Mit Hammer und Meißel bearbeitet Lieselotte konzentriert einen Quader aus Gasbeton. "Das wird ein Herz für meine Mama", sagt sie. Die Umrisse sind schon deutlich sichtbar, jetzt geht es darum, all das restliche Material zu entfernen. Später wird Lieselotte das Herz in einem schönen rosa Farbton anmalen.

Die Glesengasse in Unterneuses erinnerte am Sonntagnachmittag entfernt an eine mittelalterliche Werkstatt. Steine wurden bearbeitet, Stuckmarmor und Monotypen hergestellt. Insgesamt 20 Kinder nahmen am Kinderkunstnachmittag teil. Er ist Teil des Ferienprogramms der Gemeinde Ebensfeld und wird geleitet vom Bildhauer Clemens Muth. Damit die jungen Künstler auch ohne Platzprobleme arbeiten konnten, wurde die Glesengasse vorübergehend für den Durchgangsverkehr gesperrt. An mehreren Arbeitsplätzen konnte der künstlerisch begabte Nachwuchs Verschiedenes ausprobieren.

Papas ausrangiertes Hemd

Clemens Muth zeigt, wie es geht, dann dürfen die Mädchen und Jungen selbst ans Werk gehen. "Es wird nichts vorgegeben", sagt Muth. "Wenn man den Kindern auch noch in den Ferien etwas vorgeben würde, dann wäre das zu eng gedacht", sagt er. Papas ausrangiertes Hemd wird kurzerhand zum Malerkittel. Zur Not tun es ein großes Männer-T-Shirt oder alte Kleidung. Die Kinder sind eifrig bei der Sache. Eine Gruppe bearbeitet an einem Tisch unterschiedlich große Quader aus Gasbeton, die Muth zuvor aus einem Block herausgeschnitten hat.
Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Es wird gehämmert, dass die Brocken nur so fliegen. Jakob hat aus zwei Blöcken einen Bulldog mit Anhänger gemacht und beides bunt angemalt. Daran ist deutlich sein späterer Berufswunsch erkennbar. Mit viel Mühe und Sorgfalt hat Daniel aus seinem Quader ein Eichhörnchen herausgeschlagen. "Eichhörnchen sind meine Lieblingstiere", sagt der Junge. Da noch etwas Zeit verbleibt, möchte er noch einen Baum anfertigen, auf dem sein Eichhörnchen sitzen soll.

Becher und Schalen

Im Schatten einer alten Sandsteinmauer sind auf einer langen Wäscheleine eine Reihe von Monotypen aufgereiht. Auch diese Kunstwerke künden von der Kreativität des künstlerischen Nachwuchses. Dutzende von Jogurtbechern und leeren Quarkschalen befinden auf einen weiteren Tisch. Hier dürfen sich die Mädchen und Jungen in der Herstellung von Stuckmarmor üben.

Marmor wie im Kloster

Die Reminiszenz an Vierzehnheiligen, wie Muth erklärt. "Dort gibt es auch Stuckmarmor", weiß Lea zu berichten. Am Ende des Nachmittags gleicht die Glesengasse einer Galerie. Die Kunstwerke werden stolz den Eltern gezeigt. "Das war mir klar, dass Anna eine Flagge macht", schmunzelt Mutter Marianne Weyer. Die sechsjährige Anna spielt gerne Fußball. Als ausgewiesener Fußballfan kennt sie daher sämtliche Flaggen. Am Kinderkunstnachmittag hat sie eine Deutschland-Fahne gemacht. Jetzt muss sie dafür zu Hause nur noch einen Platz finden.
Am Ende hat selbst ein Vater noch zu Hammer und Meißel gegriffen und einen Materialrest bearbeitet. Ein Ei sollte es werden, dachte er sich. Ob es allerdings ein Straußen- oder ein Hühnerei wird, sollte erst später geklärt werden.