Am Donnerstagnachmittag trafen sich die Vertreter der Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung Lichtenfels, der Korbfachschule von Fayl-Billot sowie der Berufsschulen von Nowy Tomysl und Zbaszyn im großen Sitzungssaal des Landratsamtes zur ersten Konferenz im Hinblick auf die im vergangenen Jahr in Nowy Tomysl geschlossene Intentionsvereinbarung mit dem Ziel einer Kooperation der Ausbildungsstätten für Flechtwerkgestalter in den drei Ländern.
Landrat Christian Meißner wünschte der Kooperation zwischen den Korbfachschulen der drei Länder ein gutes Gelingen und überreichte dem Landrat von Nowy Tomysl, Ireneusz Kozecki, und dem Präsidenten des 36 Gemeinden umfassenden Gemeindekreises Vannier-Amance, Francois Girod, jeweils einen Landkreiswimpel.

Francois Girod stellte fest, dass auch die Korbflechterei in seiner Gegend ein Wirtschaftsfaktor gewesen sei und zahlreichen Generationen Arbeit ermöglicht habe, wobei Technik und Know-how immer weiter gegeben wurde. Bereits 1909 habe man die Schule für Weidenanbau und Flechthandwerk in Fayl-Billot gegründet. Die Schule möchte den Schülern nicht nur das Flechten beibringen, sondern auch ihre Kreativität im Hinblick auf Flechtmaterialien und Flechtobjekten fördern. Waren die Produkte der Korbflechterei ehemals reine Nutzobjekte wie Körbe, so sei heutzutage auch eine künstlerische Note wichtig.
Ireneusz Kozecki, der Landrat des Kreises Nowy Tomysl, sah es eine Ehre an, in der Deutschen Korbstadt weilen zu dürfen. Er selbst komme aus einer Stadt, die eine große Tradition im Bereich der Flechterei und des Weidenanbaus habe.


Lange Tradition

Bürgermeister Andreas Hügerich erinnerte daran, dass das Urhandwerk "Flechten" in allen drei Regionen auf eine lange Tradition verweisen könne. Lichtenfels sei stolz auf seine Flechtkultur. Die zeige sich unter anderem am großen Flechtkorb vor dem Rathaus und werde besonders sichtbar am Korbmarkt, zu dem neben Flechtern aus zehn Nationen etwa 10 0000 Besucher erwartet werden. Auch wenn es einen starken Wandel gegeben habe, seien die Schulen in Nowy Tomysl, Fayl-Billot und Lichtenfels die Hüter des alten Handwerks.
Josiane Moilleron, Direktorin der Korbfachschule in Fayl-Billot, betonte, dass in den einzelnen Schulen nicht nur Weiden, sondern gleichsam auch Beziehungen zu den Schülern geflochten würden und dies müsse nun auf internationaler Ebene ausgeweitet werden. Elzbieta Helwing, Direktorin der Berufsschule in Nowy Tomysl, hob die Begeisterung für das Flechten in allen drei Orten hervor.
Schulleiter Hans-Jürgen Lichy bemerkte, dass die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene die Ausbildung im Flechthandwerk für junge Menschen in diesen Ländern weiter entwickeln und die Attraktivität des Berufs erhöhen soll. Den Kooperationsvertrag unterzeichneten auf französischer Seite der Präsident Francois Girod und die Direktorin Josiane Moilleron sowie auf heimischer Seite Landrat Christian Meißner und der Schulleiter Hans-Jürgen Lichy. Beide Seiten vereinbarten unter anderem gemeinsame Initiativen und Projekte im Rahmen von EU-Förderprojekten und staatlichen Programmen für die Ausbildung der Flechter zu erarbeiten, Kontakte zwischen den beiden Schulen aufzunehmen und den gegenseitigen Austausch von Schülern und Ausbildern aufzubauen.