Etwas Besonderes haben sich die Mitglieder des Rotary-Clubs Obermain für die Adventszeit ausgedacht: Ihre Weihnachtsaktion "Baum der Hoffnung" steht heuer ganz im Zeichen der Hilfe für die Betroffenen der Pandemie: Sie möchten zum einen Künstlern finanziell unter die Arme greifen, die in diesem Jahr kaum auftreten konnten; zum anderen haben sie die Bewohner der Seniorenwohnheime im Blick, die wegen der Corona-Einschränkungen kaum Ablenkung haben und weniger Besuch bekommen als normalerweise. Die Rotarier werden deshalb die Erlöse ihrer Weihnachtsaktion den Künstlern des Fränkischen Theatersommers zukommen lassen, die im Gegenzug in einigen Seniorenwohnheimen auftreten.

Der geschmückte Baum der Hoffnung wird in diesem Jahr Im E-Center Lichtenfels aufgestellt, kündigt Rotary-Präsident Ludwig Weiß an. Hierzu habe er bereits das Okay von Marktleiter Christian Werner erhalten.

Die Einnahmen dieses Jahres, fährt Weiß fort, sollen freischaffenden Künstlern der Region zugute kommen, die besonders schwer von Einnahmeausfällen betroffen sind. Diese Künstler sollen im kommenden Frühjahr in mehreren Seniorenheimen auftreten und deren Bewohnern eine Freude bereiten.

Spender werden angeschrieben

Der Verkauf von Christbaumkugeln wie in den Vorjahren sei heuer wegen der Corona-Kontaktbeschränkungen nicht möglich, ergänzt Weiß. Deshalb habe der Rotary-Club ein Spendenkonto (siehe Box) eingerichtet und schreibe potenzielle Spender persönlich an. So hoffen die Rotarier, in diesem Jahr an das Ergebnis des vergangenen Jahrs von rund 10 000 Euro anknüpfen zu können. Weiß: "Es ist ein Fiasko, dass die Menschen in den Seniorenheimen nicht besucht werden können. Unsere Aktion ist also eine Win-Win-Situation für Senioren und Künstler."

Bei einem Treffen in Kloster Banz koordinierten Ludwig Weiß, Bertram Steiner und Michael Möslein die Aktion mit dem Intendanten des Fränkischen Theatersommers, Jan Burdinski. Der ist höchst erfreut über diese Aktion, weil die Rotarier damit zeigten, dass sie ein Herz für vereinsamte Menschen haben und zugleich die kritische Situation der Künstler erkennen. Burdinski kündigte an, vier solistische Auftritte anzubieten. Möglich sei zum Beispiel ein Heinz-Erhardt-Programm mit Christoph Ackermann, das sich gut auf eine Stunde begrenzen lasse: "Wir werden eine Fassung fürs Seniorenheim machen - für ein Programm wie dieses, das Abwechslung bietet, ist eine Stunde Spielzeit ideal."

Zudem werde Clarissa Hopfensitz alte Lieder von Marlene Dietrich und Hildegard Knef vortragen, die die Senioren gut kennen. Ins Auge gefasst werde leichte Kost, die zum Mitsingen animiere und die Menschen erheitere. Lorraine Bühl (mit Gitarre) und Franz Zwosta (mit Quetsche) würden ferner fränkische Volkslied-Klassiker vortragen. Die bekannten Lieder, sagt Burdinski, sprechen selbst demente Menschen an und ließen diese oftmals "für einen Moment wieder glasklar werden".

"Wir proben nach wie vor in einem großen Raum", ergänzt der Intendant des seit 1993 bestehenden Fränkischen Theatersommers. Dadurch sei das Ensemble gut vorbereitet, wenn die Auftritte im Frühjahr 2021 stattfinden. Er kenne etliche Künstler, die durch das faktische Auftrittsverbot in tiefe Depressionen gefallen seien, sagt er, so dass seine Bühne hilfreich eingreifen musste: "Ohne Nebenjob ist es für unsere freien Künstler derzeit sehr schwer." "Vier Programme können wir anbieten", resümiert Burdinski, der selbst unter dem Titel "Wie war die Welt noch imposant, als ich ein kleiner Junge war" auftreten will.

Sparsam wirtschaften ist Pflicht

Der Fränkische Theatersommer, der seit 2008 stark vom Bezirk Oberfranken gefördert werde, sei so etwas wie ein halbstaatliches Theater, fährt er fort. Bei seinen saisonalen Auftritten zwischen März und Oktober müsse die Bühne zwei Drittel ihrer Aufwendungen selbst einspielen, ein Drittel erhalte sie aus staatlichen Zuschüssen. Das bedeute dennoch: "Wir müssen sehr sparsam wirtschaften." Die bis zu 25 Schauspieler seien nicht fest angestellt, erklärt Burdinski, "es ist viel Ehrenamt bei uns notwendig". Es sei erforderlich, für freiberuflichen Schauspieler, die sich von der Begeisterung leiten lassen, Initiative zu ergreifen. Umso wichtiger sei es, aus dem Gutshof Kutzenberg etwas zu machen, den seine Bühne vom Bezirk Oberfranken überlassen bekam. Der Theatersommer arbeite eng mit der Gemeinde Ebensfeld zusammen, um in Kutzenberg etwas auf die Beine zu stellen. Umwelt-Theater sowie Medien-Pädagogik für Jugendliche seien nur zwei der Projekte, die in Kutzenberg umgesetzt werden sollen. "Wir sind für die Region da, und die Menschen müssen auch etwas von uns haben", sagt der Intendant. Zusammen mit dem Klinikum Obermain und der Umweltstation Weismain seien inhaltliche Konzepte in Arbeit. Burdinski: "Der Landkreis Lichtenfels hat jetzt auch ein eigenes Theater."

"Wir Rotarier haben uns viele Gedanken gemacht, wie wir helfen können", fasst Michael Möslein zusammen. "Wir wollten das Geld nicht mit der Gießkanne verteilen. Weil es uns um die freischaffenden Künstler geht, haben wir den Kontakt zu Jan Burdinski gesucht. Auf die in Frage kommenden Seniorenheime werden wir nun zukommen, um zu erfahren, wann es möglich sein wird, die Menschen dort zu erfreuen."

Spendenkonto

Bankverbindung Das Konto des Hilfswerks lautet: Rotary Obermain Hilfswerk e. V., Sparkasse Coburg-Lichtenfels, IBAN: DE43 7835 0000 0092 5015 01 sowie und BIC: BYLADEM1COB

Spendenquittung Wer dem Spendenaufruf folgt, der möge bitte seine vollständige Adresse und seine E-Mail-Adresse im Verwendungszweck der Überweisung hinterlassen. Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt.