Das Logistikunternehmen CS Trans muss die gepachteten Lagerhallen bis zum Jahresende verlassen, weil sich keine Einigung mit den Eigentümern hat finden lassen. Das Unternehmen stellte bei der Stadt Bad Staffelstein einen Bauantrag, um an einer anderen Stelle, nordöstlich von Grundfeld, eine 15 000 Quadratmeter große Halle zu errichten sowie eine Werkstatt, eine Waschanlage, eine Tankstelle und Lkw-Stellplätze. Der Landesdenkmalrat, ein beratendes Gremium der Staatsregierung, hat sich nun einstimmig gegen den Bau des Firmenkomplexes an einer derart exponierten Stelle im Maintal ausgesprochen.

Der Landesdenkmalrat lehnt den Bau der Gebäude an dieser Stelle ab, weil es sich um eine besonders schützenswerte Kulturlandschaft handle. Der Gottesgarten am Obermain mit Vierzehnheiligen und Kloster Banz sei besonders sensibel, so lässt sich die Begründung des Gremiums zusammenfassen.

Vorgeschichte

Die Stadt Bad Staffelstein hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Im Februar 2019 hatte der Stadtrat der Bebauung mehrheitlich zugestimmt. Bei einem Bürgerentscheid im November 2019 hatten sich 66,5 Prozent der Stimmberechtigten für den Neubau der Hallen ausgesprochen. In der Juni-Sitzung 2020 hatte der Stadtrat die Entscheidung über eine vorhabensbezogene Bauleitplanung und über den Vorentwurf des Neubaus vertagt. Ein Arbeitskreis wurde gebildet, um alle Interessen unter einen Hut zu bekommen.

Bad Staffelsteins Bürgermeister Jürgen Kohmann (CSU) antwortet auf unsere Frage, ob die Suche nach einem neuen Gelände überhaupt möglich sei und ob das Logistikunternehmen eventuell nach Lichtenfels oder Ebensfeld verlagern werde, wenn es aus Grundfeld weg müsse: "Der Landesdenkmalrat hat sich bisher noch nicht gegenüber der Stadt Bad Staffelstein geäußert. Wir befinden uns in einem laufenden Verwaltungsverfahren, in dem keine persönlichen Einschätzungen und Stellungnahmen abgeben werden."

Die Bamberger Landtagsabgeordnete Ursula Sowa (B90/Grüne) hatte sich in die Debatte eingeschaltet und überlegt, was man tun könnte, um den Bau des Logistikzentrums zu verhindern. Der Landesdenkmalrat, dessen Regionalverband sie seit kurzem angehört, erschien ihr dabei ein geeignetes Gremium. Der Rat sei eine ernstzunehmende beratende Institution, die größeren interessanten Fällen nachgehe. Der Freistaat, sagt sie, könne und sollte interkommunale Zusammenarbeit unterstützen, damit Kommunen nicht leer ausgehen, wenn zum Beispiel Unternehmen abwandern, weil ihnen die Flächen zur Expansion verweigert werden.

An dem Hallenprojekt in Grundfeld störe sie die Massierung von Industriegebäuden an dem landschaftlich wertvollen Ort. Dass schon viele andere Industriebauten dort stehen, hält sie für einen Fehler: "Ein nächster Fehler wäre ein Doppelfehler - und das ist dann ein Versagen." Der Gottesgarten am Obermain in seiner Schönheit müsse bewahrt werden.

Überkommunale Planung

Ein weiteres geeignetes Gremium, das hier steuernd eingreifen könne, sei der Regionale Planungsverband Oberfranken-West, dem sie angehört. Gemeinsam sollte es gelingen, geeignete Flächen auszuweisen, um das vorgesehene Areal im Maintal nicht bebauen zu müssen. "Man sollte schauen, ob der Erststandort wieder ins Gespräch kommt", schlägt Ursula Sowa vor, also möglichst vermitteln, so dass die bestehenden Hallen in ein Konzept eingebunden werden. Es müsse verhindert werden, dass diese bestehenden Hallen als Leerstand erhalten bleiben.

"Gemeinsam handeln, nicht mit dem Ellenbogen", ist ihr Vorschlag. Wenn die Logistikfirma abwandere, weil ihr in einer anderen Kommune ein besser geeignetes Grundstück geboten werde, gehe es darum, die Gewerbesteuer des Unternehmens auf beide Kommunen zu verteilen. Das werde andernorts schon praktiziert.

Nachdenken über Plan B

Von Christian Schad, dem CS-Geschäftsführer, wollen wir wissen, wie der Sachstand aus seiner Sicht ist. "Aktuell müssen wir Ende 2020 raus", antwortet er und ergänzt: "Vielleicht müssen wir übergangsweise etwas anderes anmieten." Genaueres könne er momentan nicht sagen, denn die Corona-Pandemie habe alle Zeitpläne durcheinandergewirbelt. Christian Schad fühlt sich von der Politik alleingelassen, die sich rechtzeitig mit ihm hätte verständigen sollen, um eine für alle praktikable Lösung zu suchen. Soviel aber lässt er sich entlocken: "Wir sind aktiv dran, einen Plan B zu erarbeiten."