächst standen eine Einführung in die Theorie und der Bau eines einfachen Flugmodells auf dem Programm. Jeder der angehenden Aeronauten hatte dazu einen Baukasten mit den vorgefertigten Teilen des Gleitfliegers "Kolibri" erhalten. Unter der Anleitung der "Modellbauprofis" wurde munter losgebaut und zusammengeklebt, bis aus den Balsaholzteilen die Tragflächen, der Rumpf und das Leitwerk entstanden waren.

Über dem Maisfeld ...

Natürlich brannte jeder darauf, den Eigenbau zu testen. Doch die Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt, denn zunächst mussten die Modelle zumindest einigermaßen ausgehärtet sein. Dann gab es kein Halten mehr. Die Modelle wurden eingeflogen, und die Profis des Vereins nahmen das letzte Feintuning vor; denn ein kleiner Freiflugwettbewerb stand am Sonntag auf dem Programm.

Endlich erlaubten die Witterungsverhältnisse die Starts, nach denen es darauf ankam, wie lange das eigene Modell in der Luft blieb. Rekordzeiten von über 38 Sekunden wurden dabei erreicht. Doch leider verabschiedeten sich auch zwei Modelle ins angrenzende Maisfeld, von denen wenigstens eines vom Quadrocopter wieder gefunden wurde.

Dann ging es in den Wettbewerb

Insgesamt wurden so drei Durchgänge geflogen, wobei ein Durchgang als Streichwertung gesehen wurde. Bester mit einer Zeit von 51,76 Sekunden war Tobias Franke vor Marcel Gäbelein (34,43) und Tobias Horn (32,76). Philip Horn und René Häußinger landeten auf dem vierten und fünften Platz.

Die Siegerehrung nahm der Vorsitzende des Vereins, Gerhard Naumann, vor. Glänzende Augen gab es beim Sieger Tobias Franke. Er hatte ein Elektrosegelflugzeug mit Motor mit Regler und allen Antriebstechniken im Wert von über 150 Euro gewonnen. Doch auch die übrigen Teilnehmer gingen nicht leer aus. Lob gab es vom Veranstalter für die Disziplin der Kinder. "Ich denke, wir haben ein paar Jugendliche für den Modellflug begeistern können", fasste Gerhard Pohl, der stellvertretende Vereinsvorsitzende, den Kinderlehrgang zusammen.