Gebraucht und genutzt wurde der Kastenhof immer. Sogar in den Zeiten, als sein Zustand erbarmungswürdig war. Davon kann Dora Neff erzählen. Die heute 78-Jährige führte Pfarrer Josef Lauer den Haushalt. Erst in Iphofen, dann in Weismain. Dort allerdings musste das Pfarrhaus zunächst renoviert werden, so dass die beiden gleich zu Beginn in Räume im ersten Stock des nebenan gelegenen Kastenhofs einzogen. Das Wort Behelfsunterkunft gibt noch keinen Aufschluss über die tatsächliche Wohnsituation. "Aus dem Dach ist ein Baum rausgewachsen", schildert Dora Neff aus der Erinnerung heraus. An der Wand des Wohnzimmers sei das Wasser runtergelaufen, die Decken seien mit Folie abgehängt gewesen, und im Winter habe es die alte Elektroheizung gerade geschafft, die Zimmer auf 15 Grad zu temperieren. Zu guter Letzt sei dem Herrn Pfarrer sogar ein Stück Putz von der Decke auf seinen Schreibtisch gefallen. "Es war ganz schlimm", fasst seine Haushälterin zusammen.
Neff konnte aber auch miterleben, was nach 1991 aus dem denkmalgeschützten einstigen Amtsgebäude wurde. "Hervorragend" sei das heute alles, sagt sie, und fügt hinzu, dass sie eigentlich alte Häuser gerne mag.

Der Charme der historischen Räume empfängt die Besucher der Tourist-Information Weismains und des Nordjura-Museums. Leiterin Andrea Göldner erlebt mitunter, wie die Gewölbedecken ihres modern ausgestatteten Arbeitsplatzes bestaunt werden. Als Stadtarchivarin und Kreisheimatpflegerin kennt sie natürlich die Geschichte dieses Anfang des 18. Jahrhunderts errichteten Verwaltungsbaues und wird am "Tag des offenen Denkmals" (10. September) gerne davon erzählen. Zum diesjährigen, wieder bundeseinheitlich bestimmten Motto "Macht und Pracht" passe der Kastenhof noch am ehesten unter dem Aspekt, dass der Bamberger Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn der Bauherr war und das Gebäude zu Repräsentationszwecken sowie zum Einziehen des Zehnts beziehungsweise von Steuern diente. Machtausübung also. Im Zweiten Weltkrieg diente der Kastenhof dem Nazi-Regime als Arbeitsdienstlager. Wieder eine Form von Machtdemonstration.
Von 1945 bis 1975 folgten unterschiedlichste Nutzungen als Forstamt, Kindergarten, Schule, Arztwohnung und durch verschiedene Geschäfte. 1990, noch unter Bürgermeister Max Goller (CSU), wurde mit der dringend nötigen Sanierung begonnen, die einen hohen finanziellen Aufwand erforderte und sich in mehreren Abschnitten über Jahre hinzog. Für die Bücherei gab es neue Räume. Das Museum wurde 2004 eröffnet. Die Umweltstation des Landkreises Lichtenfels zog 1999 ein. Auf diese Bereicherung ist man in Weismain stolz.


Veranstaltungen zum "Tag des offenen Denkmals" am 10. September:
9.30 Uhr Eröffnungsveranstaltung für den Landkreis Lichtenfels im Kastenhof in Weismain, anschließend sowie von 14 bis 17 Uhr Gelegenheit zur Besichtigung. Drei weitere Anlaufpunkte gibt es im Landkreis:
Wallersberg Wallfahrtskapelle St. Katharina, 14 - 17 Uhr.
Kloster Banz Führungen durch Klosteranlage und Museum von Banz, Stadt Bad Staffelstein, 13 und 15 Uhr (je 75 Min.); geöffnet 10 - 17 Uhr.
Lichtenfels 13.30 Uhr Führung durch das restaurierte Dachgeschoss des historischen Rathauses mit Ulrich Sünkel (Leiter Hochbauamt). Stadtarchivarin Christine Wittenbauer informiert über die Geschichte des 1743 erbauten Dientzenhofer-Rathauses.