Das FADZ ist noch nicht in aller Munde, vielleicht weil sein ausgeschriebener Name so lang ist: Forschungs- und Anwendungszentrum für digitale Zukunftstechnologien. Vielleicht, weil die Vorstellungen davon bei vielen noch nicht konkret sind. Bei Frank Herzog hingegen schon. Der versteht sich nämlich als Botschafter für diesen Themenbereich und stand uns für ein Interview zur Verfügung.

Herr Herzog, es fällt immer noch etwas schwer, Sie vorzustellen, ohne das Wort "ehemalig" in Bezug auf Concept Laser zu verwenden. Wie würden Sie sich selbst heute vorstellen?

Frank Herzog: Wenn mich jemand überhaupt nicht kennt, würde ich sagen, ich bin der Frank Carsten Herzog, das ist mein vollständiger Name. Dann würde ich sagen, ich bin der Gründer von Concept Laser, das ist ein Pioneer in der Additiven Fertigung, und ich bin auch Gesellschafter des Unternehmens.

Sie verstehen sich als Botschafter für digitale Zukunftstechnologien, engagieren sich für das FADZ und werden als Vorsitzender des Fördervereins gehandelt, der am 18. November gegründet werden soll.

Wenn ich etwas bewirken kann, das Zugpferd sein kann, dann mache ich das gerne.

Zur Kick-Off-Veranstaltung im September in Lichtenfels sind um die 170 Leute gekommen, überwiegend Unternehmer mit persönlicher Einladung.

Wir haben zwei Monate gezielt telefoniert und waren über diesen Zuspruch natürlich glücklich.

Jetzt richtet sich die Einladung ausdrücklich an alle Lichtenfelser Bürger.

Wir wollen den Verein breit aufstellen. Jeder ist willkommen, um mitzumachen, nicht nur Unternehmer.

Welche Aspekte sind Ihnen am FADZ besonders wichtig?

Bildung und Ausbildung. Wir wollen schon die Kleinsten begeistern für Zukunftstechnologien, Schülern jeglicher Altersklassen ein pädagogisches Unterrichtsprogramm bieten, um damit eine Offenheit für diese Themen erreichen und für Berufsrichtungen interessieren, wo wir einen Mangel an Fachkräften haben. Ein erster Schritt wurde mit der Zusammenarbeit mit dem Gymnasium bereits gemacht. Wir schaffen im FADZ Möglichkeiten, die wichtig und interessant sind für kleine und mittelständische Betriebe. Wir wollen aufklären über gesellschaftsrelevante Themen wie 5G, Big Data oder Cloud Computing, wo es Ängste und Vorbehalte gibt, weil man nicht weiß, was das ist und was damit gemacht wird. Wir wollen die Diskussionen nicht den Rändern überlassen, die einfache Antworten finden. Zentraler Bestandteil des FADZ ist die Hochschule Coburg. Wir wollen auf mittlere Sicht einen Masterstudiengang Additive Fertigung und Leichtbau mit 120 Studierenden in Lichtenfels etablieren.

Sie haben jetzt ein eigenes Büro gegründet. Wie kam's dazu?

Einmal Unternehmer, immer Unternehmer. Ich bin 48, das ist zu jung, um nichts zu machen (lacht). Es macht keinen Sinn, sich operativ aus der Geschäftsführung herauszuziehen und weiterhin in dem Unternehmen ein Büro zu haben. Die Mitarbeiter gehen dann trotzdem weiterhin zum Chef und zur Chefin. Da muss man einfach konsequent sein. Für die neue Situation haben wir eine neue Umgebung gebraucht. Wir engagieren uns weiter für Lichtenfels und die Region.

Wie darf man sich Ihren Alltag heute vorstellen? Stehen Sie um 7 Uhr auf...?

Ich stehe oft schon um 5 auf und fange dann fleißig an zu tippen. Der Kalender ist relativ bunt. Es gibt Firmenbesuche, wo ich berate, ich habe einige Jobs - bei Fraunhofer im Kuratorium, als Hochschulrat in Coburg, im Expertengremium Bayern Digital. Ich bin viel unterwegs.

Was wird man einmal in der Kirschbaummühle erleben können?

Ich stelle es mir persönlich so vor, dass das ein ganz toll restauriertes Gebäude ist, stadtprägend im Inneren wie im Äußeren. Wenn man reingeht, wird man Historie erleben: Wie hat 3D-Druck in Lichtenfels begonnen, wo hat er sich hin entwickelt? Dann werden wir eine Prozesskette 3D-Druck haben, einen Metall-3D-Drucker, Schulungsräume, ein Labor. Ich sehe junge Leute, die in der Ausbildung sind, die nicht nur ein Bauteil herstellen, sondern vielleicht so eine Maschine zerlegen und in Erfahrung bringen, wie ein Scanner funktioniert. Ich sehe Seminarräume, wo Menschen sich weiterbilden und über moderne Zukunftsthemen informieren können, wo es tolle Fachvorträge und Veranstaltungen gibt.

Wird dann jeder dort reinspazieren können?

Ein Baustein wird eine Art Repair-Café sein. Man muss sich das so vorstellen: Sie haben irgendein Bauteil aus Kunststoff oder Metall, das kaputtgegangen ist. Das könnte man da drin scannen, nachbilden und mit nach Hause nehmen. Das soll eine kleine Tüftlerwerkstatt sein, in die auch der Opa oder die Oma mit dem Enkel am Samstag gehen kann.

Folglich wird es Fachpersonal geben müssen, das die Öffnungszeiten abdeckt.

Das ist ganz wichtig. Die Führung des FADZ muss sehr professionell sein. Wir brauchen da eine Struktur, mit der wir die Dinge nach vorne bringen. Das geht nur, wenn ich begeisterte Leute habe, die sich wirklich mit dem Thema identifizieren und nicht nur Dienst nach Vorschrift machen.

Über den Förderverein

Die Versammlung zur Gründung ist am Montag, 18. November, ab 18 Uhr, im Stadtschloss Lichtenfels Es wird um Anmeldung per E-Mail unter info@fadz-lichtenfels gebeten. Der Lichtenfelser Stadtrat hat bereits den Beitritt der Stadt zum Förderverein beschlossen. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 100 Euro im Jahr. Der Beitrag für Unternehmen ist deutlich höher, je nach Größe. Privatleute werden um 60 Euro gebeten. Stadt und Landkreis Lichtenfels wollen als Träger den Betrieb gemeinsam übernehmen. Gespräche über die Rechtsform laufen.

Förderinitiative "Innen statt außen"

Weiterer Flächenversiegelung will der Freistaat Bayern mit der Förderinitiative "Innen statt außen" etwas entgegensetzen. Für Umbau und Nutzung innerstädtischer Gebäude erhalten Kommunen bis zu 80 % der Kosten. Damit werden Vorhaben wie die Sanierung der Kirschbaummühle erst möglich. Rund 6,5 Mio. Euro sind dafür angesetzt. "Wir machen das nicht um der Förderung willen", betonte Bürgermeister Hügerich (SPD), "aber ohne könnten wir das nie schultern."