Als Michael Pabst im Oktober 2005 das Striwa-Gebäude mit einem Geschäftspartner ersteigerte, kannte er es nur von außen, und es hatte bereits fünf Jahre leergestanden. Der Lichtenfelser Geschäftsmann war aber gut informiert über die besondere Bausubstanz und den namhaften Architekten Erich Mayer. Die Betonskelettbauweise erlaubt eine wunschgemäße Gestaltung der Raumzuschnitte, ohne Rücksicht auf tragende Wände nehmen zu müssen. Es gibt mehrere Aufzüge und viel Platz. Gerade die sechs Stockwerke und beträchtliche Fläche bewogen aber manch einen eher zu der kritischen Einschätzung im Hinblick auf das, was der neue Eigentümer sich da aufgehalst hatte: "Der spinnt!" Heute muss Michael Pabst ein wenig schmunzeln, wenn er davon erzählt. Und er freut sich, dass er in diesen Tagen "volles Haus" vermelden kann. Das Blaue Kreuz (Diakoniewerk) hat die letzten freien Büroräume angemietet, um von dem Hochhaus aus bald ambulante Hilfen für Suchtmittelabhängige anbieten zu können, die intensivere Begleitung benötigen. Dass das Jobcenter als erster Mieter sich im selben Haus befindet, ermöglicht für manche Gespräche kurze Wege. Neben der Arbeitsagentur zählt die Heino Müller& Pabst-Besitzgesellschaft heute rund zehn Mieter. So gesehen ist Michael Pabst in Personalunion Vermieter und auch Mieter. Denn die Nova-GmbH, an deren Spitze er und als Geschäftsführerin seine Frau Hanna stehen, hat ihren Sitz seit 2006 im ehemaligen Fertigungsgebäude der Striwa-Bekleidungswerke. Zuvor war die überschaubare Mannschaft nebenan im dritten Stock des ehemaligen Modehauses Wagner eingemietet. Die Firma richtet Multimedia- und Sprachlabore, Hör- und Konferenzsäle ein. Obwohl es sie schon lange in Lichtenfels gibt, ist sie vielen Einheimischen nicht sehr geläufig. Das ist wohl damit zu erklären, dass ihr Exportanteil bei über 90 Prozent liegt - und vor Ort nicht viel Wirbel um die Geschäftstätigkeit gemacht wurde. Diplom-Ingenieur Michael Pabst, gelernter Nachrichtentechniker, ist ein Chef von der zupackenden Sorte. Mit 72 Jahren ist es für ihn selbstverständlich, bei kurzfristiger Anforderung ins Flugzeug zu steigen, um beim Kunden ein Projekt zu dessen Zufriedenheit zu Ende zu bringen. Ein wichtiger Markt wurde für das Unternehmen Algerien, weil dort sehr stark in Bildung investiert wurde. Dass die Nova-GmbH für erdbebensichere Regale im Lesesaal der Bibliothek in Tlemcen oder den Konferenzraum der algerischen Luftwaffe verantwortlich zeichnete, wissen an ihrem Geschäftssitz wohl nur wenige.


Auf Maßlösungen spezialisiert

Um passgenaue Lösungen anzubieten, arbeitete die Firma viele Jahre mit dem Würzburger Spezialmöbelhersteller Munz4M zusammen, bei dem Michael Pabst inzwischen Geschäftsführer geworden ist. "Eigentlich sind wir ein Ingenieurbüro mit angeschlossener Realisierungsabteilung", fasst er zusammen. Sonderlösungen, auch für die Ausstattung von medizinischen Behandlungsbereichen, werden den Anforderungen entsprechend umgesetzt. Pabst setzt dabei auf ein tüchtiges Team, insgesamt nur 20 Personen. Jüngere Unterstützung wäre ihm recht, doch die ist für das technische Aufgabenfeld mit Auslandseinsätzen nicht so leicht zu finden. Obwohl Pabst gut vernetzt ist. Für die unternehmerische Leistung und dafür, dass er geholfen hat, in Lichtenfels einen großen Leerstand zu vermeiden, zollten ihm am Donnerstag bei einem kurzen Besuchstermin stellvertretender Landrat Helmut Fischer und Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU) Respekt.