Franz Landvogt ist einer der letzten Krätzenmacher

2 Min
Franz Landvogt beim Krätzen-Flechten: Am Sonntag, beim Kleukheimer Ortsjubiläum, wird er sich über die Schulter schauen lassen. Foto: B. Girg
Franz Landvogt beim Krätzen-Flechten: Am Sonntag, beim Kleukheimer Ortsjubiläum, wird er sich über die Schulter schauen lassen. Foto: B. Girg

Das Krätzen-Machen ist eine urfränkische Kunst, die heute kaum noch einer beherrscht - außer Franz Landvogt aus Kleukheim. Krätzen sind Körbchen, die sich zum Beerensammeln ebenso eignen wie zum Aufbewahren von Krimskrams.

Franz Landvogt beherrscht ein altes Flechthandwerk, das heute kaum noch jemand kennt. Aus der gemeinen Waldrebe, auch Lima genannt, macht er stabile Körbe. "Krätzen", wie man umgangssprachlich sagt. Oder doch "Kretzen" oder gar "Kretsen"?

Die richtige Schreibweise der Körbe sorgt kurz für allgemeine Verwirrung, als Franz Landvogt sein Können demonstriert. Denn auch seine Frau Anna und Schwiegersohn Thomas Krauß (mit Internet-Handy ausgerüstet) sind sich im ersten Moment nicht so sicher. Der Duden sorgt jedoch für Klarheit. "Krätzen" heißen die schönen Körbe, die Franz Landvogt in seiner Freizeit herstellt - Parallelen zur gleichnamigen Hautkrankheit sind ausgeschlossen.

Ganz abgesehen von der korrekten Schreibweise: die handwerklichen Kleinode von Franz Landvogt werden einer von vielen Höhepunkten der 875-Jahr-Feier Kleukheims am kommenden Sonntag sein. An Stand Nummer 41, so steht es im offizielle Programmheft, wird Franz Landvogt für alle interessierten Gäste Krätzen flechten.

Beim Ortsjubiläum dabei


"Normalerweise flechte ich nur im Winter", erzählt Landvogt. "Aber das Festkomitee kam schon im letzten Herbst auf mich zu und hat gefragt, ob ich nicht während der Feier Krätzen flechten könnte", fährt Landvogt fort. Für das Jubiläum macht er also eine Ausnahme. "Sonst bin ich im Sommer mit meinem Garten beschäftigt", sagt Franz Landvogt.

Das Festkomitee und alle von der traditionellen Flechtkunst begeisterten Leute haben Glück, dass Franz Landvogt ein interessierter und aktiver Rentner ist. Denn das Krätzen-Flechten hat er erst wiederentdeckt, als er in den Ruhestand ging. Während seiner Zeit als Krankenpfleger im Klinikum Kutzenberg hatte er dafür keine Zeit.
"Als kleiner Bub habe ich bei meinem Vater zugeschaut und durfte Reparaturen an den Körben machen", erinnert sich Franz Landvogt. Früher hätten alle Bauern im Winter, wenn sie nicht aufs Feld konnten, Krätzen gemacht. Als Franz Landvogt dann vor etwas mehr als zehn Jahren in Rente ging, suchte er nach einer neuen Beschäftigung und erinnerte sich an die Krätzen. "Wie das eben so ist, wenn man einen Zeitvertreib sucht und etwas ausprobieren will", erzählt er mit einem Lächeln.

Nach seiner jahrzehntelangen Flechtpause nahm er eine Krätze, die noch sein Vater geflochten hatte, zur Hand und schaute sich das Flechtprinzip ab. "Probleme hat mir am Anfang nur der Stern gemacht, der die Konstruktion am Henkel zusammenhält", erläutert er. Aber den Trick hatte er bald raus und stellte eine erste, kleine Krätze her.

Danach wurden die Körbe immer größer. Im Herbst, nach dem ersten Frost, geht Franz Landvogt los und schneidet passende Waldreben. "Die gibt es hier überall in der Gegend, nur kaum jemand erkennt sie", erzählt der Krätzenmacher. Dann müsse man die Reben ungefähr eine Stunde lang im Wasser kochen, damit man die Rinde leicht entfernen könne. Aufgerollt kann man das fertige Material platzsparend lagern und bei Bedarf wieder einweichen. "Die Hauptarbeiten sind eigentlich die Limasuche und das Gerüst für die Krätze zu bauen", erläutert Franz Landvogt. "Das Flechten danach ist eigentlich kein Problem mehr."

Ob er die Krätzen nicht für den Verkauf anbieten würde? "Ja woher!", verneint Franz Landvogt. Die Krätzen, die er mache, verschenke er oder nutze sie selbst. Das Krätzenmachen sei für ihn ein Hobby und das soll auch in Zukunft so bleiben.

Nach den Feierlichkeiten am Sonntag werde er die angefangenen Körbe noch zu Ende bringen und dann eine Pause bis in den Herbst einlegen. "Wenn aber mal meine Enkel wollen, dann zeige ich ihnen gerne, wie es geht", versichert er.