Bekannt ist das Dorf vor allem durch eines: Seine Tanzveranstaltungen und die vielseitige Gastronomie. Derzeit liegt der sonst hell leuchtende Ort jedoch am Abend und in der Nacht im Dunkeln. Kein Urlauber, kein Kurgast und keine Patient der Rehaklinik Lautergrund darf zum Tanz oder zum Essen ausgehen - der zweite Lockdown hat das gesellschaftliche und gesellige Leben im Dorf ausgeknipst. Der Slogan "Morgens Fango, abends Tango" ist momentan nur Ironie, weil auch die Obermain-Therme vorübergehend schließen musste, die dem Dorf zuverlässig Gäste bescherte.

Andreas Pfarrdrescher ist im Dorf aufgewachsen. "Schwabthal ist eine Geisterstadt geworden", sagt er überspitzt. Seit 38 Jahren ist er in der Gastronomie tätig. In seinem Landgasthof "Zur Scheune" ruht der Betrieb derzeit. Der Gastwirt ließ sich aber nicht entmutigen - weder vom ersten noch vom zweiten Lockdown. Er blickt optimistisch in die Zukunft und gestaltete den Restaurant- und Terrassenbereich jüngst um: Im Sommer habe er den Balkon baulich geschlossen, um mehr Gäste in sicherem Abstand platzieren zu können. Zwei große Heizstrahler erwärmen nun die Plätze auf der Terrasse, die mit einem Wetterschutz aus Plexiglas versehen sind. Hier möchte Andreas Pfarrdrescher seine Gäste an kühleren Tagen bewirten, sobald das wieder zugelassen sein wird.

"To go" hilft beim Überbrücken

Der erste Lockdown im Frühjahr, sagt er, habe ihm und seiner Familie aufgezeigt, wie man sich wirtschaftlich über Wasser halten kann. So konnten sich die Pfarrdreschers ein wenig auf den zweiten Lockdown vorbereiten, denn mit den Abläufen des "To go"-Geschäfts haben sie nun bereits Erfahrung. "Viele Leute aus unserer Region honorieren das und holen Cordon-bleu, Schnitzel oder Hähnchen bei uns ab - das freut uns sehr", sagt Andreas Pfarrdrescher.

Wirtschaftlich gesehen habe er während des ersten Lockdowns alle Register gezogen - von Kurzarbeit über gestundete Steuerzahlungen und die Soforthilfe bis zu ausgesetzten Darlehenstilgungen. Das alles sei erforderlich gewesen, "weil wir nicht wussten, wie lange das dauern wird".

Die augenblickliche Situation schildert er so: "Ich empfand den Lockdown im privaten Bereich als gut - wenn man einmal den finanziellen Aspekt beiseite lässt. Ich hatte noch nie so viel Zeit für die Familie. Wir sind gewandert, haben gerillt und Spiele gemacht. All das, wofür man als Gastwirt sonst nie Zeit hat. Ich hatte noch nie dieses Familienglück wie in diesem Jahr."

Auf eine Fernreise zum 25. Hochzeitstag mussten Jutta und Andreas Pfarrdrescher zwar verzichten, doch das sei nicht schlimm gewesen. Der 56-Jährige: "Wir haben dafür eine Wanderung zum Dornig über Stublang und zurück nach Schwabthal gemacht - das war ein toller Tag, weil wir Zeit für uns hatten."

"Unsere Hausgäste gingen zum Tanzen in den Sonnenblick oder, wenn wir Ruhetag haben, in die anderen Restaurants", fährt er fort. Das sei nun nicht möglich. Dabei verstehe er sehr gut, dass die Rehaklinik ihren Patienten nahelege, das Gelände nicht zu verlassen, um keinen Virus einzuschleppen.

"Ich vertraue auf die politischen Entscheidungen, die ich nachvollziehen kann", ergänzt er. "Ich verstehe, dass viele Leute derzeit Angst haben, auszugehen. Ich bin aber nicht pessimistisch, das Leben wird wieder kommen." Aus seiner Kinderzeit habe er das Dorf stets als hell erleuchtet und belebt in Erinnerung. Nun seien die Lichter der Lokale vorübergehend erloschen. "Zuerst kommt für mich der gesundheitliche Aspekt, damit wieder Ruhe und Vertrauen ins Land kommen."

Seine Hoffnung: "Dann würde ich mir wünschen, dass Staat und Banken zinsgünstiges Kapital zur Verfügung stellen, damit wieder investiert werden kann und die Wirtschaft in Schwung kommt." Geschenkt haben will er nichts, hofft aber, "dass es einen guten Kapitaldienst vom Staat geben wird und dass alle Kollegen gut über diese Krise kommen, denn jeder hat's verdient."

Von einer miserablen Lage spricht Matthias Dinkel, Juniorchef des 120-Betten-Hotels und Tanzlokals Sonnenblick. Der Tanzbetrieb ruht seit dem 15. März. Nur das Restaurant war zwischenzeitlich geöffnet. Bis zu 300 Personen finden in dieser Tanzarena Platz. Nun ist es dunkel in dem großen Saal. Die Barhocker sind hochgestellt. Niemand sitzt an den zahlreichen Tischen. Auch die Balustrade mit Aussicht auf die Tanzfläche ist seit Monaten menschenleer. "Wir haben viel investiert für die Umsetzung des Hygienekonzepts", sagt Matthias Dinkel, und dennoch musste seine Familie den Betrieb herunterfahren. "Täglich bekommen wir Anrufe, wann es denn weitergehen kann mit Tanzveranstaltungen, doch das wissen wir nicht."

Die Familie macht vieles selbst

Auch dass die Obermain-Therme momentan geschlossen ist, wirke sich aus, die Urlauber fehlen. Übrig blieb nur, die Notbremse zu ziehen: "Wir haben fast alle Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Was an Arbeit übrig bleibt, machen wir als Familienbetrieb intern: Mutter, Sohn und Schwiegertochter."

"Im Hotel dürfen wir zum Beispiel nur Monteure und Vertreter aufnehmen", fährt er fort, "aber was will ein Vertreter hier verkaufen, wenn er nirgends rein darf?" Seine Prämisse lautet, das Tanzlokal wieder zu eröffnen, sobald ein Impfstoff gefunden ist. "Uns und allen anderen Vermietern und Gastronomen am Ort fehlen all die Frauen- und Männerclubs, die abends was erleben wollen, aber auch die Teilnehmer der Bierwanderungen." Seine Hoffnung: "Dass die Ampel bald Gelb zeigt, so dass die Beschränkungen gelockert werden."

Warten auf grünes Licht

Wie lange die Familie Dinkel die Einschränkungen des Lockdowns durchhalten kann? "Wir müssen durchhalten", antwortet Matthias Dinkel und fügt hinzu: "Ich fürchte, dass wir heuer nicht mehr öffnen können. Wir warten jetzt ab - und sobald es grünes Licht gibt, starten wir durch." Ein Hygienekonzept, sagt er, sei vorhanden. Plexiglasscheiben, Desinfektionsspender und Markierungen auf den Böden seien angebracht. "Wir hoffen, dass der Impfstoff bald kommt und dass die Ampel dann bald auf Grün steht." Gleichwohl ist er skeptisch: Es bleibe abzuwarten, was die Regierung vorgebe. Ob die Leute alle gleich wiederkommen, bleibe fraglich, weil viele wohl anfangs etwas vorsichtiger sein werden.

Persönlich konnte der 46-Jährige dem Lockdown durchaus schöne Seiten abgewinnen. Mit dem E-Bike unternahm er ausgedehnte Ausflüge über die Jurahöhen hinweg bis Kulmbach.

Schwierige Zeit positiv nutzen

Katja Dinkel vom Landhotel Augustin sagt: " Ich bin ein positiver Mensch. Wir müssen leider zumachen. Aber das dient der Gesundheit aller." Leider gehe damit ein Stück Lebensqualität für die Menschen verloren, die gerne zum Essen ausgehen. "Ich möchte nicht jammern - es ist eine schwierige Zeit, aber wir versuchen, diese Zeit positiv zu nutzen."