"Jetzt ist zehn (Uhr), jetzt fang' mer an", so Landrat Christian Meißner pünktlich am Montagvormittag bemerkend. Die Sitzung des Kreisausschusses war im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes anberaumt und hatte vornehmlich informativen Charakter. Höhepunkte der Tagesordnung: Entwicklungen zum Forschungs- und Anwendungszentrum für Digitale Zukunftsfelder (FADZ) in der Kirschbaummühle und im Öffentlichen Personennahverkehr.

Es kommt nicht oft vor, dass ein "Externer" während einer Kreisausschusssitzung aufspricht. Aber Frank Herzog war da und Meißner bat ihn für den Tagesordnungspunkt 3 ans Rednerpult. Da stand er, der Gründer von Concept Laser und Vorsitzender des FADZ, und setzte in ruhiger Weise, aber doch mit merklicher Überzeugung den Anwesenden auseinander, was alles geplant, gewollt und durchgespielt wird.

Forschungs- und Transferstelle

Rückblende: Im November 2019 gründete sich der Verein, der die Förderung von Wissenschaft, Forschung und Bildung vorantreiben will. Im Klartext: Lichtenfels soll Forschungs- und Transferstelle regionaler Unternehmen und der Hochschule Coburg werden. Die künftige Bildungsstätte wird die Kirschbaummühle sein. Der Slogan, der sich dazu auf der Webseite des Vereins finden lässt, ist beredt: Heute beginnt das Morgen. Aber damit das Morgen im Heute beginnt, war Frank Herzog mit vielen Mitstreitern in der Vergangenheit schon vernetzend fleißig.

"Seit der Gründung wird unablässig gearbeitet", erklärte hierzu auch Meißner, der Herzogs Rastlosigkeit hervorhob. Und der wiederum erklärte: "Die Kirschbaummühle ist das große Sehnsuchtsziel." Sie ist es, die Bildungsstätte werden soll, ein Ort, an dem Wirtschaft 4.0 bedacht wird, an dem sich Wirtschaftskreisläufe gestalten, an dem Forschung auch für Besucher erlebbar sein und Geschmack auf Zukunft gemacht werden soll.

Ein Projekt, das laut Herzog weit über die Landkreisgrenzen hinaus Aufsehen erregt. "Es kommt Neugierde von außen rein (...) - ich spreche mit Brose, mit Kaeser, mit General Electric." Es geht um additive Fertigung, um Erkenntnisse zu Leichtbauweisen und - berücksichtigt man die Zwischenfrage von Kreisrätin Monika Faber (SPD) an Herzog - auch um Einbindungsmöglichkeiten von Volkshochschule oder Kreisjugendring.

Es geht aber auch um einen einzurichtenden Studiengang und Professuren. Der Kreisausschuss jedenfalls befürwortet die vorgestellten Absichten. Doch um dem Projekt Schub zu verleihen, ist ein Dach für das FADZ geplant. Es wird aus fünf Buchstaben bestehen: gGmbH. Eine solche gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung gilt es zu gründen und sowohl Landkreis als auch Stadt tragen sich mit der festen Absicht, Gesellschafter zu werden. Derzeit, so war zu erfahren, befände sich die Verwaltung in Verhandlungen über den entsprechenden Gesellschaftsvertrag. Dieser soll bis spätestens zur Sitzung des Kreistags am 20. Juli zur Beschlussfassung vorgelegt werden. Ein Auge wollen Stadt und Landkreis auch darauf haben, dass sich die zu gründende GmbH spätestens ab dem sechsten Geschäftsjahr nach Gründung selbst trägt.

Masterstudiengänge geplant

Ein weiterer Punkt besteht in der Konkretisierung des Hochschulbetriebs ab 2023/2024 mit Masterstudiengängen "Additive Fertigung und Leichtbau (Arbeitstitel)". Dann sollen auch kostenpflichtige Schulungen und Beratungen für Unternehmer durchgeführt werden. Dies gehörte dann zum Aufgabenzweig jener neu zu gründenden GmbH, die auch den Betrieb der Kirschbaummühle verantworten wird. Konkrete Zahlen für eine Gesellschaftereinlage nannte Meißner nicht. Auch das sei coronabedingt. Jedoch wird es fachanwaltliche Prüfungen geben, auch um dem Projekt "den Stempel der EU-Rechtskonformität" geben zu können.

Eines aber betonte Meißner sehr wohl: "Wuchtig" würden die Beträge von Landkreis und Stadt ausfallen. Damit lag der Höhepunkt des nicht öffentlichen Teils der Sitzung hinter den Räten.

Von allgemeinem Interesse waren danach allerdings noch die den Landkreis betreffenden Entwicklungen im ÖPNV. Der hierzu kundige Markus Köhlerschmidt gab einen Ausblick auf den Sachstand ab 1. September 2020 und sprach von einem "Linienbündel". So soll es beispielsweise zu einer Ausweitung des Bedarfsverkehrs (Näheres unter www.lkr-lif.de) auf die Linien 1211, 1212, 1213, 1214 und 1244 kommen.

Rufbus kann ein Auto sein

Das Schlüsselwort dabei lautet "Rufbus". Ihn muss man 60 Minuten vor Fahrtbeginn ordern. Dass man mit dieser Einrichtung nicht "Kubikmeter Luft durch den Landkreis fährt", merkte Meißner an und der Grund hierfür liegt in dem Umstand, dass sich hinter dem Begriff Rufbus (RBu) eben auch ein Pkw verbergen kann. Gruppen ab sechs Personen sollten sich daher bis spätestens 16 Uhr am Vortag anmelden. Zwar können Fahrräder nicht befördert werden, aber dafür wählt der RBu den kürzesten Weg zwischen Einstiegs- und Zielhaltestelle, wobei es sein kann, dass unterwegs noch Gäste zusteigen. Allerdings laufe der Prozess zur Vergabe von Rufbusleistungen an Subunternehmer noch. Auch eine Erhöhung der Fahrplanangebots steht bevor. Ein Grund hierfür: die Anbindung aller Ortsteile mit mehr als 150 Einwohnern ans Liniennetz. Auch wurde das Gremium u.a. von der Anschaffung fünf gebrauchter Linienbusse mit Niederflurtechnik durch das Busunternehmen Kaiser informiert.