Über Jahrzehnte war Burgkunstadt ein Zentrum der deutschen Schuhindustrie. Markennamen wie "Globetrotter" oder "Obermain Schuhe" waren weit über die Grenzen der Kleinstadt hinaus bekannt. Heute ist von dem einst so prägenden Industriezweig vor Ort nicht mehr viel übrig. Einzig die ortsansässige Versandhandelsfirma "Baur", deren Ursprung eng mit der Schuhproduktion verknüpft sind, erinnert an das Erbe.

Seit Kurzem ist die Ortschaft am Obermain aber wieder eine "Schuhstadt". Zumindest entsteht der Eindruck, wenn der aufmerksame Besucher durchs Zentrum spaziert: In vielen Schaufenstern sind Schuhe ausgestellt – allerdings nicht zum Verkauf: "Wir haben im Deutschen Schustermuseum mehr Exponate, als man zeigen kann", erklärt Sebastian Callens, der Vorsitzende vom Förderverein des Museums. Deshalb dienen nun leerstehende Schaufenster im Stadtkern als ausgelagerte "Museumsvitrinen".

Dabei geht es aber nur vordergründig um Schuhe: Die Ausstellung entstand in Folge des 2016 im Stadtrat beschlossenen Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK). Als Teil davon koordinieren die Architekten und Stadtplaner der Arbeitsgemeinschaft Stadtumbaumanagement (Obrusnik/Ullrich aus Bamberg) Projekte für das Förderprogramm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren”. Die Schwerpunkte hierbei sind unter anderem die Aufwertung der Altstadt und das Leerstands-Management – und genau da setzt die laufende Aktion an. "Wir wollen, dass die Leerstände in der Stadt wahrgenommen werden", erklärt Rebecca Haas vom Büro Obrusnik einen der Ansätze und fügt hinzu: "Gleichzeitig möchten wir die Innenstadt beleben und zudem das Schustermuseum bekannter machen. Viele junge Leute wissen nicht, dass Burgkunstadt mal ein großer Standort der Schuhproduktion war."

Das Ausstellungskonzept

Jedes der elf Schaufenster hat die Herstellung von Schuhen in einem bestimmten Jahrzehnt zum Thema, erklärt Sebastian Callens. Angereichert mit zeitgeschichtlichen Erläuterungen und Bildern zur zeitgenössischen Schuhmode entsteht so eine kleine Reise durch die Schuhgeschichte der Stadt – und durch die Altstadt: Die einzelnen Stationen führen nämlich vom Startpunkt gegenüber der Bäckerei Willascheck bis hoch zum Marktplatz vor das Deutsche Schustermuseum.

Dort kann der Besucher noch tiefer in die Welt der Schuhproduktion eintauchen. Wenn wieder Führungen möglich sind, erfährt er in den Ausstellungsräumen beispielsweise, wie es dazu kam, dass ein paar Schuhe der Firma Püls im Eiltempo für den späteren amerikanischen Präsidenten Johnson gefertigt werden mussten, als dieser auf Staatsbesuch in Deutschland war. Darüber hinaus gibt es vor Ort viele Informationen zu den Anfängen der industriellen Schuhproduktion.

Exponate als Sichtschutz

Wie lange die Burgkunstadter Innenstadt im "Zeichen der Schuhe" stehen wird, ist aktuell noch nicht ganz klar: "Die Aktion ist für ein halbes Jahr geplant. Wenn es sehr gut ankommt und die Eigentümer zustimmen, lassen wir die Ausstellung eventuell länger laufen", sagt Haas. Davon hätten dann nicht nur die Betrachter etwas: "Im Gebäudeinneren hinter einem der Schaufenster hat ein Start-Up seinen Sitz. Denen dienen die Ausstellungsstücke auch als Sichtschutz", sagt Sebastian Callens.

Die meisten ins Projekt eingebundenen Objekte stehen jedoch leer – zumindest noch. Das Langfristige Ziel der Initiatoren sei nämlich eine "Revitalisierung von ungenutzten Geschäfts- und Wohnflächen."

Die aktuell laufende Aktion sei also nur ein Startschuss. So seien bereits einige weitere Projekte geplant, welche die Identifikation der Bewohner mit ihrer Stadt stärken sollen, berichtet Callens. Es sei nämlich wichtig, erklärt er, die Bürger in die Arbeit des Städteumbaumanagements einzubinden. So gebe es beispielsweise Überlegungen, in Zukunft auch lokale Schulprojekte in den Schaufenstern auszustellen, berichtet Rebecca Haas.