Esther Callens sitzt auf dem alten Schemel und drückt vorsichtig auf eine Taste der Orgel. Ein heller Ton schallt durch die Schlosskapelle. Die Zweijährige quiekt. Ihr Großvater, Filips Callens, lacht. "Wenn Esther Glück hat, steht die nächste Restaurierung der Orgel erst bei ihren eigenen Enkeln an", erklärt der Schlossherr, der neunfacher Großvater ist.

Ihm ist der Erhalt der Orgel sehr wichtig. 1794 ist sie von Johann Andreas Hoffmann aus Neustadt bei Coburg geschaffen worden. Das Instrument hat insgesamt sieben klingende Register auf einem Manual und einem Pedal.
Der Prospekt ist fünfachsig und wird von zwei Rundtürmen flankiert. Die gerundeten Deckelbretter sind mit hölzernen Pfeifen besetzt und sollen durch eine Silberauflage Metallpfeifen imitieren. Filips Callens ist davon schwer beeindruckt: "Es ist erstaunlich, wie das technisch überhaupt möglich war", sagt er.

Orgel von Mängeln gezeichnet


Das barocke Kunstwerk wurde dagegen von den Vorfahren der Callens kaum gewürdigt. Notdürftige und unvollständige Reparaturen, erhebliche Mängel kennzeichneten das Instrument. Die Blasebalge wimmerten und waren instabil.

Erst Filips Callens ließ die Orgel vor 40 Jahren herrichten. "Sie konnte dadurch wieder bespielt werden. Mehr aber auch nicht", erklärt der Schlossherr. Vor ein paar Monaten wurde sie erneut restauriert. Die Sanierung kostete über 55 000 Euro. Gestern überreichte Uwe Franke von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz eine Spende über 15 000 Euro für dieses Projekt. Das Geld stammt aus privaten Spenden, aber auch aus Mitteln der Rentenlotterie Glücksspirale. Auch die Oberfrankenstiftung beteiligte sich an der Finanzierung der Restaurierung. Hilfe wurde außerdem von der Bayerischen Landesstiftung, vom Kreis Lichtenfels und vom Landesamt für Denkmalpflege beantragt.
Die Familie Callens freut sich über ihre generalsanierte Orgel in der Schlosskapelle, die nur durch eine steile Freitreppe zu erreichen ist. Monatlich findet ein Gottesdienst, vier- bis fünfmal im Jahr ein Orgelkonzert darin statt.

"Ich freue mich schon sehr auf die Konzerte", verrät Filips Callens, "es ist nun eine Orgel mit hohem qualitativen Niveau".