Diese Anlage besitzt Symbolcharakter: IBC Solar hat ein 27-Megawatt-Solarfeld in der Nähe von Kesinga im indischen Bundesstaat Odisha fertiggestellt. Es ist das bisher größte Einzelprojekt des Unternehmens und sein erstes in Ostindien. 45 Hektar ist es groß, das entspricht der Größe von 63 Fußballfeldern.
Doch warum Symbolcharakter? Hier kann man zwei Gründe nennen: Es ist eine Anlage im Ausland und ihre erfolgreiche Umsetzung steht dafür, dass IBC wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt ist - dank einer neuen Geschäftsstrategie. Denn bis 2013 war das Unternehmen vor allem auf dem deutschen Markt erfolgreich gewesen. Dann kam der Einbruch, im Jahr 2014 ging der Zuwachs bei PV-Anlagen um 40 Prozent zurück. IBC musste seine Mannschaft um 80 auf etwa 300 Personen verkleinern. Seitdem arbeitet man daran, im Ausland mehr Aufträge zu bekommen, und auch wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen. "2017 ist uns das gelungen", sagt Finanzvorstand Jörg Eggersdorfer.
Auch in anderen Bereichen geht es vorwärts: Der vorläufige Umsatz 2017 liegt bei 342 Millionen Euro, 2016 waren es noch 266 Millionen gewesen. Damit liegt man auch wieder über dem Niveau von 300 Millionen Euro im Jahr 2013. Trotzdem ist man noch weit von den Rekordumsätzen von 970 Millionen Euro im Jahr 2010 entfernt.
Auch die Zahl der Mitarbeiter ist wieder angestiegen. Mit 365 Personen hat man fast wieder das Niveau des Jahres 2013 erreicht.
Doch das Umfeld der Solarbranche hat sich stark geändert. Deutschland war über viele Jahre hinweg mit einem Zuwachs von um die sieben Gigawatt im Jahr. Der Gesetzgeber begrenzte den Zuwachs auf 2,5 Gigawatt im Jahr, die allerdings in den vergangenen Jahren nie erreicht wurde. Er bewegte sich um die 1,8 GW. "Heuer könnten es erstmals über zwei GW werden", sagt Eggersdorfer.
IBC wächst aktuell vor allem über das Auslandsgeschäft, das sich deutlich vergrößert hat. 2013 steuerte es erst sechs Prozent zum bei, inzwischen liegt man bei 30 Prozent. "Bis die Arbeit im Ausland Früchte trägt, dauert es oft länger als geplant."
Die Vergabe beim Bau von neuen Anlagen in Indien ähnelt in Grundzügen dem System in Deutschland.
Das Projekt gehört zu einer Ausschreibung über eine 270-MW-PV-Anlage durch die Regierungsbehörde Solar Energy Corporation of India (SECI) im Staat Odisha im August 2016, in deren Rahmen IBC über ein Auktionsverfahren den Zuschlag für ein Power Purchase Agreement (PPA) mit einer Dauer von 25 Jahren erhielt.
Im März 2017 wurde dann eine Projektfinanzierung mit L&T Infrastructure Finance Company Limited abgeschlossen. Nach der vertraglichen Sicherung eines 45 Hektar großen Grundstücks im August 2017 musste zunächst das lokale Umspannwerk aufgerüstet werden. Zudem wurde eine circa acht Kilometer lange Übertragungsleitung gebaut. Mit den Arbeiten an der Solaranlage wurde im November 2017 begonnen.
"Wir haben die Anlage nicht nur gebaut, sondern mitentwickelt", betont Eggersdorfer, der auch darauf hinweist, dass eine Refinanzierung im Bau Neuland in Indien gewesen sei. Seit 2012 besitzt IBC eine Tochterfirma in Indien. Größter Auslandsmarkt für das Unternehmen ist aktuell die Türkei mit 38 Millionen Euro (45 MW). 2018 könnte Japan ein wichtiger Markt für IBC sein.
Wie sich die Gewichte auf dem weltweiten Markt verändert haben, zeigt folgender Vergleich: Der Photovoltaik-Weltmarkt bewegt sich inzwischen bei über 100 GW, mit 48 GW ist China der größte Einzelmarkt, dann folgen die USA (12,5 GW), Indien (10 GW) und Japan (7 GW). Deutschland ist mit rund 2 GW Zuwachs nur noch ein kleiner Player im Konzert der großen.
Wachstum und technologische Fortschritte in der Fertigung machen sich auch beim Preis bemerkbar. Kostete eine typische Dachanlage mit einer Leistung von 5 kW rund 25 000 Euro, liegt sie heute bei 6000 Euro.