Einmal mehr konnten die Narren am Faschingssonntag der Obrigkeit den Spiegel vorhalten. Aktuelle politische Themen bestimmten dabei auch das Geschehen in der Faschingshochburg Weismain. Erneut zeigte sich, dass dabei das lokale Geschehen die Bürger stärker beschäftigt als die große Weltpolitik.
Vor allem die "Belebung des Korches", wie der Kordigast, der Hausberg der Weismainer liebevoll genannt wird, beschäftigte die Gemüter. Nicht nur der Weismainer Stadtrat als Fußgruppe auch der Skiverein Weismain und die örtliche Freiwillige Feuerwehr hatten das Thema aufgegriffen, und jeder präsentierte da so seine eigenen Vorschläge. Und die reichten vom 1000-Betten-Hotel, über Klettergarten, Seilbahn und Skipiste bis hin zur geplanten E-Kart-Bahn.

Geradezu außerirdisch wollten die Familie und die Freunde von Heinrich Kunstmann das Projekt behandelt wissen. "Der Korches ist unser Planet" verkündeten sie als Star-Wars-Figuren.
Tierisch heiter ging es zu beim SCW Obermain und seiner Damenmannschaft. "Achtung wild" und "Bitte nicht füttern" signalisierten sie den Schaulustigen am Straßenrand. Von Artenvielfalt und tierischer Anarchie beim SCW war da die Rede angesichts fehlender Schiris, Tore oder Bälle.
Die ausgebüxte Kuh von Kaspauer beschäftigte die Weismainer Jugendfeuerwehr. "Die Kuh, die muht, das Kalb, das schreit, ein Prosit der Gemütlichkeit" lautete ihr Motto, womit man bei einem weiteren Thema des Weismainer Faschingsumzugs angelangt war, dem süffigen Gerstensaft aus der Jurametropole.
Dazu hatte auch "Die schäumenden Acht" ihre eigene Philosophie entwickelt: "Nüchtern betrachtet, ist es besoffen besser. Wir sind der Beweis - Bier macht schön." Da passte auch der Bier-Oldtimer der "Püls-Bräu" der vor dem Till und dem Kaulhaaz-Wagen mit den Bürgermeistern den Zug anführte ebenso gut ins Bild wie der Wagen des Kapellenbauverein Giechkröttendorf von der Dietz-Bräu.
"Wer übernimmt die Turmwirtschaft im Oberen Tor?" fragte sich angesichts dieses flüssigen Themas der Bürgerblock Weismain während die "Närrischen Weiber" streng "Bio" als Gemüse- und Obstfrüchtchen daher kamen. "Einfach affenstark" fand die Rewe-Crew aus Altenkunstadt das Ganze während die Modschille Pflooma" der ganzen Gesellschaft den Marsch bliesen. Lautstark unterstützt wurden sie dabei von der Weismainer Blasmusik, dem Musikverein Altenkunstadt und dem "Hellau" das von den Wagen der beiden Prinzenpaare aus Weismain und vom MCC Mainleus in die Menge scholl.


Hohn für die Bundeswehr

Dass der Horizont der Weismainer auch über die Juraregion hinausreicht, das bewiesen der FCN-Fanclub Marc Oechler und die Weismainer Schützen. Letzter hatten für die Ausrüstung der Bundeswehr nur Hohn und Spott übrig: "Krumm schießt das Gewehr, helau auf unsere Bundeswehr! Ist der Lauf auch noch so krumm, fliegt die Kugel um uns 'rum!" Und mit ihrem Gefährt zum Schieben erinnerte die FCN-Fangruppe an den aktuellen VW-Abgas-Skandal. Blieben noch die lustigen Schneemänner der Turnerjugend, die mit den milden Wintertemperaturen so ihre Probleme hatten.

Wie immer legte der Gaudiwurm vor dem historischen Rathaus einen Zwischenstopp ein, wo Till Eulenspiegel den Regenten den Spiegel vorhielt. Auch der Weismainer Bürgermeister Udo Dauer blieb davon nicht verschont. Dabei hatte der sich doch extra als Zitrone verkleidet um von den Närrischen Weibern, den süßen Früchtchen, möglichst umgehend den Schlüssel fürs Rathaus zurück zu bekommen.